Werder Bremen Werders große Verunsicherung

Bremen. Die Niederlage gegen den FC Schalke 04 hat erneut gezeigt, wie labil das Gefüge der Werder-Mannschaft derzeit ist. Ein Gegentor reicht, um den kriselnden Fußball-Bundesligisten völlig aus der Bahn zu werfen.
08.04.2013, 09:36
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Werders große Verunsicherung
Von Patrick Hoffmann

Bremen. In der Mixed-Zone des Bremer Weserstadions, da, wo Spieler und Journalisten nach dem Schlusspfiff aufeinandertreffen, hängt in der Ecke ein großer Flachbildfernseher an der Wand.

Am späten Sonnabendnachmittag war dort gerade die Zusammenfassung der Augsburger Niederlage in Dortmund zu sehen, als Bremens Torhüter Sebastian Mielitz ein paar Meter entfernt einen ersten Versuch unternahm, das 0:2 gegen Schalke 04 zu erklären. „Bei uns hat heute das Aufbäumen gefehlt“, sagte Mielitz also, und als ihm schon kurz darauf nichts Gescheites mehr zur enttäuschenden Leistung seiner Kollegen einfiel, da fügte er einen bemerkenswerten Satz hinzu. „Zum Glück“, sagte Mielitz, „hat Augsburg heute auch verloren.“

In Bremen beschäftigen sie sich also doch nicht, wie von den Verantwortlichen immer behauptet wird, nur mit sich selbst. Der Blick richtet sich längst auch auf die anderen Bundesligaplätze, auf denen die Abstiegskandidaten Augsburg, Hoffenheim und Düsseldorf spielen. Das ist auch bitter nötig. Der SV Werder steckt mittendrin im Abstiegskampf der ersten Liga, und allein der Gedanke daran scheint die junge Mannschaft völlig zu verunsichern. Ein einziges Gegentor reicht derzeit aus, um das gesamte Bremer Spiel auseinanderfallen zu lassen, wie am Sonnabend gegen keinesfalls überzeugende Schalker eindrucksvoll zu beobachten war.

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„Da haben wir uns alle gegenseitig anstecken lassen und sind nervös geworden“, beschrieb Innenverteidiger Sebastian Prödl das kollektive Nervenflattern nach dem 0:1 durch Julian Draxler (51. Minute). Eine Begründung für den Zusammenbruch in der zweiten Halbzeit konnte Prödl aber nicht liefern. Dafür hatte Thomas Eichin eine Idee, woran es liegen könnte. „Es fehlt ein verlängerter Arm des Trainers“, sagte der Bremer Sportchef dem Fernsehsender „Sport1“. „Einer mit Erfahrung, einer, der auch mal auf den Ball tritt.“ So einer hatte am Sonnabend tatsächlich gefehlt.

Mit zwei aberwitzigen Fehlern hatte Bremens Innenverteidiger Assani Lukimya die Schalker praktisch zum Toreschießen eingeladen, und natürlich ließen sich Draxler und Mitte der zweiten Halbzeit dann Stürmer Ciprian Marica (69.) nicht lange bitten. „Das 0:1 hat uns völlig aus der Bahn geworfen“, sagte Aaron Hunt, der den am Knie verletzten Philipp Bargfrede im defensiven Mittelfeld ersetzt hatte. „Da ging plötzlich gar nichts mehr bei der Mannschaft. Dabei hatten wir eigentlich noch jede Menge Zeit, das Spiel zu drehen.“

Doch alles das, was in der ersten Halbzeit noch recht ansprechend geklappt hatte und was bei den Fans Hoffnungen auf den ersten Heimsieg seit dem 2:0 gegen Hannover 96 Anfang Februar geweckt hatte, sollte fortan schiefgehen. Werder, das war die bittere Erkenntnis an diesem Nachmittag, wehrte sich einfach nicht gegen diese Niederlage. „Das Gegentor“, sagte Thomas Schaaf später bei der Pressekonferenz im fensterlosen Mediensaal des Weserstadions, „hat uns den Mut genommen, weiter nach vorne zu spielen.“

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Bremens Trainer wird nun in den kommenden Tagen nicht nur als Fußballlehrer gefragt sein, er wird sich auch als Mentaltrainer beweisen müssen. Der 51-Jährige wird, wie er am Sonntag nach der Nachbereitung des Spiel gegen Schalke sagte, das richtige Maß finden müssen zwischen konstruktiver Kritik und aufbauenden Worten, gerade bei den jungen Spielern. Und er wird seine Mannschaft mental auf den Abstiegskampf einstellen müssen.

Am kommenden Sonnabend ist der SV Werder bei Fortuna Düsseldorf zu Gast, es ist das Duell des Tabellen-15. (Düsseldorf) mit dem Tabellen-14. (Bremen). „Das ist eines der Schicksalsspiele in dieser Saison“, sagte der ehemalige Düsseldorfer Lukimya am Sonntag; das war vielleicht ein bisschen dick aufgetragen, trifft aber wohl ganz gut die Stimmung in der Stadt. Werder braucht endlich ein Erfolgserlebnis. Der Druck wird groß sein. Verlieren die Bremer auch bei der Fortuna, dürfte es an der Weser noch unruhiger werden.

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