Wieder im Kurz-Trainingslager Werders Spaßmacher brennen auf das Spiel in Köln

Obwohl der 6:2-Sieg gegen Stuttgart an glorreiche Zeiten erinnerte, brachte er Werder nur drei Punkte. Auch am Sonnabend in Köln kämpfen die Bremer gegen den Abstieg - seit Montag tun sie das aber mit Spaß.
06.05.2016, 00:00
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Werders Spaßmacher brennen auf das Spiel in Köln
Von Andreas Lesch

Obwohl der 6:2-Sieg gegen Stuttgart an glorreiche Zeiten erinnerte, brachte er Werder nur drei Punkte. Auch am Sonnabend in Köln kämpfen die Bremer gegen den Abstieg - seit Montag tun sie das aber mit Spaß.

Ach, die Anzeigetafel! Thomas Eichin findet, die sei gar nicht so wichtig. Er jedenfalls will sie nicht beachten, am Sonnabend ab 15.30 Uhr, während Werders Partie beim 1. FC Köln. „Wir werden sicherlich nicht die ganze Zeit mit einem Auge auf die gegnerischen Plätze schielen“, sagt er. Zum einen, weil Werders Geschäftsführer dann auf der Bank sitzen und genug andere Sorgen haben wird. Zum anderen, weil er ohnehin findet, es sei sinnvoll, wenn alle Bremer sich auf sich selbst konzentrieren – statt auf die Konkurrenz aus dem Tabellenkeller.

Und wenn sie auf der Tafel doch mal ein Frankfurter, Stuttgarter oder Darmstädter Tor aufblinken sehen, der Werders Chancen schmälert? „Wir machen uns nicht in die Hosen, wenn auf irgendeinem anderen Platz ein Ergebnis kommt, was uns stören sollte“, sagt Eichin.

Wer Werders Sturm und Drang beim 6:2 gegen den VfB Stuttgart gesehen hat, der ahnt: Der Satz des Geschäftsführers ist nicht nur ein flotter Spruch. Er hat auch einen wahren Kern. Er beschreibt den Plan, mit dem die Bremer schon am Donnerstag nach Köln aufgebrochen sind: Sie wollen den Rausch vom Montag hinüberretten in den Alltag. Sie wollen das Wahnsinnsspiel, das sie da auf den Rasen gezaubert haben, wiederholen – nur auf andere Art. „Wir wollen unbedingt den Schwung von diesem Spiel, von unserem Sieg mitnehmen“, sagt Trainer Viktor Skripnik.

Pizarro ist „total überzeugt“

Die Bremer spielen jetzt auswärts; sie werden von 6500 Fans unterstützt statt vom ganzen Stadion. Sie treffen auf einen Gegner, der ihnen das Toreschießen kaum so leicht machen wird wie der VfB. Aber eines wollen sie in Köln trotzdem genauso machen wie in Bremen: Sie wollen 90 Minuten ganz bei sich sein. Sie wollen sich nicht ablenken und beirren lassen, von keinem Fehler, von keiner Wendung, von keinem Gegentor des Spiels. „Die mentale Situation ist entscheidend“, sagt Eichin. „Wir werden stark und fokussiert sein, um dieses Spiel zu gewinnen.“

Wer den Bremer Spielern zuhört, der ahnt, dass das tatsächlich gelingen könnte. Angreifer Claudio Pizarro jedenfalls berichtet, er sei „total überzeugt, dass wir ein sehr gutes Spiel machen werden und Punkte holen da“. Warum? „Ich habe das gemerkt in der Woche, in der ganzen Mannschaft.“

Psychologe fährt mit nach Köln

Mittelfeldmann Zlatko Junuzovic betont: „Wir wissen, dass die Geschichte nicht beendet ist.“ Er will nicht versprechen, dass Werder in Köln gewinnt. Aber er kann versprechen, dass alle Bremer speziell ihre Köpfe bestens auf die Partie vorbereiten. „Fußball ist auch irgendwie Spaß, und wenn du nicht Spaß am Spiel hast, dann wirst du deine Leistung nicht bringen können“, sagt Junuzovic. „Wenn du nur zweifelst und Angst hast, was passiert, wenn du verlierst, dann hast du schon verloren.“

Weil das so ist, machen die Bremer jetzt alles wieder ein bisschen so wie vor dem jüngsten, bundesweit bestaunten 6:2. Sie beziehen ein Kurz-Trainingslager – nur diesmal nicht in Verden, sondern in Köln, im Hotel Brenner’scher Hof. Und sie lassen sich wieder vom Sportpsychologen Andreas Marlovits betreuen, der schon vor dem Stuttgart-Spiel mit den Spielern Gespräche geführt hat, die offenbar wirkten.

Dass die Bremer für ihre Köpfe jetzt besonders viel tun, hat gute Gründe. Ihr Spiel in Köln könnte kniffliger kaum sein, denn nach dem magischen Montag kann eigentlich alles nicht mehr besser, nur noch schlechter werden. Die Fallhöhe, mit der sie leben müssen, könnte größer kaum sein.

Wird Werder jetzt stabil?

Es ist seltsam: Einerseits haben die Bremer gerade einen Triumph gefeiert, der sich anfühlte wie ein Sieg im WM-Finale; andererseits sind sie nach wie vor akut vom Abstieg in die Zweitklassigkeit bedroht. Gefühlt ist das Spektakel gegen Stuttgart ein Quantensprung gewesen, eine Reise zurück in die guten alten grün-weißen Zeiten; in der Tabelle aber hat es trotzdem nur drei Punkte gebracht.

Viel zu oft haben die Bremer in dieser Saison nach einem überzeugenden Auftritt einen Zusammenbruch erlebt, viel zu selten haben sie mehrere gute Spiele hintereinander gemacht. Ob sie jetzt, im Endspurt, in den spannendsten Wochen des Jahres, endlich stabil werden?

Klassenerhalt wäre mit einem Sieg möglich

Das eine habe mit dem anderen nichts zu tun, glaubt Eichin: „Wir haben überhaupt keine Sorge, dass wir dieses Spiel nicht so annehmen, wie du es annehmen musst.“ Die Frage ist nur, wie das in der Praxis aussehen wird: so stürmisch wie gegen Stuttgart – oder doch etwas verhaltener? „Wir wollen da kein Harakiri machen und ab der ersten Minute sofort nach vorne marschieren“, sagt Skripnik. „Aber wir werden auch nicht nur hinten stehen und den Ball nach vorne bolzen. Wir wollen auch Fußball spielen und unsere Chancen vorne nutzen.“

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Wenn alles schlecht läuft, wenn sie selbst verlieren und ihre Konkurrenten Frankfurt und Stuttgart gewinnen, haben die Bremer nach dem Spiel in Köln plötzlich wieder ein gewaltiges Problem. Wenn aber alles gut läuft, wenn sie gewinnen und Frankfurt und Stuttgart verlieren, sind die Bremer nach dem Spiel in Köln schon gerettet. Und haben dann eine Heimfahrt im Bus vor sich, die lustig werden könnte.

„Wenn das so passiert“, sagt Junuzovic, „ich glaube, dann haben wir sehr kreative Leute, die im Bus Stimmung machen können.“

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