Eilts‘ Erlebnisse Wie Maradona sein Gesicht verlor

Dieter Eilts war Europameister, Deutscher Meister, Europapokalsieger. Für Mein Werder blickt die Werder-Legende auf besondere Erlebnisse seiner Karriere zurück. Heute: das Duell mit dem SSC Neapel.
24.01.2019, 10:58
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Von Dieter Eilts

Dieses Los war der absolute Hammer – für uns Spieler und für die Werder-Fans. Im Uefa-Cup-Achtelfinale der Saison 1989/90 bekamen wir den SSC Neapel zugelost. Italienische Vereine haben damals die Fans ganz besonders angezogen, und Neapel war der Klub mit dem wohl besten Fußballer der Welt: Diego Armando Maradona. Er elektrisierte auch in Bremen die Massen, direkt nach der Auslosung war das Weserstadion innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Alle sprachen nur noch über das Spiel gegen Maradona. Es war wirklich so, dass für viele der SSC Neapel scheinbar gar nicht existierte, es gab nur Maradona.

Auch wir Spieler diskutierten natürlich viel über den argentinischen Weltstar, aber unser Trainer Otto Rehhagel machte uns frühzeitig deutlich, dass die italienische Mannschaft deutlich mehr zu bieten hatte als nur Maradona. Unter anderem spielte für Neapel zur damaligen Zeit auch ein gewisser Ricardo Rogério de Brito, vielen sicherlich besser bekannt als Alemao. Von diesem brasilianischen Nationalspieler stammt auch einer meiner Spitznamen. Otto Rehhagel wurde auf der Pressekonferenz zum Neapel-Spiel nach Alemao gefragt, und er antwortete, dass Werder auch einen Alemao habe. „Wir haben unseren Ostfriesen-Alemao“, sagte der Trainer, und schon hatte ich einen neuen Spitznamen.

Das Hinspiel in Neapel lief geradezu optimal für uns. Maradona war während der 90 Minuten fast nicht zu sehen, und wir hatten einen überragenden Tag. Nach Toren von Frank Neubarth, Karl-Heinz Riedle und Wynton Rufer gewannen wir mit 3:2. Somit hatten wir uns eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel erarbeitet. Trotz unseres guten Ergebnisses war der SSC Neapel aber weiterhin leichter Favorit auf den Einzug ins Viertelfinale.

Am 6. Dezember 1989 war es dann endlich soweit, und der SSC Neapel mit dem legendären Maradona gab seine Visitenkarte im Weserstadion ab. Schon als wir weit vor Spielbeginn ins Stadion kamen, herrschte auf den Rängen eine überragende Stimmung. Freunde aus meiner Heimat, die dieses große Spiel live erleben wollten, hatten an einer Geraden ein riesiges Banner angebracht. „Mit Dieter Eilts in Rom erobern wir den Fußball-Thron“ stand dort ganz groß. Ein dezenter Hinweis an Teamchef Franz Beckenbauer, doch für mich hat es damals leider noch nicht für die Nationalmannschaft gereicht. Den Weltmeistertitel 1990 holte das Team in Italien ohne mich.

Aber zurück zum Neapel-Spiel: Es war der Nikolausabend, Geschenke wollten wir allerdings nicht verteilen. Wir hatten uns vorgenommen, uns selbst reichlich zu beschenken. Und das taten wir auch. Wir hatten an diesem Abend eine überragende Form, und uns gelang nahezu alles. Von Maradona und seinen Mitspielern war nicht viel zu sehen. Mit sage und schreibe 5:1 schickten wir den Gegner nach Hause und zogen in die nächste Runde ein. In beiden Spielen konnten wir mit vereinten Kräften Maradona fast ganz aus dem Spiel nehmen. Da wir die Räume sehr eng gemacht haben, gab es nur wenige Situationen, in denen er seine sonst so überragende Technik, Schnelligkeit und auch Torgefährlichkeit ausspielen konnte.

Maradona beklagte nach dem verlorenen Rückspiel, seine Mannschaft hätte heute ihr Gesicht verloren. Das sagt wohl alles über den Verlauf der Partie aus. Wie im Nachhinein zu hören war, waren etliche Spieler von Neapel am Morgen vor dem Spiel noch auf dem schönen Bremer Weihnachtsmarkt gesehen worden. Hoffentlich haben sie dort einiges eingekauft und konnten somit doch noch etwas aus Bremen mitnehmen. Auf dem Platz war gegen uns schließlich überhaupt nichts zu holen.

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