Öztunali, Yildirim und Aycicek Werders Offensivtalente haben den Anfang gemacht

An der Position hinter den Spitzen lässt sich wohl am besten erzählen, wie ungewiss der Erfolg von Werders Jugendstil ist. Bei allen drei Talenten weiß Werder noch nicht, ob sie in der Bundesliga mal zu prägenden Kräften werden.
22.04.2015, 00:00
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Werders Offensivtalente haben den Anfang gemacht
Von Andreas Lesch

Irgendwann, erzählt Özkan Yildirim, habe er sein Handy zur Seite gelegt. Irgendwann habe er keine Lust mehr gehabt, jede neue Nachricht zu lesen: „Ich wollte meine Ruhe.“ Er mochte an diesem Abend nicht länger erreichbar sein, er wollte ihn ungestört genießen, nur mit seiner Familie. Sie sind essen gegangen und haben beisammen gesessen, am Sonntag, nach Werders 1:0 gegen den HSV.

Für den Regisseur Yildirim ist dieser Sonntag ein Feiertag gewesen. Wegen des Sieges im Nordderby, klar. Vor allem aber, weil er zum ersten Mal seit Januar 2014 wieder in Werders Bundesliga-Mannschaft spielte – und dann auch noch in der Startformation. In den vergangenen Jahren ist Yildirim öfter verletzt als gesund gewesen, sein Körper hat seine Karriere ausgebremst. Kein Wunder, dass sein Einsatz in der Partie gegen den HSV ihn nun euphorisch stimmt. „Ein unbeschreibliches Gefühl“ sei alles für ihn gewesen, schwärmt er. „Für mich war es so, als ob ich wieder mein erstes Spiel hätte.“ Vor dem Anpfiff ist er ganz schön nervös gewesen.

In der Partie fiel Yildirim dann kaum auf. Er suchte selten einen Zweikampf. Er wirkte sehr zurückgenommen – nicht wie einer, der mit Macht ins Team drängt. Werders Geschäftsführer Thomas Eichin aber hat genau dieser unspektakuläre Auftritt gefallen. Er weiß, das Yildirim gern dribbelt, gern glänzt, gern das Eins-gegen-Eins-Duell sucht. „Aber in dem Spiel ging’s drum, Hamburg zu schlagen – und nicht darum, sich selbst in den Vordergrund zu spielen“, sagt Eichin. Insofern habe Yildirim seine Sache gut gemacht: „Er hat nicht drauf geguckt: Wie kriege ich jetzt irgendeinen Haken hin, damit die Zuschauer jubeln? Sondern: Wie mache ich meine Räume zu, wie arbeite ich für das Team mit?“ Nach 59 Minuten wurde Yildirim ausgewechselt, für Levin Öztunali. Levent Aycicek, der dritte Kandidat für den Regisseursposten, blieb auf der Bank.

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An der Position hinter den Spitzen lässt sich wohl am besten erzählen, wie ungewiss der Erfolg von Werders Jugendstil ist. Der Klub hat dort in Yildirim (22), Öztunali (19) und Aycicek (21) gleich drei talentierte Burschen, aber er weiß bei allen noch nicht, ob sie in der Bundesliga mal zu prägenden Kräften werden. Alle drei haben den Anfang gemacht, aber wo sie mal enden, das vermag noch niemand vorherzusagen.

Eichin berichtet, der junge Yildirim sei ihm sofort aufgefallen, als er zu Werder gekommen sei: „Er ist ein hoch veranlagter Spieler.“ Wenn alles ideal liefe, dann könnte Yildirim den Bremern irgendwann mal Woche für Woche Kreativität, Ideen und leichtfüßige Momente schenken. Aber um das zu schaffen, wird er lernen müssen, seine Begabung richtig zu nutzen. Der Ball ist sein Freund, aber sich zur rechten Zeit von diesem Freund zu trennen, das fällt ihm oft noch schwer.

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Bisher ist Yildirim ein Versprechen. Ob es in Erfüllung geht? Wenn der Spielmacher über sich und seine Zukunft spricht, klingt er auffallend bescheiden. Vor ein paar Wochen hat er sich noch offensiver positioniert. „Jetzt kommt meine Zeit“, hat er verkündet. Sein Ton damals hat bei Werder nicht jedem gefallen, und so, wie er sich jetzt anhört, ist das wohl auch zu ihm vorgedrungen. Yildirim sagt, dass er der Mannschaft helfen wolle; dass der Trainer entscheide, wer spielt; dass er sich wünsche, verletzungsfrei in die nächste Saison zu starten. Und dann? Startet er durch? „Ich hoffe“, sagt er. „Wir hoffen das alle“, sagt Thomas Eichin.

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