Kevin Möhwald im WESER-KURIER-Interview

„Wir haben einfach nur Bock auf das Spiel“

Kevin Möhwald spricht im Interview mit dem WESER-KURIER über das wichtige Spiel gegen Augsburg, seine gestiegenen Chancen auf die Startelf und seine wichtige Rolle bei der Integration Yuya Osakos.
01.09.2019, 06:55
Lesedauer: 5 Min
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„Wir haben einfach nur Bock auf das Spiel“
Von Christoph Bähr
„Wir haben einfach nur Bock auf das Spiel“
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Herr Möhwald, bei der jüngsten Niederlage gegen Hoffenheim standen Sie unfreiwillig im Fokus. Sie begingen ein Foul, bekamen dabei einen Schlag ins Gesicht und blieben erst einmal stehen. Das Spiel lief trotzdem sofort weiter, sodass Hoffenheim das 2:1 erzielen konnte. Haben Sie über diese Szene noch viel nachgedacht?

Kevin Möhwald: Nein. Wir haben das besprochen. In der Situation hätten wir cleverer sein müssen, da hätte sich beispielsweise jemand mal kurz vor den Ball stellen können. Dazu kommt natürlich, dass der Schiedsrichter in einer ähnlichen Situation davor das Spiel unterbrochen hat. Wenn ich einen Schlag ins Gesicht bekomme, muss ich erst einmal schauen, was los ist. Der Schiedsrichter hat mich in dem Moment noch gefragt, ob alles in Ordnung ist. Ich habe „Stop“ gerufen, aber er hat nicht darauf reagiert. Das kann man jetzt nicht mehr ändern, deshalb hat mich das auch nicht länger beschäftigt.

Diese Situation steht sinnbildlich für viele andere Aktionen in den ersten beiden Bundesliga-Spielen, die nicht zu Werders Gunsten liefen. Hat die Mannschaft eine Pechsträhne?

Abseits des Platzes haben wir gerade wirklich sehr viel Pech. Verletzungen gehören zum Fußball dazu, aber dass es uns in dieser Fülle trifft, ist bitter für die einzelnen verletzten Spieler und für uns als Mannschaft. Auf dem Platz hatte es nicht nur mit Pech zu tun. Es gab einerseits schon unglückliche Szenen, andererseits haben wir viele einfache Sachen falsch gemacht. Da sind wir selbstkritisch genug und haben hoffentlich die richtigen Lehren daraus gezogen.

Welche Fehler meinen Sie genau?

Uns haben kleine Dinge gefehlt. Es geht darum, eine Chance mehr reinzumachen oder in dem einen Moment wacher zu sein. Das wollen wir gegen Augsburg ändern. Wir haben einfach nur Bock auf dieses Heimspiel. Die Stimmung in der Mannschaft ist immer noch positiv.

Ist ein Sieg gegen Augsburg Pflicht, damit die Stimmung in der Mannschaft und im Umfeld nicht kippt?

Wir haben hohe Ansprüche an uns selbst. Für Sonntag gibt es daher nur ein Ziel, und das lautet: Sieg. Unsere Fans haben ein sehr gutes Gespür für solche Situationen. Uns wird am Sonntag eine besondere Stimmung erwarten. Ich erinnere mich noch gut an unser Heimspiel gegen Düsseldorf in der vergangenen Saison. Davor hatten wir fünf Spiele am Stück nicht gewonnen, und dann herrschte eine Riesenstimmung. Nur so kann man diese schwierigen Phasen überwinden, die einfach zum Fußball dazugehören.

Um zu gewinnen, darf Werder nicht mehr so viele Gegentore nach gegnerischen Standardsituationen kassieren. Wie hat die Mannschaft an diesem Problem gearbeitet?

Es war ja nicht so, dass wir die Laufwege der Gegenspieler oder die gegnerischen Varianten nicht kannten. Wir waren auf alles vorbereitet, Standards gehören bei uns in jeder Woche zu den Trainingsinhalten, aber solch eine Wettkampfsituation kann man eben nicht trainieren. Bei den Standards geht es um individuelle Dinge, um kleine Fehler, die wir abstellen müssen. Dabei sind Konzentration und Kommunikation wichtig. Normalerweise sind Standards relativ einfach zu verteidigen. Dass wir jetzt in zwei Spielen drei Standardgegentore kassiert haben, durfte nicht passieren. Das wollen wir abstellen.

Wir haben schon über die vielen Verletzten gesprochen. Für Sie haben sich dadurch die Aussichten auf einen Startelfeinsatz verbessert. Ist die Verletztenmisere Ihre große Chance?

