Zurückgeblättert: 27. Mai 1984 „Werders Rumpf-Team siegt in Braunschweig“

Seit 1963 spielt Werder in der Bundesliga, mehr als fünf Jahrzehnte, in denen sich im Fußball, bei Werder und in der Berichterstattung viel verändert hat. Mein Werder zeigt die Originaltexte und Zeitungsseiten.
26.05.2019, 10:56
Lesedauer: 2 Min
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Von (mw)

Am 26. Mai 1984 schrieb der WESER-KURIER:

Das Wort vom „letzten Aufgebot" wird oft benutzt. Doch niemals zuvor in den vergangenen Jahren war es für Werders Fußballer so zutreffend wie gestern in Braunschweig. Denn nachdem auch noch die Nationalspieler Rudi Völler und Norbert Meier verletzt pausieren mußten, waren in Braunschweig alle halbwegs gesunden Bremer Lizenzspieler im Einsatz bis auf Ersatztorwart Klaus Funk. Nur die Amateure Mindermann und Böhm saßen noch auf der Bank. Dennoch muß Werder gewiß nicht einkalkulierte knapp 30 000 Mark an Siegprämie für den 2:1-Erfolg seiner Profis ausschütten. Zwei Punkte, die angesichts der Ausgangsposition gewiß zu den unerwarteten Erfolgen dieser nun beendeten Saison zählen.

„Wenn es noch um etwas gehen würde, hätte ich spielen können. Aber in dieser Situation möchte ich gesund zur Europameisterschaft fahren", erzählte Rudi Völler vor dem Anpfiff. Bereits heute reist Werders Stürmerstar nach Offenbach, um sich unter Anleitung eines Masseurs vorzubereiten. Gemeinsam mit Norbert Meier und Wolfgang Sidka sah sich Völler anschließend eine Partie von der Tribüne aus an, die für Werder unerwartet gut lief. Es begann mit dem Führungstor durch Böhnke, der sich resolut gegen zwei Braunschweiger nach einem Musterpaß von Reinders durchsetzte und Torwart Franke mit seinem Schuß in der siebten Minute keine Chancen ließ.

Das Spiel schien dann allerdings doch noch für die sonst so heimstarken Braunschweiger gut zu laufen, als Ellmerich bereits in der 15. Minute durch die Bremer Abwehr tankte und zum 1:1 einschoß. Doch damit hatten die Braunschweiger, wie sich in der Folgezeit zeigte, ihr Pulver verschossen. Sie ernteten in zunehmendem Maße Pfiffe für ihr umständliches Spiel gegen eine Bremer Mannschaft, die sehr geschickt von Trainer Otto Rehhagel eingestellt worden war. Okudera (gegen Geier) und Kamp (gegen Studzizba) übernahmen die direkten Überwachungsaufgaben, ansonsten versuchten die Bremer ihr Glück mit einer sehr variablen Raumdeckung.

Überraschend auch die Aufgabenverteilung im Mittelfeld, in der Bruno Pezzey und Benno Möhlmann auf hervorragende Art die Fäden zogen, oftmals in vorderster Front auftauchten. Uwe Reinders hingegen, nominell Stürmer, half oft am eigenen Strafraum aus und leitete obendrein Gegenangriffe ein. Lediglich Neubarth und Böhnke fungierten als Sturmspitzen, hatten allerdings einen schweren Stand gegen ihre Kontrahenten.

Dafür jedoch klappte Werdes Wechselspiel aus der eigenen Abwehr um so besser. Bezeichnend die Vorarbeit zum Siegtor: Pezzey hob einen Traumpaß in den freien Raum, Möhlmann war rechtzeitig gestartet und kam vor dem herausstürzenden Franke an den Ball: 2:1 für Werder in der 55. Minute. In der Schlußphase hätten die Bremer durchaus noch höher gewinnen können, denn Neubarth und Möhlmann hatten Riesenchancen gegen eine nun entnervte Braunschweiger Mannschaft, die zwar nicht resignierte, doch sehr kopflos und umständlich Werders Tor berannte. Bezeichnend für die gesamte Partie: Nur einmal mußte sich Dieter Burdenski wirklich strecken - das allerdings nach einem verunglückten Rückpaß von Uwe Reinders.

Werders Spieler feierten ihren Saisonausklang in der Kabine auf besondere Art Als Klaus Fichtel und Karl-Heinz Kamp hereinkamen, gab es spontanen Applaus von den übrigen Mannschaftsmitgliedern. Den hatten sie in ihrem letzten Spiel mit hervorragenden Leistungen verdient „Zwei große Sportsleute haben heute einen großen Abschied gefeiert", formulierte denn auch Otto Rehhagel mit für ihn ungewohntem Pathos.

Das hochauflösende PDF der originalen Zeitungsseite von damals gibt es hier (bei iOS den Link länger gedrückt halten).

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