Werder Bremen Wesley, Ekici und Wagner sind Werders Randfiguren

Bremen. Der Brasilianer Wesley, Neuzugang Mehmet Ekici und Stürmer Sandro Wagner halten mit der Entwicklung von Werder Bremen aktuell nicht mit. Besonders Wagner muss sich derzeit ganz weit hinten anstellen.
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Wesley, Ekici und Wagner sind Werders Randfiguren
Von Thorsten Waterkamp

Bremen. In Werders Bremen herrscht Sonnenschein, selbst im Regengrau dieser Tage. Denn Werder ist Zweiter der Bundesliga, das erinnert an früher und die Champions League und die schönen, ja, Sonnenseiten des Fußballlebens. Einige Bremer aber stehen im Schatten - sie erleben Werders Welt als Randfiguren: Ihre Mannschaft feiert nach der vergangenen Pleitensaison fröhlich Wiederauferstehung, sie selbst treten - im besten Fall - auf der Stelle, so als hätte sich ihre Leistung abgekoppelt. Wesley ist einer von ihnen, Neuzugang Mehmet Ekici ein anderer. Da stellt sich die Frage nach dem Warum.

Wesley: Als der Brasilianer im Sommer 2010 nach Bremen kam, war ein langes Feilschen zu Ende gegangen. Über Wochen zog sich der Transfer, das Feilschen endete bei geschätzten 7,5 Millionen Euro Ablöse - und weil Werders Sportliche Leitung großes Potenzial in dem kleinen Südamerikaner sah, glaubte man die Zeit und das viele Geld gut investiert zu haben. Heute aber, 15 Monate später, fällt die Bilanz ernüchternd aus. Werders drittteuerster Spieler aller Zeiten nach Marko Marin und Carlos Alberto hat einen Stammplatz - auf der Bank.

Wesley ist damit einer derjenigen, deren Entwicklung nicht mit der der Mannschaft mithält. Zugegeben: Seine langwierige Sehnenverletzung, die ihn in der vergangenen Saison vier Monate pausieren ließ, hat ihn weit zurückgeworfen. In dieser Saison aber hat Wesley den Anschluss verpasst. "Im Moment", stellte Klaus Allofs schon früh in der Saison fest, "spielt er nicht so, wie er es kann." Das war nach der Partie in Leverkusen. Da rannte er zwar wieder einmal viel, lief aber am Spiel meist vorbei. Anschließend wurde der 24-Jährige noch einmal eingewechselt, für magere 13 Minuten gegen den SC Freiburg, wobei ihm immerhin in der Nachspielzeit das 5:3 gelang. Seitdem sitzt er draußen und darf sich auf die Testspiele freuen.

Dass das brasilianische Laufwunder so weit außen vor ist, hat auch mit dem gut besetzten Bremer Mittelfeld zu tun. Aaron Hunt ist gesetzt, Marko Marin ist gesetzt, und der ehemalige Rechtsverteidiger Clemens Fritz, der eine weitere Position im Mittelfeld blockiert, sowieso. Es ist schlichtweg kein Platz für Wesley. Dabei gäbe es eine Aufgabe, die dem schmächtigen Profi gut gefallen würde, wie er selbst längst kundgetan hat: "Sechser oder zweiter Sechser ist meine Lieblingsposition, dort hatte ich mit Santos großen Erfolg." Doch selbst die Vakanz auf dieser Position nach der Trennung von Torsten Frings hat Wesley nicht nutzen können. Philipp Bargfrede übernahm den Job, und obwohl auch bei ihm viel Luft nach oben bleibt, bleibt es dabei: Wesley ist keine Alternative.

Mehmet Ekici: Eine Berufung in die Nationalelf kann einen Motivationsschub bewirken, und dass Mehmet Ekici hochmotiviert zu den Länderspielen seiner türkischen Auswahl gefahren ist, steht außer Frage. Es war ja schließlich auch eine besondere Konstellation: Er, der Bub aus München, trifft im Trikot seines Vaterlandes auf das Land seiner Geburt - die typische Geschichte so vieler türkischer Nationalspieler. Ekici wollte sich etwas Rückenwind abholen für die Arbeit in Bremen, vielleicht diesen einen Impuls finden, der als Beschleuniger für die stockende Entwicklung bei Werder taugt.

So weit die Idee - doch Ekici fand sich in Istanbul nicht mal auf der Bank, sondern auf der Tribüne wieder. Gestern Abend gegen Aserbaidschan saß er immerhin auf der Bank, wo er dann allerdings auch 90 Minuten bleiben sollte. Möglicherweise hätte Ekici die Zeit in Bremen besser nutzen können: im Training mit der Mannschaft. Verpflichtet hatte ihn Werder für eine zentrale Rolle im Mittelfeld. Viel geschrieben worden ist seitdem darüber, dass Ekici jene Lücke ausfüllen sollte, die Mesut Özil vor einem Jahr hier hinterlassen hatte. Die Vergleiche gingen vielleicht zu weit, doch selbst mit geringeren Erwartungen hätte der 21-Jährige zurzeit zu kämpfen. Er hat Probleme, in das Bremer Spiel zu finden, die Umstellung vom 1. FC Nürnberg auf Werder, die Umstellung auf das neue System, damit tut er sich weiterhin schwer. Alles sei schneller, hat er einmal gesagt.

Tatsächlich ist es so, dass zurzeit für Mehmet Ekici kein Platz ist im Bremer Mittelfeld neben Marko Marin und Aaron Hunt. So hat er in nur drei Liga-Spielen von Beginn an auf dem Feld gestanden und musste jeweils nach einer Stunde seinen Platz auch wieder räumen. Nicht viel angesichts der Erwartungen, die mit den fünf Millionen Euro Ablöse verbunden sind. Doch Thomas Schaaf und Klaus Allofs üben sich in Geduld. "Wenn man ihn im Training sieht, wo er außergewöhnliche Dinge macht, dann muss man sagen, dass er das Zeug zum Spielmacher hat", ist sich Allofs sicher.

Sandro Wagner: Ganz anders stellt sich die Situation bei Sandro Wagner dar. Wenn es einen Verlierer dieser Saison gibt, dann ist es der 23-jährige Stürmer. Bei ihm war Schaaf schon mehrfach mit der Geduld am Ende, wovon nicht nur die aktuelle Verbannung in die zweite Mannschaft zeugt. Bei den Profis durfte Wagner in dieser Saison - abgesehen von der Pokalpartie in Heidenheim und diversen Tests - überhaupt noch nicht mitspielen.

Dabei schien Wagner Ende vergangener Spielzeit den Weg ins Team gefunden zu haben. Im letzten Viertel der Saison zeigte er gute Leistungen und streifte den Ruf des Null-Tore-Stürmers mit fünf Treffern in sechs Begegnungen ab. Es waren wichtige Tore: In Freiburg und Nürnberg leitete er Siege ein, gegen Gladbach und Schalke sicherte er jeweils 1:1-Unentschieden.

Den Trend aber rettete Wagner nicht in die neue Saison. Nein, er kehrte ihn sogar um. Nach lustlos-launischen Reaktionen im Training führte ihn sein Weg schnurstracks in die zweite Mannschaft - wo er ebenfalls nicht überzeugte. Und selbst nach der Rot-Sperre von Marko Arnautovic darf sich der ehemalige U-21-Europameister keineswegs die Hoffnung machen, am Freitag gegen Borussia Dortmund im Kader zu stehen. Wagner ist hinter Pizarro, Arnautovic, Rosenberg und Thy nur die Nummer fünf.

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