Michael Zetterer im Interview „Rumstänkern ist nicht meine Art“

Zwölf Pflichtspiele am Stück stand er zu Beginn der vergangenen Saison im Werder-Tor, dann musste Michael Zetterer zurück auf die Bank. Wie er damit umgeht, erklärt er im Interview mit unserer Deichstube.
02.09.2022, 18:19
Lesedauer: 4 Min
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Von Daniel Cottäus

Herr Zetterer, Sie stammen gebürtig aus München, stehen aber bereits seit 2015 bei Werder unter Vertrag. Wie sehr sind Sie inzwischen zum Norddeutschen geworden?

Michael Zetterer: Also zur Hälfte bestimmt, das trifft es ganz gut. Ich bin schon lange hier und fühle mich sehr wohl. Meine Freundin und ihre Familie kommen aus Bremen, und ich habe sehr viele Freunde in der Stadt. Auch im Verein kenne ich die Mitarbeiter schon sehr lange. Es gibt also ganz viele Punkte, die es für mich in Bremen angenehm machen und mich hier halten. Es passt einfach.

Im Sommer gab es trotzdem einige Beobachter, die nicht überrascht gewesen wären, wenn Sie Werder verlassen hätten, um andernorts die Nummer 1 zu sein...

Ich habe mir auch viel angehört, habe viele Telefonate geführt, aber das Angebot, das mich zu 100 Prozent überzeugt hat, war nicht dabei. Ich habe dann für mich entschieden, dass ich dem Konkurrenzkampf bei Werder nicht davonlaufen will. Ich sehe für mich weiterhin die Chance, hier ins Tor zu kommen.

Zu Beginn der vergangenen Saison hatten Sie Jiri Pavlenka zwischenzeitlich aus dem Tor verdrängt. Wie schwer war es für Sie, danach wieder auf die Bank zu müssen?

Das war natürlich schwer für mich. Wenn man nach vielen Jahren mit Verletzungspech die Chance bekommt, will man sie natürlich weiterhin nutzen und im Tor bleiben. Ich konnte mir nach den Spielen auch nicht viel vorwerfen. Am Ende hat auch weniger die Einzelleistung entschieden, sondern es lag eher daran, dass das Kollektiv zu dem Zeitpunkt der Saison noch nicht richtig funktioniert hat. So läuft es manchmal im Fußball, damit muss man umgehen können. Ich habe mich danach darauf konzentriert, meine Trainingsleistung und damit den Konkurrenzkampf hochzuhalten. An mich selbst habe ich den Anspruch, Pavlas in jeder Trainingseinheit zu fordern. Man soll sehen, dass ich etwas vorhabe.

In der Werder-Doku wird deutlich, dass Sie auch als Ersatzkeeper eine wichtige Rolle in der Mannschaft einnehmen, im Team voll integriert sind. Wie unterstützen Sie Ihre Kollegen, ohne zu spielen?

Es ist ja immer die Frage, wie man so eine Rolle interpretiert. Rumstänkern ist jedenfalls nicht meine Art. Ich drehe es lieber um und ziehe Motivation daraus. Was genau ich für die Mannschaft bedeute, sollen lieber andere beurteilen. Ich versuche einfach, für die Jungs da zu sein. Im Training und rund um die Spiele, damit sie am Wochenende das Bestmögliche auf den Platz kriegen. Denn darum geht es.

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Das unterstreicht den zuletzt viel zitierten Zusammenhalt im Team...

Ja, der Zusammenhalt ist schon brutal. Das habe ich in noch keiner anderen Mannschaft so gesehen, wie es hier ist. Es gab während des Zweitligajahres viele schwierige Momente, an denen man als Mannschaft auch hätte zerbrechen können. Wir haben es aber geschafft, daran zu wachsen. Davon profitieren wir, was auch in der Bundesliga schon zu sehen war. Alle glauben dran, alle sind dabei. Es geht auch nur zusammen. Wenn immer nur die erste Elf gute Laune hat und an einem Strang zieht, dann wird es nichts in der Bundesliga. Du brauchst alle dafür.