Ich habe auch dann eine Chance, wenn alle fit sind. Ich hoffe nicht, dass jemand ausfällt, nur damit ich von Anfang an spiele. So denkt keiner bei uns im Team. Wir sind eine Mannschaft, und es geht momentan nicht um einzelne Spieler. Wenn ich gebraucht werde, gebe ich Vollgas für die Mannschaft. Dabei ist es egal, ob ich von Anfang an spiele, nach 17 Minuten reinkomme wie gegen Hoffenheim oder erst nach 70 Minuten eingewechselt werde. Wir müssen schauen, welche Aufstellung gegen Augsburg am besten passt. Natürlich will jeder spielen, ich auch. Ich bin dafür verantwortlich, mich dem Trainer anzubieten, damit ich immer ein Startelfkandidat bin. Und ich glaube schon, dass er sich jede Woche darüber Gedanken macht. Damit bin ich schon einen Schritt weiter als vergangene Saison.

Könnten Sie eigentlich auch auf der Sechser-Position spielen oder sind Sie auf die Achter-Position festgelegt?

Ich bin da nicht festgelegt und bin im Zentrum auf jeder Position einsetzbar. In der vergangenen Saison musste ich im Defensivverhalten noch zulegen. Daran habe ich gearbeitet. Der Trainer hat mir immer wieder verdeutlicht, wie wichtig es ist, defensiv mitzuarbeiten.

Für Sie spricht am Sonntag, dass Sie in der vergangenen Spielzeit beim 4:0-Heimsieg gegen Augsburg ein Tor geschossen haben.

Auswärts habe ich gegen Augsburg mein Bundesliga-Debüt gefeiert, im Heimspiel habe ich dann getroffen. Das sind schöne Erinnerungen. Natürlich bringt mir das alles nichts im Spiel am Sonntag, da geht es wieder von null los. Trotzdem hat man irgendwie ein gutes Gefühl, wenn es gegen solch einen Gegner geht.

Kurz vor dem Augsburg-Spiel hat Werder mit Michael Lang noch einen neuen Rechtsverteidiger verpflichtet. Sind Sie froh, dass die Personalnot in der Abwehr jetzt nicht mehr ganz so groß ist?

Klar, wir haben jetzt wieder mehr Möglichkeiten in der Verteidigung. Kaum eine Mannschaft kann es auffangen, wenn so viele Abwehrspieler auf einmal ausfallen. Wir sind sehr froh, dass Michael da ist. Er hat reichlich Erfahrung, hat in Gladbach eine gute Hinrunde gespielt und kann uns helfen.

Als weiterer Zugang wird Nabil Bentaleb gehandelt. Ob er noch kommt, ist ungewiss. Er wäre aber ein zusätzlicher Konkurrent für Sie im Mittelfeld. Mit welchen Gefühlen verfolgen Sie die Personalie Bentaleb?

Solange ein Spieler noch nicht da ist, beschäftige ich mich auch nicht mit ihm. Wir müssen uns auf unsere Aufgaben konzentrieren. Was ich sagen kann: Jeder Spieler mit Qualität, der uns weiterhilft, ist herzlich willkommen. Ich sehe das also komplett gelassen.

Während der Saisonvorbereitung hat Trainer Florian Kohfeldt Sie für die Trainingsleistungen gelobt, aber auch dafür, dass Sie bei der Integration von Yuya Osako sehr wichtig waren. Welche Rolle haben Sie dabei gespielt?

Yuya ist ein stiller, aber sehr lustiger Typ. Er ist vor einem Jahr auch neu zu Werder gekommen. Neue Spieler haben oft einen besonderen Draht zueinander, weil sie sich öfter austauschen. Mit Yuya komme ich sehr gut klar, habe immer Spaß mit ihm. Wenn ich bei seiner Integration geholfen habe, bin ich sehr zufrieden. Man sieht auf dem Platz, dass er sich momentan sehr wohl fühlt und ein unglaublich guter Spieler ist.

Sprechen Sie Japanisch?

Nein, wir verständigen uns auf Deutsch. Yuya ist ja schon lange in Deutschland und spricht sehr gut Deutsch. Er versucht auch immer, mir ein paar japanische Wörter beizubringen, aber ich bin nicht das große Sprachtalent.

Wirklich nicht? Im Werder-Mitgliedermagazin steht, dass Sie später gerne als Moderator arbeiten würden. Ist das Kommunizieren nicht eines Ihrer großen Talente?

Viele sehen es nicht als Talent an, dass ich den ganzen Tag rede. (lacht) Die Frage im Magazin musste ich beantworten. Früher hat mir mal ein Trainer gesagt, ich solle Moderator werden, falls es mit dem Fußball nichts wird. Deswegen habe ich das aufgeschrieben, aber es ist nicht unbedingt mein Ziel, irgendwann als Moderator zu arbeiten.

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