Heimspiele

Wie Werder auf das 2G-Konzept wechselt

Werder Bremen will das 2G-Konzept nutzen, bald soll es wieder ein volles Weserstadion geben. Wir erklären, wie das funktionieren soll.
22.09.2021, 20:55
Lesedauer: 4 Min
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Von csa

Es ist beschlossene Sache: Werder Bremen führt bei Heimspielen das 2G-Konzept ein und kann fortan wieder mit einer vollen Auslastung des Weserstadions kalkulieren. Nachdem der Bremer Senat mit einer entsprechenden Änderung der Corona-Verordnungslage den Weg für Großveranstaltungen unter 2G-Bedingungen frei gemacht hat, entschied der Fußball-Zweitligist am Mittwoch, „dass wir diese Chance nutzen wollen“, so Geschäftsführer Hubertus Hess-Grunewald. Vorausgegangen war ein Treffen der Geschäftsführer Klaus Filbry und Hess-Grunewald mit Innensenator Ulrich Mäurer sowie weiteren Vertretern der Bremer Politik. Dabei wurden die Rahmenbedingungen abgeklärt.

Wirtschaftlich ist 2G für Werder ein Segen, doch nicht jeder Fan wird darüber glücklich sein. Denn wer nicht geimpft oder genesen ist, für den ist vorerst ein Stadionerlebnis nicht möglich. Es gibt nur wenige Ausnahmen. Welche das sind und was sonst wichtig ist rund um das Thema 2G im Weserstadion, erklärt unsere Deichstube.

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Ab wann gilt 2G?

Schon im kommenden Heimspiel gegen den 1. FC Heidenheim am 1. Oktober macht Werder von den neuen Möglichkeiten Gebrauch. Allerdings werden dann noch nicht alle 42.100 Tickets ausgegeben werden müssen, sondern vermutlich nur 30.000. Grund: Der Spieltermin am Freitagabend und die nur kleine Zahl anreisender Gäste-Fans lassen nicht auf einen Mega-Besuch hoffen. So kann die Partie noch als Testlauf genutzt werden. Das nächste Heimspiel folgt dann erst am 30. Oktober gegen den FC St. Pauli. „Dann erwarten wir erstmals wieder ein volles Haus“, sagt Hubertus Hess-Grunewald.

Wird es im Stadion extra ausgewiesene „3G“-Bereiche geben?

Nein, solche Bereiche einzurichten, war zunächst zwar geplant, wird aber nicht umgesetzt. Von Werder wird ein konsequentes Vorgehen erwartet. Der Senat wünsche klare Trennungen und keine Vermischung von geimpften und nicht-geimpften Personen an den Stadiontoren, so Hess-Grunewald. Das ist schlecht für alle ohne Covid-19-Impfung oder ohne Genesenen-Zertifikat und trennt de facto Fans von Fans. Ausnahmen: Personen, die ein Attest vorlegen können, dass sie aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können, sowie Schwangere und Minderjährige kommen auch mit einem negativen Testergebnis ins Stadion – auf die normalen Plätze. „Es gibt keinen Extra-Block“, sagt Hess-Grunewald und bekräftigt: „Familien mit Kindern sollen auch zusammensitzen können. Wir wollen da niemanden trennen.“

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Was ändert sich jetzt beim Ticketkauf?

2G-Nachweis schon beim Ticketkauf? Und das auch online? Oder nur am Stadion-Einlass? Noch hat Werder darauf keine Antworten, wird aber zeitnah welche liefern, sagt Mediendirektor Michael Rudolph. Geklärt werden muss auch noch, wie Lösungen mit Dauerkarten-Inhabern ohne Impfung oder Genesenen-Zertifikat, die nun keinen Zutritt mehr zum Stadion haben, aussehen können. Es ist ein Punkt mit Konfliktpotenzial.

Gibt es wieder Stehplätze?

