Bode ruft zum Zusammenhalt auf Werders Krisenplan: Zurück zu alter Stärke!

Der typische Werder-Fußball soll in der Rückrunde der Schlüssel zum Klassenerhalt sein. Auch deshalb setzt der Verein voll auf Florian Kohfeldt. Eine grundsätzliche Kurskorrektur soll es nicht geben.
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Von Jean-Julien Beer

Für einen Moment schien alles möglich. Sogar bei Werder Bremen. Auch das Spiel in Köln war gerade verloren gegangen, als alle Mann in die Kabine mussten. Auch die Interviews in den Katakomben des Kölner Stadions wurden unterbrochen. Die Tür zur Kabine öffnete sich nur noch, als auch noch Marco Bode hinein ging. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates ist selten nach Spielen in der Umkleide. Ein paar Minuten vergingen, in denen man nur rätseln konnte, ob Werder jetzt doch personelle Konsequenzen zieht nach der schlechtesten Hinrunde der Vereinsgeschichte. Und die Mannschaft gerade darüber informiert würde.

Tatsächlich aber spielte sich hinter der verschlossenen Tür etwas ganz anderes ab. Florian Kohfeldt hatte seinen Mitarbeiterstab und die Spieler versammelt. Nicht, um sich zu verabschieden. Sondern um sich zu bedanken. Dies sei auch in schwierigen Momenten „eine Frage des Anstandes und des Respektes“, erklärte der Trainer später, „ich habe mich trotz allem vor der Mannschaft für die Arbeit des Staff in diesem Jahr bedankt. Ich habe mich auch bei den Jungs bedankt für den grundsätzlichen Einsatz, den ich ihnen nicht absprechen möchte, für keinen Zeitpunkt.“

Vertrauen in Kohfeldt und Baumann

Dankesworte statt Brandreden, das ist im harten Bundesliga-Alltag ein zumindest ungewöhnlicher Vorgang. Aber Werder trotzt ja ohnehin den Gesetzen der Branche, wie Bode nach seinem Besuch in der Kabine verdeutlichte. Der Bremer Weg wird mit Kohfeldt und mit Manager Frank Baumann bestritten. „Wir sind in einer sehr bedrohlichen Situation“, betonte Bode, „wir werden dennoch in dieser Teamkonstellation zusammenhalten. Auch in der Führung. Wir sind davon überzeugt, dass Frank Baumann und Florian Kohfeldt jetzt die richtigen Entscheidungen treffen werden und die richtigen Personen sind, um uns da wieder rauszuholen.“

Es werde bei Werder Bremen „keine Diskussion über den Trainer geben“, versicherte Bode, „wir sind uns einig, dass wir mit der gesamten Konstellation gut aufgestellt sind und es gemeinsam schaffen werden“. Alle im Verein müssten nun bereit sein, in der Rückrunde zu kämpfen, forderte Bode und schwor den gesamten Klub auf die kommenden Monate ein: „Es darf kein Egoismus herrschen. Wir steigen alles zusammen ab und wir bleiben alle zusammen drin. Wir müssen uns diesen Zusammenhalt erhalten, der Werder immer ausgezeichnet hat.“

Absturz nach dem Gladbach-Spiel

Das war eine deutliche Ansage und zugleich ein Auftrag. Kohfeldt machte noch am Abend in Köln den Eindruck, dass er sich dieser Aufgabe gewachsen sieht. „Ich bin sehr sehr fest davon überzeugt, dass wir diese Liga halten werden“, sagte der Trainer, „weil ich auch sehr sehr fest davon überzeugt bin, dass wir in der Lage sind, so mit einer Mannschaft zu arbeiten, dass wir wieder besser werden. Wir müssen uns sammeln und müssen kämpfen. Wir sind jetzt im Abstiegskampf, und ich bin absolut sicher, dass wir da rauskommen werden.“

Seine Analyse der fürchterlichen Hinrunde ist schon weit fortgeschritten, und es gibt für ihn einen entscheidenden Knackpunkt. „Wann wurde es richtig schlecht?“, fragte Kohfeldt und schob die Antwort gleich hinterher: „Als wir unseren Fußball verloren habe. Das war nach dem elften Spieltag in Gladbach.“ Danach veränderte sich Werders Fußball geradezu dramatisch. Kaum noch Torchancen, kaum Automatismen, keine Überraschungsmomente, keine Dominanz. Und das war die Folge von all den Trainingswochen, in denen das Personal wegen der Verletzten nicht mehr ausreichte, um vernünftig in Spielformen zu trainieren.

An der Defensive arbeiten

Für Kohfeldt ist genau das Teil der Lösung für die Rückrunde. „Wir müssen wieder richtig trainieren können, es dürfen nicht mehr Woche für Woche die Spieler fehlen“, sagte er. Der attraktive, selbstbewusste und auf Siege ausgerichtete Werder-Fußball, der zuletzt nicht mehr zu sehen war, ist für ihn der Weg zum Klassenerhalt. Kohfeldt stellte grundsätzlich fest: „Ich stehe dafür, Frank Baumann steht dafür, Werder Bremen steht dafür. Im Übrigen auch ohne diese beiden Protagonisten. Und es passt auch zu dieser Mannschaft.“ Auf verschiedene Ebenen müsse diese Hinrunde nun analysiert werden. Was müsse man sofort ändern? Was müsse in der kommenden Sommervorbereitung anders werden? „Ich habe einen klaren Weg vor Augen, wie wir das schaffen“, sagte Kohfeldt, „und daran werden wir arbeiten – und dann werden wir das auch schaffen.“ Dass Neuzugänge Teil der Lösung sein müssen, ist wegen der langen Verletzungspausen von Theo Gebre Selassie und Ludwig Augustinsson (beide fallen mit schweren Muskelverletzungen aus) auch klar.

Baumann bilanziert die Hinrunde mit den mickrigen 14 Punkten als „sehr enttäuschend“ und „von den Ergebnissen her ungenügend“. Die Winterpause sei nun so kurz wie in den letzten Jahren, „und auch da haben wir bei den Analysen der Hinrunden Ansatzpunkte gefunden, die wir in der Kürze der Zeit verbessern konnten“. Vor allem müsse man nun natürlich an den Schwächen arbeiten. „Das ist vor allem die Defensivarbeit“, meint der Sportchef, „wir haben die meisten Gegentore bekommen und zu viele Fehler dort gemacht. Da müssen wir ran.“ Grundsätzlich empfiehlt er, sich „nicht zu sehr auf die Vergangenheit zu berufen“, sondern „an die eigene Nase zu fassen und auch nicht auf die anderen Mannschaften zu schauen. Wir müssen die nötigen 40 Punkte zum Klassenerhalt holen. Das wird kein kurzer Weg. Das wird ein harter und steiniger Weg durch die komplette Rückrunde!“

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