Werder Bremen Wesley-Experiment gescheitert

Bremen. Das sportliche Experiment mit Wesley im Werder-Mittelfeld muss bereits seit einiger Zeit als gescheitert betrachtet werden. Doch zumindest in wirtschaftlicher Hinsicht kommen die Bremer wohl mit einem blauen Auge davon.
10.02.2012, 06:00
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Wesley-Experiment gescheitert
Von Oliver Matiszick

Bremen. Das sportliche Experiment mit Wesley im Werder-Mittelfeld muss bereits seit einiger Zeit als gescheitert betrachtet werden. Doch zumindest in wirtschaftlicher Hinsicht kommen die Bremer wohl mit einem blauen Auge davon. Denn mit Palmeiras São Paulo ist sich Werder nun über den Transfer des 24-Jährigen einig.

Nebenan auf dem Trainingsplatz hatten die Werder-Profis gerade die Arbeit aufgenommen, da hatte Wesley seine für den Verein beendet. Endgültig. Auf Werders Geschäftsstelle hatte er gestern Nachmittag erledigt, was erledigt werden muss, wenn ein Spieler den Klub wechselt. Nun, um 15.04 Uhr, verließ er das Stadion ein letztes Mal über die Tiefgarage, Berater Hugo Garcia chauffierte ihn. Auf dem Rücksitz des Geländewagens standen Koffer, denn seinen Schrank in der Kabine hatte Wesley bereits ausgeräumt. Der Brasilianer macht den Abflug. Heute geht es zurück in die Heimat, wo er, wenn die letzten Formalitäten erledigt sind, künftig für Palmeiras São Paulo spielen wird.

Vergangenen Sonnabend war nach einem Palmeiras-Angebot Bewegung in die Sache gekommen, nun fand sie ihren Abschluss. Zumindest auf Ebene der beiden Klubs. "Wir sind am Mittwoch ein ganzes Stück weitergekommen - die Verträge zwischen den Vereinen sind unterschrieben", erklärte Werder-Chef Klaus Allofs gestern. Nach der ausstehenden medizinischen Untersuchung in São Paulo liegt es nun an Wesley, seinen Arbeitsvertrag über drei Jahre mit Palmeiras dingfest zu machen. "Aber auch da scheint es eine Einigung zu geben. Die Vorzeichen sind gut, dass dieser Transfer keine unendliche Geschichte wird", sagt Allofs.

Tritt der - erwartete - Fall in Kürze ein, könnte Allofs sich gratulieren, mit einem blauen Auge davongekommen zu sein. 7,5 Millionen Euro hatte Werder im Sommer 2010 in das Experiment mit dem Mittelfeldspieler investiert - und das ist sportlich gescheitert. Auf einem anderen Blatt steht die Wirtschaftlichkeitsrechnung. "Er hat eine Menge gekostet - aber wir kriegen auch eine Menge zurück", sagt Allofs. Sechs Millionen Euro sollen es sein, zahlbar in drei Raten. Heißt: Im Gegensatz zu Vorgänger Carlos Alberto wird Wesley nicht als Totalverlust in Werders Bilanz stehen.

Gemein ist den Fällen Alberto und Wesley, dass Werder es - nach den Positivbeispielen Naldo und Diego - nun zweimal in Folge nicht geschafft hat, ohne Frage talentierte Brasilianer in der Bundesliga zu verankern. "Wir haben uns sehr bemüht, aber wir konnten ihn nicht dahin führen", sagt Allofs mit Blick auf Wesley, "doch wenn man als Spieler in ein anderes Land geht, muss man auch wissen, worauf man sich einlässt." Es darf auch deshalb als eine nur notdürftig verdeckte Schuldzuweisung verstanden werden, weil sie von Wesleys Können bei Werder nach wie vor überzeugt sind. "Ich bin sicher, dass er wieder gute Spiele abliefern wird, wenn er mit sich wieder im Reinen ist - aber eben nicht mehr bei Werder", sagt Allofs außerdem.

Wesley selbst sagt zu all dem: nichts. Bei seinem nahezu unbemerkten Abschied gestern vor der Stadion-Tiefgarage lässt er lieber Berater Garcia sprechen. "Der Transfer ist gut für Werder - und er ist gut für ihn", sagte Garcia also. Einerseits sei sein Klient traurig, weil er mit dem Abschied aus Bremen auch Freunde verliere. Andererseits aber sei Wesley glücklich, nun etwas Neues machen zu können, so wie 2010, als er vom FC Santos nach Bremen ging. Während Garcia das über ihn hinweg aus dem Auto heraus zu den Reportern sagt, wirkt Wesley, auf dem Beifahrersitz geradezu in sich zusammengesunken kauernd, nicht in vollem Umfang glücklich. Als sich der Wagen in Bewegung setzt, streckt er dennoch den Daumen der rechten Hand nach oben: Alles bestens. Die Geste gehörte zu seinem Standardrepertoire in den eineinhalb Werder-Jahren. Glaubhafter ist sie deshalb nicht geworden. Auch gestern nicht.

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