Werder Bremen Wiese nach Roter Karte einsichtig

Nürnberg. Nach seinem Platzverweis beim 1. FC Nürnberg zeigt sich Tim Wiese selbstkritisch. Der Werder-Keeper hat sich bei seinen Teamkollegen entschuldigt, doch kann er seinem schlimmen Patzer auch etwas Positives abgewinnen.
18.09.2011, 12:23
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Nürnberg. Als kurz vor der Halbzeitpause der gewaltige Hagelschauer auf das Easy-Credit-Stadion in Nürnberg niederging, stand Tim Wiese schon frisch geduscht im Trockenen. Der Keeper hatte nach seinem schweren Fehler nach 17 Minuten die Rote Karte gesehen und damit - neben dem Regen - eine der Hauptgeschichten des 1:1-Unentschieden geschrieben.

Denn so unstrittig sein Platzverweis war (Allofs: "Das war eine klare Notbremse"), er löste doch eine Diskussion über die korrekte Regelauslegung aus. Denn unmittelbar nachdem der 29-Jährige 30 Meter vor seinem Tor Gegenspieler Christian Eigler umgerissen hatte, pfiff Schiedsrichter Jochen Drees die Szene ab. Und nahm Nürnberg damit einen klaren Vorteil: Das anschließende Tor von Markus Feulner wurde nicht anerkannt. Sehr zum Ärger der Gastgeber.

"Natürlich habe ich gehofft, er lässt den Vorteil laufen, das wäre das 1:0 gewesen. Das hätte das Spiel einfacher für uns gemacht", sagte Nürnbergs Trainer Dieter Hecking nach dem Spiel. Und selbst Klaus Allofs stimmte da zu. "Das hätte ich wahrscheinlich auch gesagt, wenn ich Nürnberger wäre", sagte der Werder-Sportdirektor, der wusste, dass Werder in dieser Situation Glück hatte.

Trainer Thomas Schaaf wollte die Schlüsselszene nicht kommentieren, nahm aber seinen Keeper in die Kritik: "Er hat uns geschwächt und in eine schlechte Situation gebracht". Der Kritisierte zeigte sich anschließend einsichtig und kleinlaut. Wiese entschuldigte sich noch in der Kabine bei den Teamkollegen für seinen völlig unnötigen Fehler. Die Konsequenz der Aktion ist nun eine Sperre. "Er wird uns jetzt ein Spiel fehlen", sagt Klaus Allofs wohl auch als Bitte in Richtung DFB-Sportgericht.

Der Werder-Boss hofft auf die Mindeststrafe, doch könnte Wiese als "Wiederholungstäter" auch ein höheres Strafmaß erwarten. Im Vergleich zur vergangenen Saison, als Wiese den Münchner Thomas Müller umgemäht hatte, war sein Zupfer diesmal harmlos. Zum dritten Mal musste Wiese in der Bundesliga vorzeitig vom Feld.

Am Sonnabend in einer Talkrunde des TV-Senders "Sky" sprach dann auch Wiese über seinen Patzer: "Ich wollte irgendwas versuchen, der Platz war nass und der Ball ist mir dann unten weggerutscht. Wenn du Torwart bist und damit der letzte Mann, darfst du dir so einen Fehler nicht erlauben." Es gehöre aber nun mal zum "Torwart-Business", Entscheidungen zu treffen und Risiko zu gehen, so Wiese weiter. Weil am Ende dann zumindest ein Punkt und die zwischenzeitliche Tabellenführung heraussprang, konnte er der Situation sogar noch etwas Positives abgewinnen: "Das gute an der Szene war, dass es ein kleiner Weckruf war für die Truppe. Weil wir erst danach angefangen haben, richtig gut Fußball zu spielen und super zu verteidigen. Das haben wir in den ersten Minuten vermissen lassen."

Eine gute Partie absolvierte auch Sebastian Mielitz. Der Ersatzkeeper zeigte nach seiner spontanen Hereinnahme mit einer fehlerfreien und sehr sicheren Leistung, dass sich Werder auf ihn verlassen kann. Und das wird auch - mindestens im kommenden Heimspiel am Sonntag gegen Hertha BSC Berlin (17.30 Uhr bei uns im Liveticker) - erneut der Fall sein. (bb/dapd)

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