Wie die Chancen auf ein Leihgeschäft stehen

Werders Pläne mit Grujic

Werder würde Mittelfeldspieler Marko Grujic gerne für zwei Jahre vom FC Liverpool ausleihen. Die Verhandlungen gestalten sich allerdings schwierig und erfordern viel Geduld.
29.05.2019, 08:31
Lesedauer: 4 Min
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Werders Pläne mit Grujic
Von Christoph Sonnenberg

Wenn am späten Abend des kommenden Sonnabends das Finale der Champions League in Madrid abgepfiffen wird, hat das im weiteren Sinne auch Auswirkungen auf Werder. Mit dem Ende der Partie Tottenham Hotspur gegen den FC Liverpool im Estadio Metropolitano endet auch die Saison des europäischen Klubfußballs. Erst dann wird in Liverpool die Planung der kommenden Spielzeit Fahrt aufnehmen. Zumindest die der Personalien, die beim englischen Vize-Meister bisher nicht oben auf der Prioritätenliste standen. Und dort steht ein Name, der wiederum bei Werder Priorität genießt: Marko Grujic.

Auf der Suche nach einem defensiven Mittelfeldspieler mit offensiven Qualitäten spielt Grujic nach Informationen von Mein Werder in den Bremer Planungen eine zentrale Rolle. Werder strebt eine Leihe über zwei Jahre an, die Gespräche laufen bereits seit Wochen. Die Chancen, so ist zu hören, stehen nicht schlecht. Dass der Wechsel am Ende zustande kommt, sei jedoch längst nicht sicher. Mit einer schnellen Entscheidung ist nicht zu rechnen, aus unterschiedlichen Gründen könnte sie auch erst im August fallen.

In Liverpool steht der 23-Jährige noch bis 2023 unter Vertrag, Verwendung hat der Klub für ihn in naher Zukunft aber wohl nicht. So ist zumindest der aktuelle Stand, und so war es auch in der Vergangenheit. Für sieben Millionen Euro löste Liverpool Grujic im Januar 2016 bei Roter Stern Belgrad aus, verlieh ihn jedoch sofort wieder an Belgrad. Und so ging es weiter, im Januar 2018 wurde der Serbe für ein halbes Jahr an Cardiff City verliehen, in der vergangenen Saison an Hertha BSC.

Nur 14 Einsätze

Für Liverpool stand Grujic von Sommer 2016 bis Winter 2018 nur in 14 Spielen auf dem Platz, mit einer Nettospielzeit von gerade mal 327 Minuten. Wie es für Grujic nun weitergeht, damit wird sich Liverpool erst nach dem Finale der Champions League genauer befassen. In Bremen haben sie das schon getan. Bereits vergangenen Sommer haben Liverpool und Werder über eine Ausleihe verhandelt, am Ende winkte Werder ab. Zum einen sollte der Leihvertrag nur über eine Saison laufen, für die Bremer zu wenig. Zum anderen war im Grundsystem nur Platz für einen klassischen Sechser, der aber ist Grujic nicht.

Dass ein Transfer nun erneut zu einem Thema wird, hängt mit einer Veränderung eben dieser beiden Faktoren zusammen. Liverpool will Grujic zum vierten Mal verleihen, diesmal mit der Bereitschaft, den Vertrag über zwei Jahre laufen zu lassen. Eine Zeit, die heutzutage der üblichen Verweildauer eines Profis recht nahekommt – auch wenn er gekauft wurde. Während sich bei nur einer Saison die Frage der Integration stellt, auch die der Identifikation, verschaffen zwei Jahre bessere Möglichkeiten einer Entwicklung.

Und es gibt den Plan Florian Kohfeldts, künftig vermehrt mit einer Doppelsechs zu spielen. Einem System, in dem es zwei Spieler im zentralen Mittelfeld gibt, einen mit verstärkt defensiver Ausrichtung, einen mit eher offensiver. Grujic wäre derjenige, der den offensiveren Part übernehmen würde. Als regelmäßiger Beobachter der Hertha im Berliner Olympiastadion hat Wolfgang Sidka ein präzises Bild. „Marko hat einen guten Schuss, einen guten Abschluss, er ist kopfballstark, hat Übersicht“, sagt Sidka, von August 1997 bis Oktober 1998 Werders Trainer. „Er ist ein torgefährlicher Achter, ein guter Spieler.“

Sidka sieht Grujics Rolle ebenfalls im offensiven Part der Doppelsechs. Eine Position, die aufgrund ihres großen Aktionsradius von einem laufstarken Spieler besetzt werden muss. „Das ist Marko.“ Für Sidka wäre Grujic eine gute Wahl für den nächsten Entwicklungsschritt: „Wer in die Europa League oder die Champions League will, der braucht torgefährliche Mittelfeldspieler wie ihn. Marko würde Werders Niveau heben.“

Die Klopp-Kohfeldt-Connection

Die Bremer Chancen, bei Grujic zum Zug zu kommen, hängen an den guten Verbindungen zum FC Liverpool. Jürgen Klopp hat sich kürzlich sehr angetan zum Bremer Spielstil geäußert. Als Trainer legt er Wert darauf, dass sich sein Spieler verbessert. Und da glaubt er Grujic bei Kohfeldt in besten Händen. Mit Marc Kosicke haben Klopp und Kohfeldt denselben Berater, auch das macht die Kommunikation leichter, direkter und schneller. Kosicke sollte 2012 Nachfolger von Klaus Allofs werden, er ist mit allen Bremer Entscheidungsträgern bestens vernetzt. Auch das ist als Vorteil für Werder zu werten.

Der Transfer eines Spielers ist häufig jedoch ein extrem komplexer Vorgang. Neben den Interessen des Trainers, in diesem Fall Klopp, gibt es auch die Interessen des Vereins, also Liverpool. Auch der Berater des Spielers hat mitunter eigene Pläne. Und nicht zuletzt ist es der Spieler selbst, der über seine Zukunft entscheidet. Manchmal dauert es, diese alle unter einen Hut zu bekommen.

Im Fall Grujic kann es sein, dass er darauf besteht, die Saisonvorbereitung in Liverpool zu absolvieren, auch wenn seine Chancen, sich einen Platz im Kader zu erspielen, gering sind. So war es bei Davy Klaassen, der vergangenen Sommer zunächst beim FC Everton bleiben wollte und nicht mal zu Gesprächen mit Werder bereit war. Erst als er im Verlauf der Vorbereitung erkannte, dass er wenig Chancen haben würde, in der Premiere League zu spielen, war er bereit, sich Werders Pläne anzuhören. Am Ende kam der Wechsel zustande.

Im Rennen um Grujic soll auch Hertha noch eine Rolle spielen. In Berlin legte er eine beeindruckende Saison hin, sie würden den Leihvertrag gerne verlängern. Auch Frankfurt soll Interesse haben. Es kann also dauern, bis eine Entscheidung über Grujics Zukunft getroffen wird.

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