Werder-Keeper Wiedwald: "Warum soll ich nicht im Tor bleiben?"

Am Sonnabend gelang auch Felix Wiedwald mal das, was ihm im Werder-Trikot noch nicht oft gelungen ist: Im Tor zu einer Art Matchwinner zu werden.
19.02.2017, 13:53
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Wiedwald:
Von Nikolai Fritzsche

Es gibt Tage, an denen passt einfach mal alles zusammen. So ein Tag war der Sonnabend für Werder, sowohl vorne als auch hinten.

Am Sonnabend gelang auch Felix Wiedwald mal das, was ihm im Werder-Trikot noch nicht oft gelungen ist: im Tor zu einer Art Matchwinner zu werden. „Endlich mal ein erfolgreicher Tag für die Mannschaft und für mich“, sagte Wiedwald nach einem Spiel, in dem er mehrere Bälle von der richtig schwierigen Sorte gehalten hatte. Solche, bei denen man ihm hinterher keinen Vorwurf hätte machen können, wenn er sie nicht pariert hätte. Solche, wie er sie in seiner Zeit bei Werder oft nicht pariert hat. An diesem Tag aber konnte man Wiedwald beinahe uneingeschränkt loben. Robert Bauer tat das am Sonntag so: „Wir haben gemerkt: Egal, was aufs Tor kommt, es geht nicht rein.“

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"Warum soll ich nicht im Tor bleiben?"

Das stimmte nicht ganz, schließlich war der Ball in der Nachspielzeit doch reingegangen, und Wiedwald dafür mitverantwortlich gewesen. Als das Spiel fast schon vorbei war, war dem bis dahin starken Torwart doch noch eine Unsicherheit unterlaufen: Er hatte einen Schuss von André Ramalho nur abklatschen lassen und dadurch für Jhon Cordoba aufgelegt. Wiedwald war geschlagen – und beendete das Spiel trotzdem ohne Gegentreffer, weil der Linienrichter auf Abseits entschied. Wiedwald gab hinterher offen zu, dass er nicht wusste, dass Cordoba im Abseits stand. „Heute war das Glück auf meiner Seite“, sagte er. Das Glück, dass der einzige Fehler, den er an diesem Tag machte, keine Folgen für Werder hatte.

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In den neunzig Minuten zuvor hatte Wiedwald eine nicht nur tadellose, sondern herausragende Leistung gezeigt, so dass Alexander Nouri ihn am Freitag in Wolfsburg wohl kaum wieder auf die Bank setzen wird. So sah es auch Wiedwald selbst: „Ich habe heute ein gutes Spiel gemacht und mir in den Spielen zuvor nichts zuschulden kommen lassen. Warum soll ich nicht im Tor bleiben?“ Offiziell will der Trainer es sich freilich wieder bis zum Ende der Trainingswoche offenhalten, ob Wiedwald auch im Spiel beim VfL Wolfsburg zwischen den Pfosten stehen wird, oder ob sein Konkurrent Jaroslav Drobny ins Tor zurückkehrt.

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Für Wiedwald spricht nicht nur seine Leistung an sich, sondern auch die Umstände, unter denen er sie gezeigt hat. Schließlich kann der 26-Jährige in dieser Saison nie sicher sein, woran er ist. Auch in Mainz wusste man nicht: Durfte Wiedwald spielen, weil seine Leistungen in den drei Spielen, in denen Drobny gesperrt war, dem Trainerteam gefallen hatten? Oder durfte er nur spielen, weil Drobny noch nicht wieder ganz fit war? Wiedwald selbst sagte: „Ich habe hier schon so viel durchgemacht: rein ins Tor, wieder raus, dann wieder rein. Das lasse ich nicht an mich rankommen.“

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Wiedwald hat das schon oft so gesagt. Selbst wenn die Diskussion um seine Person ihn belastete, würde er es wohl kaum öffentlich kundtun. Der Unterschied zu anderen Spielen ist: Nach seinem Auftritt in Mainz gab es nicht den geringsten Grund, daran zu zweifeln, dass es Wiedwald tatsächlich gelungen war, zumindest für die Dauer des Spiels alles auszublenden, was nicht mit dem Spiel selbst zu tun hatte. Robert Bauer drückte es so aus: „Wiedi hat sich in einen Rausch gespielt.“ Wenn das dem Torwart in Zukunft öfter gelingt, steigen die Chancen, dass er zum Ende der Saison noch einmal das wird, was er am Anfang der Saison war: Werders Nummer eins.

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