Bilanz nach elf Spielen Werders Viererkette ist noch eine Baustelle

Neun verschiedene Startelf-Besetzungen seiner Viererkette hat Werder-Cheftrainer Markus Anfang an den ersten elf Spieltagen schon aufgeboten. Für Kontinuität steht das sicher nicht.
26.10.2021, 14:47
Lesedauer: 2 Min
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Von Daniel Cottäus

17 Gegentore in bisher elf Saisonspielen. Das ist zwar kein katastrophal schlechter Wert, ein guter aber ganz sicher auch nicht. Und er liefert zumindest einen Teil der Erklärung dafür, warum Werder Bremen in der 2. Bundesliga derzeit den eigenen Ansprüchen so weit hinterherläuft. Davon, eine eingespielte Defensivreihe zu haben, von der es gemeinhin heißt, dass sie gerade im Unterhaus die Grundlage für alles weitere sei, sind die Bremer nämlich meilenweit entfernt.

Um das festzustellen, genügen im Grunde schon die folgenden beiden Zahlen: neun und elf. Im Kontext: Neun verschiedene Startelf-Besetzungen seiner Viererkette hat Cheftrainer Markus Anfang an den ersten elf Spieltagen schon aufgeboten. Für Kontinuität steht das sicher nicht, was Anfang selbst ein Dorn im Auge sein dürfte. Mit einer besonders ausgeprägten Experimentierfreudigkeit des Trainers ist das große Wechselspiel in der Defensive nämlich nicht zu erklären. Vielmehr waren (und sind) es personelle Probleme, die Werders Abwehr zum Baukasten machen.

Der Serbe Milos Veljkovic etwa, Werders letzter verbliebener A-Nationalspieler, verpasste die ersten beiden Saisonspiele wegen einer Corona-Infektion. Nach seiner Genesung galt er als heißester Anwärter auf den Platz in der Innenverteidigung neben Ömer Toprak, den er auch prompt einnahm – sich dort aber schon bald auf einen neuen Nebenmann einstellen musste, weil Toprak seit dem siebten Spieltag mit Wadenproblemen ausfällt. Wann genau der Abwehrchef wieder zur Verfügung steht? Nach wie vor unklar. „Wir wollen bei ihm keinen Druck aufbauen und geben ihm die Zeit, die er braucht“, sagt der Leiter Profi-Fußball Clemens Fritz. Dem natürlich auch klar ist, „dass uns Ömer mit seiner Präsenz unheimlich fehlt“. Denn: „Die Mannschaft ist jung und muss sich entwickeln. Wenn dann erfahrene Spieler wegfallen, ist das nicht einfach.“

Neben Toprak und Veljkovic hat Anfang in der Abwehrmitte bisher auf zwei weitere Akteure vertraut: Marco Friedl und Lars Lukas Mai. Ersterer war nach seinem Streik und dem Versuch, damit einen Wechsel zu Union Berlin zu erzwingen, in Ungnade gefallen und zwischen dem fünften und siebten Spieltag gar nicht berücksichtigt worden. Grundsätzlich plant Anfang mit ihm auch mehr als Linksverteidiger. Und der Zweite, also Mai, war wieder fest ins Team gerückt, nachdem das Duo Veljkovic/Toprak gesprengt war, hat zuletzt in Sandhausen aber schwer gepatzt (Fritz: „Ich habe nicht die Sorgen, dass ihn das lange belasten wird“).

Auf den Außenverteidigerpositionen ist die Fluktuation ähnlich groß. Links wechseln sich Jung, der auch Innenverteidiger spielen könnte, und Friedl seit Saisonbeginn im Grunde blockweise ab. Rechts hatte Felix Agu zunächst für eine Lücke gesorgt, weil er mangels Flügelstürmern vorne aushelfen musste. Nach zwei Partien in der Viererkette fiel er dann für drei Spiele verletzt aus, ist nun aber wieder fit. Vertreten haben ihn bisher Manuel Mbom und Mitchell Weiser.
Es sind also schon einige Varianten, die Anfang ausprobiert hat, überwiegend notgedrungen, auf den Außenpositionen aber auch aus freien Stücken. Für Sicherheit sorgt das nicht. „Eine eingespielte Abwehrreihe ist definitiv wichtig, um Stabilität ins Spiel zu bekommen“, weiß Fritz. Werder wird sich allerdings weiter gedulden müssen, bis die Stammbesetzung steht. 

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