Großer Umbruch bei Werder

Willi Lemke im Interview

Bremen. Der Transfersommer ist gelaufen. Er brachte für die Fußballfirma Werder Bremen eine Umwälzung mit sich, die selten zuvor größer war. Wie bewertet man im Aufsichtsrat den großen Umbruch?
04.09.2012, 05:00
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Willi Lemke im Interview

Viel Qualität für wenig Geld – das ist eine Transferpolitik nach dem Geschmack des Aufsichtsrates Willi Lemke.

Frank Thomas Koch

Bremen. Der Transfersommer ist gelaufen. Er brachte für die Fußballfirma Werder Bremen eine Umwälzung mit sich, die selten zuvor größer war. Wie bewertet man im Aufsichtsrat den großen Umbruch? Im vergangenen Jahr hatte ein Streit um das Budget das Kontrollgremium und die Geschäftsführung des Klubs beinahe entzweit. Olaf Dorow sprach mit Willi Lemke, dem Chef des Werder-Aufsichtsrats.

Werder hat in diesem Sommer kräftig gespart. War das eine Transferphase nach dem Geschmack des Aufsichtsrats?

Lemke: Also, die bisherigen Erkenntnisse sind – zum jetzigen Zeitpunkt, wie ich betonen möchte – für uns alle bei Werder Bremen erfreulich. Nicht nur für den Aufsichtsrat.

Warum?

Weil offensichtlich für relativ wenig Geld gute Qualität eingekauft wurde.

Nach unseren Informationen hat Werder zehn Millionen Euro im Personaletat eingespart. Die Ligakonkurrenz gab so viel Geld wie noch nie aus. Wird Ihnen da mulmig?

Zu konkreten Zahlen kann ich Ihnen keine Auskunft erteilen. Aber es war schon immer Politik des SV Werder gewesen, mit wenig Geld die höchstmögliche Leistung zu erzielen. Von daher ist mir nicht bange. Es gibt doch genug Beispiele dafür in der Werder-Geschichte. Sind Sie an Beispielen interessiert?

Natürlich, nur zu.

1982 haben wir versucht, Dieter Schatzschneider zu bekommen. Das ist uns nicht gelungen. Wir haben dann jemand verpflichtet, der nur die zweite Wahl war: Rudi Völler. Von Schatzschneiders Erfolgen spricht heute keiner mehr, von Völlers schon.

Ist das nun also wieder so? Werder hat sich in der Transferpolitik auf seine alten Tugenden besonnen?

Besinnen müssen. Für mich ist das keine schlechte Entwicklung.

Weil Werder wieder so vorgeht wie einst der schlaue Manager Lemke?

Die Frage gefällt mir überhaupt nicht. Darum geht es nicht, hier meine Person zu überhöhen. Überhaupt nicht. Damals war, wie Sie wissen, Otto Rehhagel derjenige, der die Ansagen gemacht hat. Nein, es geht mir darum zu verdeutlichen: Das war schon immer die Werder-Kultur, nach der auch Klaus Allofs gehandelt hat.

Sehen Sie Risiken und Nebenwirkungen in dem neuen Sparkurs?

Jeder hat Bedenken, wenn ein Umbruch so konsequent umgesetzt wird. Darum müssen wir alle im Verein jetzt besonders zusammenstehen. Wir können nicht davon ausgehen, dass alles von jetzt auf gleich klappt. Aber da zeichnet sich etwas ab, was wieder auf Größeres hoffen lässt, auch wenn ich hier nicht gleich von der Champions League reden will. Ich wurde von vielen angesprochen nach dem Sieg gegen den HSV. Das war wieder eine Mannschaft, haben die Leute gesagt. Sie hat uns begeistert in den ersten beiden Bundesliga-Spielen.

Wie begeistert war man denn im Aufsichtsrat von der Pokalpleite in Münster?

Zum zweiten Mal in Folge in Runde eins auszuscheiden, war bitter. Wir sind ja eigentlich die Pokalmannschaft der Bundesliga. Das Schlimmste ist: Bei jeder Pokalauslosung ärgert man sich noch einmal schwarz und verliert sogar das Interesse, wer gegen wen spielt. Wir haben aber nach Münster auch gesagt: Das war jetzt keine Niederlage, die katastrophal war. Es waren individuelle Fehler und keine unterirdische Leistung der Mannschaft.

Aber es gab doch auch finanzielle Nachbeben? Klaus Allofs hat einen überschaubar teuren Transfer (des Stürmers Akpala, d. Red.) infrage gestellt.

Die finanzielle Situation ist mit der des Vorjahres überhaupt nicht vergleichbar. Damals sind Einnahmen in zweistelliger Millionenhöhe aus der Champions League weggebrochen. Da reden wir jetzt über andere Beträge.

Auf der Jahreshauptversammlung im Herbst werden aber rote Zahlen verkündet werden.

Das hat ja die Geschäftsführung bereits vor einem Jahr angekündigt: Die Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr (Juli 2011 - Juni 2012, d. Red.) werden deutlich im roten Bereich liegen. Aber aufgrund einer klugen Haushaltspolitik können wir das verkraften, ohne Schaden zu nehmen.

Ist der große Umbruch bei Lichte besehen gar nicht so sehr eine Sache des Nachwuchses? Leistungsträger sind Fritz oder Hunt, die Alten sozusagen. Oder teure Spieler wie Arnautovic und Elia. Oder ausgeliehene wie De Bruyne oder Petersen.

Es kommt immer auf die Mischung an. Der Ansatz ist genau auf der Werder-Linie. Auch Rehhagel hatte seine Kosteddes oder Burgsmüllers und dazu den jungen Bengel Thomas Schaaf. Der hat uns auch sehr geholfen damals. Der hat uns schon 40 Jahre lang geholfen.

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