1:0-Sieg gegen Hoffenheim Werders Europa-Traum lebt!

Werder bekommt sein Finale: Dank eines ebenso cleveren wie hart erkämpften 1:0 (1:0)-Sieges darf Werder auch vor dem letzten Spieltag noch vom Einzug in die Europa League träumen - obwohl Max Kruse fehlte.
12.05.2019, 08:25
Lesedauer: 4 Min
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Werders Europa-Traum lebt!
Von Malte Bürger

Das Spiel hatte noch gar nicht begonnen, da gab es bereits die erste Hiobsbotschaft. Als Werders Mannschaftsbus an der Arena vorfuhr und die Protagonisten schließlich ausstiegen, fehlte ein Mann: Max Kruse. Der Kapitän war sogar gleich in der Heimat geblieben, schon direkt nach dem Abschlusstraining am Freitag hatte er seinem Trainer Florian Kohfeldt signalisiert, dass er nicht würde spielen können. Dieses Mal streikte der Oberschenkel also wirklich.

Somit fehlte den Bremern plötzlich die zweite Säule im Team, bekanntlich musste auch Davy Klaassen wegen einer Gelbsperre zuschauen. Während Kevin Möhwald den Niederländer ersetzte, sollte Yuya Osako hinter den Spitzen für kreative Momente sorgen. Es stand enorm viel auf dem Spiel: Werder brauchte unbedingt einen Sieg, um überhaupt noch aufs internationale Geschäft hoffen zu dürfen; Hoffenheim musste gewinnen, um die Champions League im Blick zu halten. In einem Duell, das traditionell für viele Offensivszenen steht, war so ein Schlagabtausch fast garantiert.

Gebre Selassie früh verletzt

Die Begegnung begann dann auch sehr schwungvoll, beide Mannschaften suchten direkt den Weg nach vorne. Schon nach drei Minuten probierte es Milot Rashica erstmals mit einem abgefälschten Schuss aus der Distanz, bei der folgenden Ecke prüfte Niklas Moisander TSG-Keeper Oliver Baumann (4.). Auf der Gegenseite setzte der Ex-Bremer Ishak Belfodil einen Kopfball über den Kasten (11.). Nach etwas mehr als einer Viertelstunde setzten sich die Gastgeber ein wenig am Bremer Strafraum fest, so verfehlte Adam Szalai nach einer Hereingabe nur knapp das Tor (19.). Nur kurz darauf zielte Nadiem Amiri zu ungenau aufs kurze Eck (21.).

Werder hatte gut zu tun in der Anfangsphase - und musste dann auch noch erneut personell reagieren. Theodor Gebre Selassie, der gerade erst nach einer kurzen Verletzungspause zurückgekehrt war, humpelte mit Kniebeschwerden nach nur 25 Minuten vom Feld. Marco Friedl ersetzte den Tschechen und musste als Linksfuß damit abermals auf der eher ungeliebten rechten Seite verteidigen.

Kopfballtor von Johannes Eggestein

Das Spiel nahm sich danach eine kurze Auszeit, ehe Hoffenheim mit einem fast perfekten Konter für das nächste Ausrufezeichen setzte. Belfodil zog das Tempo an, passte in die Mitte, wo Szalai den Ball clever für Andrej Kramarić durchließ. Der Kroate setzte den Ball aber an den Pfosten (38.). Im direkten Gegenzug jubelte dann plötzlich Grün-Weiß. Nachdem Johannes Eggestein erst noch mit einer Topchance am Torhüter gescheitert war, drückte er den Ball nach der anschließenden Flanke trotz einiger Größennachteile gegenüber Ermin Bicakcic per Kopf zum 1:0 über die Linie (39.).

Nur drei Minuten später schlug dann der nächste Eggestein zu. Nach einem Konter behauptete Osako erst überragend den Ball und legte obendrein perfekt auf Maximilian Eggestein ab. In seinem 100. Pflichtspiel für Werder traf er sicher - doch der Treffer zählte nicht. Bei der Entstehung des Tores hatte Johannes Eggestein per Ellenbogen ein Foul begangen, Schiedsrichter Bastian Dankert hatte die Szene nach Hinweis der Video-Assistenten selbst noch einmal auf dem Bildschirm überprüft. Die Entscheidung des Referees war nachvollziehbar. Im Bremer Block hing zwar ein Banner, das die Abschaffung des Videobeweises forderte, in dieser Szene wurde allerdings die ganze Sinnhaftigkeit des technischen Hilfsmittels deutlich.

Optimale Ausgangslage zur Pause

Auch ohne diesen Treffer war Werders Ausgangslage plötzlich ziemlich ideal. Zur Pause führte man selbst mit 1:0, zugleich lag der VfB Stuttgart knapp gegen den VfL Wolfsburg vorn. Die Niedersachsen sind neben der TSG so etwas wie der Hauptkonkurrent im Kampf um die europäischen Plätze. Da die Hoffenheimer aber eben auch weiterhin noch im Rennen waren, mussten sie nun eigentlich noch mehr Risiko gehen, was wiederum Räume für die Bremer hätte geben können. So weit die Theorie.

Werder kam tatsächlich mit Rückenwind aus der Kabine, verwaltete keineswegs nur den Vorsprung. Fast wäre Szalai aufgrund des Drucks ein Eigentor unterlaufen, doch Oliver Baumann verhinderte das 0:2 (47.). Auch danach gab es einige vielversprechende Umschaltsituationen für die Kohfeldt-Elf, der dabei jedoch mitunter die letzte Genauigkeit fehlte.

Rashica macht Platz für Pizarro

Doch auch die TSG blieb nicht untätig. Nach einer Stunde wurde der Ball zu Belfodil durchgesteckt, dessen abgerutschter Schuss an Jiri Pavlenka, aber auch am Kasten vorbeiflog. Werders Tempospiel erhielt zudem einen kleinen Dämpfer, als unmittelbar danach der angeschlagene Milot Rashica ausgewechselt wurde. Fortan sollte Claudio Pizarro dabei helfen, den möglichen Auswärtserfolg ins Ziel zu bringen. Gleich mit seiner ersten Aktion initiierte er die nächste Bremer Chance, die Osako allerdings kläglich vergab (67.).

Es ging weiter munter hin und her. Pavlenka lenkte einen Belfodil-Kopfball in voller Streckung mühsam noch um den Pfosten (72.), auf der anderen Seite traf Ludwig Augustinsson aus spitzem Winkel genau den Körper von Torhüter Baumann (74.). Dann musste Pavlenka erst nach einer unangenehmen Hereingabe klären (80.), kurz darauf reagierte er sensationell gegen Kramaric (81.). Werders Sieg stand auf wackeligen Beinen, bei aller defensiven Cleverness und Konterstärke durfte mehr und mehr gezittert werden.

Mit enormem Aufwand warfen sich die Bremer in die Zweikämpfe, es ging nur noch darum, die Schlussoffensive der TSG zu unterbinden. Bis in der 90. Minute noch einmal Pizarro für einen Konter auf die Reise geschickt wurde, wieder vergab Osako letztlich die vorzeitige Entscheidung. Und so ging die nervenaufreibende Hängepartie noch vier weitere Minuten weiter - doch Werders Kämpferherz und Spielintelligenz erhielt die gewünschte Belohnung.

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