Co-Trainer Cichon und Junge Tribünen-Adler und Fußball-Erklärer

Mit Coach Markus Anfang kamen auch zwei neue Co-Trainer zu Werder. Florian Junge und Tom Cichon gelten als enge Vertraute ihres Chefs und haben nun über ihre Arbeit gesprochen.
07.07.2021, 14:41
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Von Daniel Cottäus

Wo der eine ist, wo er arbeitet und seine Idee von Fußball verwirklichen will, da sind die anderen beiden nicht weit weg. Markus Anfang und seine engen Vertrauten Florian Junge und Tom Cichon bilden schon seit Jahren ein spezielles Trainerteam, in dem die Aufgaben klar verteilt, die Abläufe lange erprobt sind. Das begann im Nachwuchsbereich von Bayer Leverkusen, wo Anfang und Cichon gemeinsam ihre Trainerkarrieren starteten und Junge in anderer Funktion arbeitete. Es folgte die Station Holstein Kiel (noch ohne Junge), dann ging es als Trio zum 1. FC Köln und weiter zu Darmstadt 98 fort. Seit einigen Wochen arbeiten alle zusammen beim SV Werder Bremen. Im Trainingslager in Zell am Ziller haben Junge und Cichon nun erstmals erklärt, wie genau ihre Aufgaben bei Werder unter dem Trainer Markus Anfang aussehen, was sie mit der Mannschaft fußballerisch vorhaben – und was der Chef eigentlich für ein Typ ist.

Sowohl Cichon als auch Junge, beide übrigens im Besitz der Fußballlehrerlizenz, beschreiben sich als offene, als kommunikative Typen, denen der Austausch untereinander sehr wichtig ist – nicht zuletzt während der Spiele soll die Mannschaft davon profitieren. „Die Aufgabenverteilung sieht dann so aus, dass ich oben auf der Tribüne sitze und mit Florian unten auf der Bank verbunden bin“, erklärt Cichon und scherzt: „Ich bin quasi der Tribünen-Adler mit dem Knopf im Ohr und dem Mikrofon um den Hals.“ Fallen dem 45-Jährigen in dieser Rolle beispielsweise taktische Ungereimtheiten oder offene Räume beim Gegner auf, meldet er sich. Über Junge gelangen die Informationen dann zu Anfang.

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Auf dem Trainingsplatz wird Cichon nicht zwingend jeden Tag dabei sein. Sein Job ist es vielmehr, für eine möglichst gute Vernetzung der Abteilungen Profi-Team, Analyse und Scouting zu sorgen. Hauptschwerpunkt seiner Arbeit soll die Gegner-Analyse sein, womit Cichon die Aufgabe des ehemaligen Bremer Chef-Analysten Mario Baric (inzwischen bei Borussia Dortmund) übernimmt. Auch in die Suche nach neuen Spielern ist der ehemalige Scout eingebunden. „Die Scouting-Abteilung ist gut aufgestellt, die Datenbank ist voll. Es gibt bereits einen Schattenkader, aber auch wir haben unsere Vorschläge im Kopf“, sagt Cichon, der nach etlichen Jahren an der Seite von Markus Anfang natürlich weiß, worauf der Chefcoach Wert legt.
Florian Junge ist in der Praxis als klassischer Co-Trainer mit dafür verantwortlich, dass die Spieler auf dem Platz das machen, was sie sollen, dass sie die Inhalte verstehen und umsetzen können. „Ich versuche, immer Feedback von den Spielern zu bekommen. Ob sie mitkommen bei dem, was wir ihnen vermitteln wollen. Oder ob es Dinge gibt, die vielleicht noch unverständlich sind“, sagt der 35-Jährige – und erklärt: „Ich sehe meine Aufgabe auf dem Platz speziell darin, Hilfestellung zu geben, wenn Fragen auftauchen.“ Im Zillertal war bereits zu erkennen, dass Junge oft den engen Austausch mit den Profis sucht. In der Vergangenheit war er unter Anfang zudem für die Standards verantwortlich, was bei Werder ähnlich laufen dürfte, auch wenn Junge zunächst festhält: „Zu Beginn werden wir noch keine klare Aufgabenverteilung vornehmen. Wir müssen uns erst mit allen anderen einspielen.“ In Danijel Zenkovic zählt bekanntlich ein Co-Trainer aus dem vergangenen Jahr weiterhin zum Staff, dazu kommt das Funktionsteam. Es dürfte also noch etwas dauern, bis alle Abläufe sitzen. Das Ziel ihrer Arbeit steht für Junge und Cichon aber schon lange fest.

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„Die Mannschaft soll aktiven und dominanten Fußball spielen. Wir wollen sowohl gegen als auch mit dem Ball möglichst viel selber bestimmen“, erklärt Junge. Und weiter: „Viele Gegner machen das Zentrum stark und kompakt, da kann man über den Flügelbereich oftmals eher durchbrechen.“ Diese Spielidee, die unter anderem einrückende Außenverteidiger und klassische Flügelstürmer vorsieht, hat ihren Ursprung im Nachwuchsleistungszentrum von Bayer 04 Leverkusen, in dem Junge und Cichon einst gemeinsam mit Anfang arbeiteten. „Wir haben sie dann im Laufe der Jahre von Station zu Station weiterentwickelt und angepasst“, sagt Junge.
Markus Anfang sei dabei laut Junge trotz der Chefrolle „immer kompromissbereit, immer ein Teamplayer“ gewesen. Cichon sagt: „Die Chemie zwischen uns stimmt, aber nicht weil alles Friede, Freude, Eierkuchen ist.“ Was angesprochen werden muss, werde auch angesprochen. „Wir sind halt sehr direkt, Kölsche Jungs“, betont Cichon, der wie Anfang aus der Domstadt stammt und ebenfalls nicht lange überlegen musste, als die Tür Werder Bremen für ihn aufging. Auch Junge hält fest: „Wir haben untereinander diskutiert und sind schnell zu der Erkenntnis gekommen, dass man einen Verein wie Werder Bremen auf jeden Fall machen muss.“ 

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