Ja! Sie sind zurück. Der Unterrang der Ostkurve wird schon gegen Heidenheim wieder in eine reine Stehplatz-Area zurückverwandelt. Während der vergangenen vier Heimspiele waren im Stadion nur Sitzplätze erlaubt.

Kehren jetzt auch die Ultras zurück?

Darüber lässt sich vorerst nur spekulieren. Die aktive Fan-Szene ist in der laufenden Saison wegen der Freigabe von nur 50 Prozent der Plätze den Spielen fern geblieben. Es galt das Motto: Alle oder keiner.  Hess-Grunewald erwartet die Ultras jetzt aber zurück: „Ich gehe davon aus, dass sich die aktive Fan-Szene wieder einfinden wird – was wir sehr begrüßen würden.“

Muss auch das Stadion-Personal den 2G-Status erfüllen?

Es ist ein heikles Thema. Denn Arbeitgeber dürfen nicht abfragen, ob der Arbeitnehmer geimpft oder genesen ist. Wie also überprüfen, ob das Service- und Securitypersonal, das überwiegend bei Subunternehmern und nicht bei Werder direkt angestellt ist, die 2G-Voraussetzungen erfüllt? Es ist nicht möglich! Deshalb gilt für die rund 1500 Personen, die bei einem Heimspiel in Bremen im Arbeitseinsatz sind, eine Sonderregelung. Sie dürfen auch mit einem tagesaktuellen Corona-Test arbeiten. Diese Ausnahme steht zwar im Widerspruch zum Zuschauer-Konzept und ist deshalb diskutabel, aber Hess-Grunewald sieht in ihr eine „pragmatische Lösung, die wichtig ist, weil uns signalisiert wurde, dass andernfalls die gesamte Gastro-Branche bei Großveranstaltungen Mühe hat, ausreichend Personal zu finden.“ Die Umsetzung der neuen Möglichkeiten, da seien sich Politik und Club einig gewesen, „soll daran nicht scheitern“.

Was ist mit nicht-geimpften Spielern und Trainern?

Verlässliche Zahlen liegen nicht vor, aber immer noch gibt es bei Werder und sicherlich auch bei anderen Zweitligisten Spieler, Trainer und Mitarbeiter, die weder genesen noch geimpft sind. Spielen dürfen sie trotzdem. Das bislang gültige DFL-Konzept mit bestimmten Zonen in den Stadien und einer engmaschigen Testung aller Teams behält Bestand. „Das hat ja auch bisher gut funktioniert“, meint Hess-Grunewald.

Muss trotz „2G“ im Stadion noch eine Maske getragen werden?

Das ist eine noch unbeantwortete Frage im Hygienekonzept. „Es müssen noch Details abgestimmt werden“, sagt Hess-Grunewald. Maximal wird es auf dem Weg zu den Plätzen sowie zu den Verkaufsständen und Toiletten eine Maskenpflicht geben. Klar ist aber: Das zuletzt eingeführte Farbleitsystem, das die Besucher zu ihren Eingängen führte, wird wieder abgeschafft.

Wie sehr hilft Werder die volle Stadionauslastung?

Enorm. Die Bremer hatten kalkuliert, die Hinrunden-Heimspiele in einem nur zur Hälfte gefüllten Stadion absolvieren zu müssen. Frühestens in der Rückrunde rechneten sie wieder mit vollen Rängen. Auf dieser Basis hatte Klaus Filbry für die laufende Saison ein wirtschaftliches Plus von einer Million Euro prognostiziert. Nun kann Werder vier Heimspiele früher zur normalen Auslastung zurückkehren. Das beschert dem Club gegenüber der Schätzung ein Einnahmeplus von etwa zwei Millionen Euro.

Wie lange hat die neue Regelung Bestand?

Solange nicht die Corona-Warnstufe drei (Hospitalisierungsrate höher als zwölf) erreicht wird, kann Werder mit einer normalen Stadionauslastung planen und auch alle 27.000 Dauerkarteninhaber bedienen.

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