"Noch einige Baustellen" Werner fordert Transfers für Werder, Baumann will bald liefern

Es gebe noch "einige Baustellen", sagte Werder-Coach Ole Werner nach dem verlorenen Testspiel gegen Oldenburg - der Kader müsse noch an Qualität gewinnen. Frank Baumann vernahm den Ruf nach neuen Spielern wohl.
26.06.2022, 15:54
Lesedauer: 4 Min
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Von Björn Knips

Als Frank Baumann gebeten wurde, die Wahrscheinlichkeit von Neuverpflichtungen bis zur Abreise des SV Werder Bremen am Donnerstag ins Trainingslager nach Österreich in einer Prozentzahl zusammenzufassen, da grinste er verschmitzt. „73,67 Prozent“, lautete seine natürlich nicht ganz ernst gemeinte Antwort. Doch bei allem Spaß sind die Aussichten offenbar wirklich gar nicht so schlecht, wie Baumann in seinem nächsten Satz andeutete: „Wir sind schon zuversichtlich, dass wir den einen oder anderen neuen Spieler noch mitnehmen können. Das ist auch das Ziel.“

Trainer Ole Werner wird es gerne hören. Denn der Coach wiederholte am Samstagabend nach dem verunglückten Testspielauftakt gegen den VfB Oldenburg (1:3) seinen Wunsch nach Transfers. „Es ist klar, dass wir noch einige Baustellen haben und dass wir in der Kaderstruktur an Qualität noch zulegen müssen“, sagte Werner auf Nachfrage von Radio Bremen und nannte auch die Positionen, für die er sich Neuzugänge wünscht: „Sicherlich beide Außenbahnen, sicherlich benötigen wir auch Spieler für das zentrale Mittelfeld – und wir brauchen auch noch jemanden für den vorderen Bereich.“

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Macht zusammengerechnet mindestens fünf Spieler. Das ist nicht gerade wenig – vor allem nicht angesichts der finanziellen Zwänge des Rückkehrers in die Bundesliga, der bereits Amos Pieper (Arminia Bielefeld), Niklas Stark (Hertha BSC) und Dikeni Salifou (FC Augsburg/U 19) verpflichtet hat. Für die Außenbahnen sind deshalb schon länger die ablösefreien Mitchell Weiser (Bayer Leverkusen) und Lee Buchanan (Derby County) vorgesehen. Mit Weiser, der bereits in der vergangenen Saison an der Weser spielte, gibt es aber weiterhin keine Einigung, und bei Buchanan bereitet dessen ungeklärte Vertragslage weiterhin Probleme.

Für das offensive Mittelfeld und den Angriff hatte Werder auf Sarpreet Singh (FC Bayern München) und Daniel-Kofi Kyereh (FC St. Pauli) gesetzt. Doch Singh fällt wegen seiner Schambeinverletzung noch zu lange aus und Kyereh sagte den Bremern aus sportlichen und finanziellen Gründen ab. Nun verfolgt Werder Plan B, Namen von Kandidaten sind noch nicht durchgesickert. Ein gewisser Christian Fassnacht wird es nach Informationen unserer Deichstube allerdings nicht werden. Vor einem Jahr war Werder noch ganz heiß auf eine Verpflichtung des Schweizers, die letztlich nur an den Ablöseforderungen von Young Boys Bern scheiterte. Genauso wie im Winter. Und auch jetzt fordert der Club angeblich immer noch über vier Millionen Euro für den 28-Jährigen, der in der vergangenen Saison lange verletzt war und nur noch einen Vertrag für die kommende Spielzeit besitzt.