Wie zufrieden sind Sie mit dem Saisonstart?

Das muss man unterteilen. Ich persönlich habe noch keine Minute gespielt. Mir war zwar vorher bewusst, dass es wahrscheinlich so kommen wird, aber trotzdem will ich natürlich ins Tor und Minuten sammeln. Als Mannschaft gesehen war der Start aber okay. Was gut ist, ist, dass wir diese Mentalität auf den Platz kriegen, die uns das ganze Jahr über auszeichnen muss. Wenn wir das hinkriegen, wird es für uns ein erfolgreiches Wiederkommen in der Bundesliga. Da bin ich mir ganz sicher.

Ihr Torwart-Trainer Christian Vander war während seiner aktiven Laufbahn dauerhaft die Nummer 2 bei Werder. Könnten Sie sich mit so einem Szenario unter Umständen auch anfreunden?

Bei meiner Vorgeschichte mit der Hand (Zetterer zog sich im Jahr 2017 eine komplizierte Handgelenksverletzung zu und fiel ein gutes Jahr lang aus, Anm. d. Red.) bin ich erst mal sehr dankbar für das, was ich aktuell habe. Vor einigen Jahren war der aktuelle Stand ganz, ganz weit weg. Dass ich Spiele mache, so wie in der letzten Saison, war ein Traum, damals aber eine Zeit lang unrealistisch. Jetzt habe ich das erlebt. Aber klar, der Sportler in mir lebt. Ich bin ein total ehrgeiziger Typ, der am liebsten die Nummer 1 sein würde – und am allerliebsten bei Werder.

Ihr Vertrag läuft 2023 aus, Stammkeeper Jiri Pavlenka hat unlängst bis 2025 verlängert. Können Sie sich vorstellen, zu bleiben?

Grundsätzlich ja, ich bin gesprächsbereit. Aber natürlich gibt es Dinge, über die man reden müsste, denn ich habe Ansprüche an mich selbst und meine Karriere. Das wird aber die Zukunft zeigen. Konkrete Gespräche gab es bisher nicht.

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Im Training erleben Sie auch die Nachwuchskeeper Louis Lord und Mio Backhaus, mit denen Sie sich regelmäßig austauschen. Geben Sie gerne Tipps weiter?

Absolut. Als ich zu Werder kam, hat Jaroslav Drobny mir damals sehr geholfen. Das würde ich gerne weitergeben. Ich bin gerne für die Jungs da.

Nochmal zurück zu Christian Vander: Der ist nach seiner Karriere Torwart-Trainer bei Werder geworden. Können Sie sich das auch vorstellen?

Ich kann mir vieles vorstellen (lacht). Ich habe in meiner Heimat schon öfter ein paar junge Torhüter in meinem Jugendverein trainiert. Das macht mir großen Spaß, denn ich mag den Umgang mit jungen Menschen total gern. Ich habe erst mal aber schon noch vor, lange selber Fußball zu spielen. Die Zeit, die ich damals durch die Handverletzung verloren habe, würde ich gerne nachholen.

Ist mit der Hand denn inzwischen alles in Ordnung, oder beschäftigt Sie das Thema bis heute?

So wie es gerade ist, ist alles gut. Ich trage immer einen Tapeverband und eine spezielle Schiene unter dem Handschuh. Dabei geht es vor allem um den Gedanken der Sicherheit, der mich einfach stützt. Für den Kopf ist das ganz wichtig.

Das Gespräch führte Daniel Cottäus.

Zur Sache

Zetterer in Zahlen

Bei Werder seit: 27. Jan. 2015
Vertrag bis: 30. Jun. 2023

Bundesligaspiele: 0
Zweitligaspiele: 11
Drittligaspiele: 53
DFB-Pokal-Spiele: 1
Eredivisie-Sp iele: 32
Zweitligaspiele (AUT): 14

Bisherige Vereine: DJK Darching, SpVgg Unterhaching, Werder Bremen, Austria Klagenfurt (Ausleihe), PEC Zwolle (Ausleihe), Werder Bremen

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