Werder Bremen Wie Skripnik mit Kumpel Pizarro plant

Viktor Skripnik und Claudio Pizarro sind Freunde, beide verbindet eine besondere Beziehung. Als Trainer muss Skripnik nun den Spieler Pizarro coachen - es war allerdings sein ausdrücklicher Wunsch.
12.09.2015, 00:00
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Wie Skripnik mit Kumpel Pizarro plant
Von Marc Hagedorn

Zwei Stunden, so hatte Viktor Skripnik es kürzlich versprochen, zwei Stunden werde er sich für die Journalisten Zeit nehmen, um über Claudio Pizarro zu sprechen, wenn dieser denn tatsächlich wieder bei Werder angekommen sei. Als der Werder-Trainer vor inzwischen gut einer Woche erstmals auf Pizarro angesprochen worden war, da war eine Rückkehr des Altstars mehr frommer Wunsch und längst noch kein Fakt gewesen. Entsprechend genervt hatte Skripnik seinerzeit auf allzu bohrende Nachfragen reagiert.

Inzwischen ist Claudio Pizarro nun schon seit fünf Tagen wieder Bremer, und so eröffnete Skripnik die obligatorische Pressekonferenz vor einem Bundesligaspiel mit der Erneuerung seines Versprechens. Man könne ihn nun alles zu Pizarro fragen, sagte Skripnik, gab aber zu bedenken, „dass wir um 15 Uhr Training haben, und dann wäre ich gern auf dem Platz dabei.“

Zweieinhalb Stunden dauerte das Mediengespräch dann auch nicht. Exakt 43 Minuten waren es am Ende, und in gut 25 Minuten davon ging es um Pizarro. Die Bilanz: Viktor Skripnik hat einige Fragen, die die Werder-Fans beschäftigen, beantworten können. Etwa diese: Ist Pizarro am Sonntag in Hoffenheim im Kader? Skripnik: „Wenn er bis zur Abfahrt gesund bleibt, dann ist er im Kader.“

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Muss ein Stürmer – Anthony Ujah oder Aron Johannsson – nun zwangsläufig für Pizarro Platz machen? Die Antwort: Nein. Skripnik führte wortreich aus, dass Pizarro die „perfekte Ergänzung“ zum bisherigen Personal im Sturm sei. „Ich kann mir gut vorstellen, dass sogar alle drei zusammen auf dem Platz stehen“, sagte Skripnik. Das gilt noch nicht für Sonntag, aber perspektivisch schon. Pizarro wäre dann die Zehn hinter dem Angriffsduo Ujah/Johannsson. Andere Variante: „Vielleicht sitzen irgendwann auch mal zwei von ihnen auf der Bank, und es spielt nur einer.“ Skripniks Botschaft war klar: Werder braucht weiterhin jeden Stürmer, sollte das heißen, auch wenn Pizarro jetzt da ist.

Und was ist mit Pizarros Alter? Mit seiner Fitness? Skripnik hat wenig Zweifel an der Bundesliga-Tauglichkeit Pizarros, obwohl dieser bald 37 wird. „Mirko Votava hat mit 40 noch gespielt, Lothar Matthäus auch“, sagte Skripnik, „ich habe die große Hoffnung, dass es mit Piza auch so geht.“

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Wenn Skripnik über Pizarro spricht, das merkt man sehr schnell, dann redet da kein Trainer über seinen Spieler, sondern ein Freund über den anderen. Skripnik versucht auch gar nicht erst, dieses Thema wegzureden. Natürlich sind sie Freunde, die Mannschaftskameraden von einst. Selbst als Skripnik nicht mehr spielte, sondern schon in Werders Nachwuchsleistungszentrum arbeitete, haben sie sich regelmäßig getroffen. Und Pizarros Sohnemann hat oft in der Nähe gekickt, wenn Skripnik mit seinen Talenten auf dem Trainingsplatz stand. „Wenn wir vor der Mannschaft reden, dann ist das anders als unter vier Augen“, sagt Skripnik. Wenn der Trainer Viktor Skripnik also mit dem Spieler Claudio Pizarro zu tun hat, dann verhalten sie sich wie Profis. Und wenn die Arbeit getan ist, darf man auch privat sein. „Und ohne Lachen geht es mit ihm sowieso nicht“, sagt Skripnik.

Werders Cheftrainer wirkt sehr zufrieden mit den Entwicklungen der vergangenen Tage. Er hat sich gefreut, dass so viele Werder-Fans ihr Idol Pizarro Sonntagnacht am Flughafen begrüßt haben. Er hat erzählt, wie man seiner Frau kürzlich auf dem Osterdeich zugerufen habe: Pizarro ist da! Skripnik selbst hat im Übrigen einen großen Teil zur Rückholaktion beigetragen.

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Wer bisher glaubte, die Pizarro-Verpflichtung sei in erster Linie ein Marketing-Gag, den sich die Menschen aus der Geschäftsführung ausgedacht hatten, der weiß es jetzt besser. Man hat Skripnik den alternden Stürmer Pizarro nicht vorgesetzt. Das Trainerteam selbst wollte ihn unbedingt haben. Sagt Skripnik. „Wir haben uns zusammengesetzt und gesagt: Wir wollen eine erfahrene Ergänzung.“ Mit diesem Wunsch sei man an die Sportliche Leitung herangetreten. Diesen Wunsch hätten Thomas Eichin und Rouven Schröder „Gott sei Dank“ erfüllen können.

Alles andere, sprich eine Verpflichtung am Trainerteam vorbei, wäre mit ihm auch gar nicht zu machen gewesen, so Skripnik. „Das letzte Wort muss immer der Trainer haben“, sagte er am Freitag. Es war das einzige Mal, dass Viktor Skripnik an diesem Tag ganz ernst klang.

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