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Werder ist zwar bereit, für einen Offensivspieler eine Ablöse zu bezahlen, wie das Beispiel Kyereh gezeigt hat, doch viel mehr als drei Millionen Euro sind da nicht möglich. Und dann muss wirklich alles passen – der Spieler also nicht nur sofort funktionieren, sondern auch noch einen Wiederverkaufswert haben. Letzteres ist bei einem 28-Jährigen dann schon etwas schwieriger, wenngleich Fassnacht mit elf Toren in 18 Partien trotz der Verletzungsprobleme seine Klasse einmal mehr unter Beweis gestellt hat. Laut Schweizer Medien will Besiktas Istanbul den Nationalspieler gerne verpflichten, aber auch die Türken schrecken noch vor der Ablösesumme zurück.

Besitktas-Coach Valerien Ismael, einer von Werders Double-Helden, muss sich also genauso in Geduld üben wie Werner. Der bleibt aber typisch norddeutsch gelassen. „Natürlich wünschst du dir als Trainer, möglichst schnell die komplette Mannschaft zu haben, um in allen Abläufen arbeiten zu können. Aber wichtiger ist es, die richtigen Spieler für uns zu holen – und da werden wir schauen, wie lange das dauert.“

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Der erste Test in Verden offenbarte da durchaus die Probleme. Werder ließ vieles vermissen. Natürlich waren die Beine nach den ersten Trainingstagen bei vielen Spielern schon etwas schwer. Außerdem hatte Werner versucht, zwei gleichstarke Mannschaften für jede Halbzeit aufzustellen, was die Qualität durch die Hereinnahme mehrerer U 23-Spieler natürlich senkte. Aber es wurde eben auch deutlich, warum zum Beispiel ein Kyu-hyun Park in der vergangenen Saison in der Liga nie eine Chance bekam oder auch Nick Woltemade nur selten eingesetzt wurde. Sie müssen sich erheblich steigern, um echte Alternativen zu werden. Das gilt genauso für Niklas Schmidt, der schnell stark abbaute.

Namhafte Profis wie Leonardo Bittencourt, Marvin Ducksch, Christian Groß oder auch Nicolai Rapp enttäuschten ebenfalls gegen den frechen Aufsteiger in die 3. Liga. Im Gegensatz zu Neuzugang Amos Pieper, Niclas Füllkrug und Benjamin Goller, die großen Einsatz zeigten. Goller, der nach seiner Rückkehr aus Karlsruhe als Verkaufskandidat gilt, erzwang mit seiner scharfen Hereingabe sogar die Bremer Führung durch ein Eigentor von Robert Zietarski (29.).
Nach der Pause sahen die 3 333 Zuschauer im Stadion am Berliner Ring dann einen ganz schwachen und vor allem fehlerhaften SV Werder. Affamefuna-Michael Ifeadigo durfte unbedrängt das 1:1 köpfen (53.) und neun Minuten später von einem Missverständnis zwischen Keeper Eduardo dos Santos Haesler und Neuzugang Stark profitieren.

Okay, Letzterer hatte erst am Mittwoch seine erste Trainingseinheit mit dem neuen Team absolviert. Da können Abstimmungsprobleme passieren, gehörten bei Werder in Verden aber fast schon zum Alltag. So landete Rapps Einwurf nicht bei Neuzugang Dikeni Salifou, sondern bei Marco Schulz – und das im Bremer Strafraum, was den Oldenburgern das leichte 3:1 bescherte (76.). „Wir haben uns im Endeffekt die drei Tore selbst reingeschossen. Da muss ich verlangen, dass wir seriöser spielen. Wir werden das deutlich ansprechen“, kündigte Werner an.
Der Coach war schon ein bisschen angefressen, aber auch nicht stocksauer auf das Team - die Vorbereitung hat schließlich gerade erst begonnen. Es fehlen auch noch die Nationalspieler Marco Friedl, Romano Schmid und Milos Veljkovic, die ab Mittwoch wieder dabei sein sollen. Und wer weiß, vielleicht hat Baumann bis dahin auch noch – wie ganz zuversichtlich angekündigt – ein paar Transferwünsche des Trainers befriedigt.

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