Eichins Personalplanungen Wie Werder am neuen Kader bastelt

Wenn es bei Werder nach Sportchef Thomas Eichin geht, dann müssen die Grün-Weißen an ihrer Mannschaft gar nicht so viel verändern. Dennoch werden viele Namen gehandelt - manche zu Recht, andere nicht.
13.05.2015, 00:00
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Wie Werder am neuen Kader bastelt
Von Marc Hagedorn

Thomas Eichin kennt die Namen natürlich alle, und Werders Geschäftsführer könnte zu jedem der Spieler ein Kurzreferat halten. Eichin weiß, dass Amir Abrashi bei den Grasshoppers Zürich die zentrale Figur im Mittelfeld ist. Dass Niklas Stark vom 1. FC Nürnberg als einer der hoffnungsvollsten Sechser in Deutschland gilt. Dass Jonathan Schmid vom SC Freiburg auf der rechten Seite von der Außenverteidigerposition über die Rolle im Mittelfeld bis hin zum Stürmerpart alles spielen kann. Und dass Pedro Leon vom FC Getafe in Spanien zu den besseren Rechtsaußen zählt, weiß Eichin auch.

Wenn Thomas Eichin Fußball-Manager bei einem der Computerspiele wäre, dann fiele es ihm leicht, eine Mannschaft nach seinen Vorstellungen zusammenzustellen. Eichin kann im wahren Leben Spieler aber nicht per Mausklick hin- und hertransferieren, sein Job ist da schon um einiges komplizierter. Klar ist: Eichin will mit Rouven Schröder und dem Trainerstab von Viktor Skripnik die aktuelle Mannschaft weiterentwickeln. Dafür werden Spielerverpflichtungen nötig sein.

Aber schon hier trifft man bei Werder auf erste Hürden. Wo spielt Werder nächste Saison eigentlich? In der Europa League oder nur in der Bundesliga? Eichin sagt: „Wenn man international spielt, dann ist die Tiefe des Kaders von großer Bedeutung. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Bundesligisten schnell abgestürzt sind, wenn dem Kader die Tiefe fehlte.“ Der SC Freiburg und der FSV Mainz 05 beispielsweise haben diese Erfahrungen gemacht.

Zwei Zugänge stehen schon fest

Die endgültige Entscheidung, ob Werder ab dem Sommer international spielt, fällt vermutlich erst in zwei Wochen nach dem 34. Spieltag, vielleicht auch noch eine Woche später nach dem DFB-Pokalfinale. Genauso lange dürfte es dauern, bis sich Top-Torjäger Franco Di Santo erklärt hat. Mehreren Klubs aus der Bundesliga (Dortmund, Schalke, Gladbach) sowie aus England (Everton, Stoke, Sunderland) ist in den vergangenen Wochen gesteigertes Interesse nachgesagt worden. Was also tun? Warten?

„Ich habe einige Dinge im Kopf, aber die werde ich öffentlich nicht kundtun“, sagt Eichin. Immerhin zwei Häkchen auf seiner To-Do-Liste kann er setzen: Einen neuen Torwart hat er verpflichtet, Felix Wiedwald kommt von Eintracht Frankfurt. Und ein Ersatz für Stürmer Davie Selke kommt auch: Anthony Ujah vom 1. FC Köln.

Klar ist, dass Di Santo im Falle eines Abgangs ersetzt werden müsste, aber dann beginnt schon Position für Position der Abwägungsprozess. Braucht Werder wirklich neue Außenverteidiger oder zumindest weitere Konkurrenz? Muss Werder im zentralen defensiven Mittelfeld und auf der Zehn tatsächlich etwas tun?

„Es ist bekannt, dass ich jede Position gern doppelt besetzt hätte“, sagt Eichin. Wie es aussieht, ist er diesem Ziel schon relativ nahe – und zwar mit dem vorhandenen Personal. Großartige Umbauarbeiten wird es im aktuellen Kader offenbar nicht geben, wenn man Eichins Einschätzung zu den einzelnen Positionen kennt, etwa zu den...

...Außenverteidigern: Bei Werder fällt die Bewertung auf den Positionen außen in der Viererkette (deutlich) positiver aus als bei vielen Fans und den Medien. Akuten Handlungsbedarf sieht man beim Klub nicht. Hinten links bilden der aktuell verletzte Santiago Garcia und Janek Sternberg ein aus Bremer Sicht absolut konkurrenzfähiges Duo. „Bei Santi darf man nicht vergessen, dass er die ganze Saison über Probleme mit dem Knie hatte“, sagt Eichin, „und bei Janek dürfen wir nicht vergessen, wo er herkommt.“ Sternberg, 22, war bis Oktober Regionalliga-Spieler. „Da war es doch klar, dass es Höhen und Tiefen geben würde“, sagt Eichin, „und auf dieser Grundlage hat er es richtig gut gemacht.“

Auch hinten rechts besteht kein großer Handlungsbedarf. Theodor Gebre Selassie spielt eine gute Saison, hat überdies bis 2018 verlängert. Hinter ihm lauern Marnon Busch und Luca Zander. Der eine 19 (Zander), der andere 20 (Busch), beide aus dem eigenen Internat. Bei Werder ist man gewillt, ihnen die Tür zur Bundesligamannschaft offen zu halten. Und für alle Fälle stünde Kapitän Clemens Fritz ja auch noch als Ersatz bereit.

