Werders nächster Gegner

Historie, Trainer, Form – so tickt Dynamo Dresden

Am Sonntag geht es für Werder gegen Dynamo Dresden auf den Platz. Wie tickt der Verein aus dem Osten? Eine Überblick..
26.09.2021, 13:27
Lesedauer: 4 Min
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Von hgk

Erst richtig top, zuletzt eher ein wenig Richtung Flop: Dynamo Dresden schwächelt nach einem beachtlichen Blitzstart in die neue Spielklasse. Nach vier Spieltagen auf einem Spitzenplatz, ist der Neuling nach drei Niederlagen in Folge ins Mittelfeld und Mittelmaß abgerutscht. Der Trend spricht vor dem Duell mit Werder Bremen eindeutig gegen die Sachsen, den einstigen Spitzenclub in der DDR, der sich eindrucksvoll in der 2. Liga zurückgemeldet hat.

Die Historie

Ein Großer meldet sich zurück. Ein ganz Großer, der Geschichte geschrieben hat im Fußball der früheren DDR. Dynamo Dresden, ein Traditionsverein aus Sachsen, lange Zeit das Gegengewicht zum vom Staat und der Stasi geförderten Hauptstadtclub BFC Dynamo Berlin. Auf der Visitenkarte des Aufsteigers stehen acht Meisterschaften im Osten, sechs Mal konnte der Titel im FDGB-Pokal gewonnen werden. Die 70er-Jahre wurden zum goldenen Jahrzehnt mit insgesamt fünf Meistertiteln. Eine Ära, die als „Dresdner Kreisel“ charakterisiert wurde, geprägt von so großartigen Akteuren wie Hans-Jürgen Kreische, dem mal bei Werder Bremen als Trainer engagierten „Dixie“ Dörner und Reinhard Häfner. Die letzte Meisterschaft datiert aus dem Jahr 1990.

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„Kathedrale des Ostfußballs“ lautet die prägnante Charakterisierung für den ruhmreichen Verein, was den Mythos Dynamo treffend beschreibt. Nach der Wende qualifizierten sich die Dresdner für die Bundesliga. Bis 1995 hielt sich der stets abstiegsgefährdete Club in der höchsten Spielklasse. Schulden in Höhe von zehn Millionen Euro führten dazu, dass der DFB die Lizenz verweigerte. Absturz in die Regionalliga Nordost, danach sogar in die viertklassige Oberliga Nordost. 2004 kehrte Dynamo in den bezahlten Fußball zurück. 2016 gelang der Aufstieg in die 2. Liga, 2020 folgte der Abstieg. Nach einem Jahr Absenz kehrte Dynamo nun in die zweithöchste Spielklasse zurück.

Der Trainer

Der Mann, der den Zweitliga-Aufstieg am Ende sicherstellte, heißt Alexander Schmidt. Sechs Spieltage vor dem Ende der letzten Spielzeit löste er Markus Kauczinski ab, der nach vier sieg- und torlosen Partien beurlaubt wurde. Ein Neustart in der sächsischen Metropole mit einem Coach, der über recht wenig Erfahrung in der 2. Liga verfügt. Beim TSV 1860 München saß Schmidt von 2012 bis 2013 bei 26 Partien auf der Bank.

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Der Aufstiegstrainer genießt bisher einen Kredit bei dem Club, der für seine „Feuer-Quote“ berühmt und berüchtigt ist. Seit der Gründung im April 1953 arbeiteten bei Dynamo Dresden insgesamt 52 Trainer, einige auch mehrmals. Seit der Wende brachten es nur Christoph Franke (50 Spiele) und Uwe Neuhaus (70 Spiele) auf eine Amtszeit von mehr als zwei Jahren. Schmidt, in Augsburg geboren, arbeitete bislang hauptsächlich im Süden, auch viel im Nachwuchsbereich, so unter anderem bei RB Salzburg. Gemeinsam mit Sportdirektor Ralf Becker verfolgt der Coach das neue Konzept: Dynamo als Ausbildungsverein, Vertrauen für die Aufstiegself und für die vielen Talente. Mit einem Marktwert von gerade mal 11,6 Millionen Euro, von dem Portal „Transfermarkt“ ermittelt, liegen die Ostdeutschen mit ihrem Kader auf dem drittletzten Rang.

Der Star

Nationalspieler beim Neuling. Es kommt nicht allzu häufig vor, dass internationale Stars bei einem zweitklassigen Verein spielen. Dynamo Dresden hat gleich zwei Akteure dieser Couleur: Einmal den Australier Brendon Borello, den Mittelfeldspieler, der es auf vier Einsätze bei den „Aussies“ bringt. Zum anderen Philipp Hosiner, den in Eisenstadt geborenen Österreicher, der der Ausnahmespieler bei Dynamo ist. Fünf Berufungen für das Austria-Team, bei denen der Stürmer zwei Treffer markierte. Der 32-Jährige ist vor einem Jahr nach Sachsen gekommen. Er spielte bei mehreren Vereinen in seiner Heimat, agierte in Deutschland früher bei 1860 München, dem 1. FC Köln, Union Berlin und zuletzt beim Chemnitzer FC.

Die Form

Der Aufsteiger legte einen famosen Start hin: Zehn Punkte nach vier Spieltagen, ein Platz im Vorderfeld. Drei Siege gegen Ingolstadt und Hannover zu Hause sowie beim Mitaufsteiger Rostock ließen aufhorchen, ebenso wie das beachtliche 1:1 beim Hamburger SV. Doch nach diesem Blitzeinstieg in die neue Spielklasse ging es genauso rapide bergab. Zuletzt kassierten die Sachsen drei Niederlagen: 0:3 gegen Paderborn, 1:2 in Heidenheim sowie am letzten Wochenende ein 0:1 in Darmstadt, obwohl die Elf lange in Überzahl spielte. In der Schlussphase handelte sich auch der Dresdner Julius Kade eine Gelb-Rote Karte ein, sodass er gegen Werder Bremen gesperrt ist. Der Trend spricht also gegen die Dynamos, die einen Platz im Mittelfeld belegen: zehn Punkte, gleichbedeutend mit Platz zehn.

Die Besonderheit

In den 70er-Jahren triumphierte Dynamo Dresden im Europapokal. Viermal erreichte das Team, in der Rückschau für die Fans das beste, das je für den Verein angetreten ist, das Viertelfinale im Europapokal. Dabei schalteten die Dresdner so namhafte Gegner wie den FC Porto, Juventus Turin und Benfica Lissabon aus. Höhepunkt in dieser glanzvollen Epoche: Im Herbst 1973 kam es zum ersten Aufeinandertreffen zweier Mannschaften aus der BRD und der DDR. Legendär sind diese Duelle zwischen Dynamo Dresden und Bayern München. Der erfolgsverwöhnte Meister aus Westdeutschland musste bangen, setzte sich gegen die Elite aus Ostdeutschland nur ganz knapp durch. In Zahlen: 4:3 und 3:3.

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