Zurückgeblättert: 16. Mai 1969 „Werders Ziel: Ein Punkt in Köln“

Seit 1963 spielt Werder in der Bundesliga, mehr als fünf Jahrzehnte, in denen sich im Fußball, bei Werder und in der Berichterstattung viel verändert hat. Mein Werder zeigt die Originaltexte und Zeitungsseiten.
15.05.2019, 11:26
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Von mw

Am 16. Mai 1969 schrieb der WESER-KURIER:

Bremen. Auf dem Trainingsplatz des SV Werder floß in dieser Woche viel Schweiß, die ungewohnte Hitze machte allen Spielern zu schaffen. Doch Trainer Langner kannte kein Pardon: „Gerade bei diesem Wetterumschwung müssen wir etwas tun, wollen wir nicht konditionell in Rückstand geraten. Denn wer weiß, ob es nicht am Sonnabend in Köln noch heißer wird?" argumentierte er. Schonung gab es nur für Nationalspieler Höttges, dem die Achillessehne nach dem Nürnberger Länderspiel wieder Kummer bereitete: „Es schmerzt, aber ich kann es mir nicht leisten, ganz zu pausieren", berichtete Höttges. „Denn dann stehe ich die 90 Minuten in Köln nicht durch, wenn es dort sehr warm ist!"

In Köln müssen wir einen Punkt holen! Das haben sich die Spieler vorgenommen, mit diesem Entschluß werden sie morgen das Müngersdorfer Stadion betreten. Und die meisten von ihnen sind recht zuversichtlich: „Die Kölner müssen um jeden Preis gewinnen, sie müssen angreifen. Das gibt uns einige taktische Möglichkeiten in die Hand„, meinte Max Lorenz, der damit rechnet, seinen Nationalmannschaftskameraden Wolfgang Overath zum Gegner zu erhalten. „Man muß ihn viel beschäftigen, ständig in Bewegung sein. Dann kann auch ein Overath in Schwierigkeiten kommen“, prophezeite Lorenz. 14 Spieler treten heute die Reise in den Westen an, neben der Stamm-Mannschaft gehören Torwart Loweg, Zebrowski und Schmidt zum Aufgebot.

Man kann sich einfach noch nicht vorstellen, daß zum Beispiel der 1. FC Nürnberg als Titelverteidiger und Borussia Dortmund als der viertbeste Bundesligaklub seit 1963 auf den beiden letzten Plätzen hängenbleiben sollen. Aber sie haben die wenigsten Punkte und treffen sogar noch aufeinander! Und außer diesem Spiel der augenblicklichen Tabellenletzten am vorletzten Spieltag (in Nürnberg) kommt es noch zu weiteren neun Begegnungen zwischen bedrohten Vereinen. Morgen fällt der Startschuß mit dem Treffen Köln - Bremen und Kaiserslautern - Frankfurt. Eine Woche später finden erneut zwei „Kellerspiele" mit Bremen - Nürnberg und Köln - Dortmund statt. Am vorletzten Spieltag kommt es außer Nürnberg - Dortmund noch zu den Begegnungen Schalke - Hertha, Offenbach - Bremen. Und zum Ausklang muß Nürnberg nach Köln und Offenbach nach Dortmund. Möglich, daß bis dahin auch noch das Treffen Frankfurt gegen Schalke große Bedeutung hat. Jetzt geht es also Schlag auf Schlag.

So verworren und undurchsichtig die Zukunft für die zahlreichen bedrohten Klubs auch sein mag, so klar ist die Situation: Außer dem 1. FC Köln, der von seinen vier Restspielen noch drei zu Hause austrägt, haben alle übrigen Vereine noch zweimal Heimrecht. Das heißt: Ab sofort zählt jeder auswärts errungene Punkt in den sogenannten Abstiegsduellen doppelt!

Im Blickpunkt der 31. Runde steht das Gastspiel des Tabellenführers Bayern München beim Tabellenletzten 1. FC Nürnberg. Gewinnt der FC Bayern, dann ist die Mannschaft nicht mehr zu überholen und bei einem Punktverlust des Hamburger SV gegen Schalke 04 sogar schon Meister! Aber der „Club" muß gewinnen; denn selbst vier Punkte aus den beiden Heimspielen (gegen Bayern und Dortmund) dürften nicht zum Klassenerhalt reichen.

Was für den 1. FC Nürnberg zutrifft, gilt im gleichen Maß für Borussia Dortmund. Falls Borussia heute abend das Heimspiel gegen Alemannia Aachen verlieren sollte — und Aachen kommt als erfolgreichste Mannschaft der Rückrunde —, dann gibt es kaum noch eine Rettung für den ersten deutschen Europapokalsieger! Der 1. FC Kaiserslautern erhofft eine Rettung über die Heimstärke. Aber gerade gegen Eintracht Frankfurt taten sich die Pfälzer am Betzenberg immer recht schwer. Sie gewannen seit 1963 nur einmal zu Hause (vor drei Jahren 5:2). Ein Punktverlust kann für die Lauterer böse Folgen haben!

Eine gute Chance bietet sich dem Neuling Kickers Offenbach im Heimspiel gegen den „angeschlagenen" VfB Stuttgart, der aus den letzten vier Spielen nur einen Punkt holte. Das rettende Ufer dürfte wohl der Sieger aus dem Treffen Hannover 96 — MSV Duisburg erreichen. Ob die Niedersachsen sich wieder gefangen haben? Seit neun Spielen sind sie ohne Sieg, der MSV hingegen seit fünf Runden ungeschlagen! Auch Hertha BSC Berlin ist noch nicht in Sicherheit. Vielleicht erreicht die so abwehrstarke Mannschaft ein wichtiges Unentschieden in München gegen 1860.

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