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...über die Besetzung der Zehner-Position: Auch hier hält Eichin ein Plädoyer für diejenigen, die jetzt schon da sind. Levent Aycicek, Fin Bartels, Zlatko Junuzovic, Levin Öztunali – sie alle haben schon zentral hinter den Spitzen gespielt, allerdings nie so überzeugend, dass sie dauerhafte Lösungen wurden. „Trotzdem sind wir hier gut besetzt“, sagt Eichin, „schließlich haben wir mit diesen Spielern in dieser Saison so viele Punkte geholt, dass wir jetzt über die Europa League reden.“ Und selbst wenn man bei Werder den Zehner der Zukunft entdecken würde – dieser Spieler wäre mit Sicherheit nicht nur einer für Bremen. Und seinen Preis hätte er auch.

...über die Zukunft der eigenen Talente: Neben Zander und Busch gibt es andere Kandidaten, die an der Schwelle zur Bundesliga stehen. Einige wie Levent Aycicek sind schon einen Schritt weiter als andere wie Oliver Hüsing, Melvyn Lorenzen oder Maximilian Eggestein. Eine Rolle spielen auch sie in Eichins Überlegungen. „Wir können nicht immer nur sagen, dass wir junge Spieler entwickeln wollen, wir müssen es auch tun.“ Deshalb kann es gut möglich sein, dass etwa Oliver Hüsing hinter den etablierten Innenverteidigern Alejandro Galvez, Jannik Vestergaard und Assani Lukimya eine Zukunft in Bremen hat, zumal es sehr gut möglich ist, dass neben Sebastian Prödl auch Luca Caldirola Werder verlässt.

...über die geografische Ausrichtung der Transferaktivitäten: Per Tastendruck kann Thomas Eichin an seinem Computer in Sekundenschnelle statistische Daten und Videos mit Spielszenen von allen möglichen Profis abrufen – aus Deutschland, Europa, ja sogar weltweit. Wyscout heißt das System. Werder konzentriert sich aber trotz all der technischen Möglichkeiten vor allem auf den deutschen Markt, und hier besonders auf die erste und zweite Liga. Fin Bartels, Neuzugang im vergangenen Sommer, Koen Casteels, Jannik Vestergaard und Levin Öztunali im Winter, demnächst Wiedwald und Ujah – sie alle kennen Deutschland und die Bundesliga.

Eichin sondiert auch den "Sechser-Markt"

Das heißt aber nicht, dass Eichin Transfers aus dem Ausland kategorisch ausschließt. Wenn alles zu 100 Prozent passt, so sagt Werders oberster Kaderplaner gern, dann schlage man natürlich zu. Dann aber lieber im europäischen Ausland als in Südamerika, was einen Transfer zum Beispiel von Claudio Winck von Internacional Porto Alegre ausschließt. Der Verteidiger war zuletzt auch als ein Kandidat für Werder gehandelt worden.

Man weiß in Bremen sehr genau um die Risiken und Unberechenbarkeiten solcher Transfers. Werder hat gute Geschäfte gemacht, etwa mit Alejandro Galvez oder Franco Di Santo. Aber selbst Top-Torjäger Di Santo hat Anlaufzeit gebraucht, so wie es jetzt bei Izet Hajrovic der Fall ist. Deshalb ist es kein Wunder, dass Werder so sehr mit Spielern in Zusammenhang gebracht wird, die aus Deutschland kommen oder bereits länger hier spielen. Wie etwa Jonathan Schmid, wobei nach Informationen des WESER-KURIER ein Schmid-Wechsel zu Werder ausgeschlossen werden kann.

Ebenfalls kein Thema mehr ist Julian Baumgartlinger. Der defensive Mittelfeldspieler hat erklärt, seinen auslaufenden Vertrag bei Mainz 05 verlängern zu wollen, da seine Rolle mit dem absehbaren Weggang von Johannes Geis in Mainz weiter wachsen wird. Im Moment hat Werder drei Sechser: Philipp Bargfrede (Vertrag bis 2017), Felix Kroos (bis 2017), Cedric Makiadi (bis 2016) – und außerdem auch den Markt sehr genau im Blick.

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