Gladbachs Julian Korb im Interview "Wir haben uns überrumpeln lassen"

Mönchengladbachs Rechtsverteidiger Julian Korb spricht im Interview über die Niederlagen gegen Werder in dieser Saison und über die bemerkswerte Moral der Grün-Weißen.
05.02.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Olaf Dorow

Mönchengladbachs Rechtsverteidiger Julian Korb spricht im Interview über die Niederlagen gegen Werder in dieser Saison und über die bemerkswerte Moral der Grün-Weißen.

Die Bremer kommen. Können Sie sich überhaupt drauf freuen?

Julian Korb: Ich freue mich auf jedes Bundesligaspiel. Egal, wer kommt. Gegen Werder haben wir halt etwas gutzumachen. Wir haben ja zweimal verloren gegen Bremen in dieser Saison.

Kennen Sie den Spruch: Dreimal ist Bremer Recht?

Nein. Den kenne ich nicht. Was heißt das?

Er bedeutet quasi, dass den Bremern noch ein dritter Erfolg zusteht.

Klar, kann ich mir vorstellen, dass die ein drittes Mal gewinnen wollen. Aber wir wollen ja auch gewinnen. Also kann man sich auf ein sehr spannendes Spiel freuen.

Spuken die beiden letzten Gladbacher Niederlagen noch ganz schön im Kopf herum?

In den Tagen vor dem Spiel, da wird das schon noch mal präsent. Journalisten befragen einen: Ihr habt zweimal verloren, jetzt ein drittes Mal? Ich weiß aber ja selbst, dass jetzt eben die Mannschaft kommt, gegen die wir auch im Dezember verloren haben.

Wie läuft da die Vorbereitung aufs nächste Mal? Steht es auf dem Index, die zwei Niederlagen anzusprechen?

Nein, wir verwenden das Spiel schon in der Videoanalyse. Wir bereiten uns so vor, wie auf jedes andere Bundesligaspiel auch. Wir wissen, dass ein sehr, sehr starker Gegner auf uns zukommt. Er wird mit einer großen Moral ausgestattet sein. . .

. . . wegen der geglückten Aufholjagd beim 3:3 gegen Hertha BSC?

Das war stark, wie sie zurückgekommen sind. Und wir hatten damals im Pokalspiel ja auch schon 1:0 geführt. Da kommt ein mental starkes Team auf uns zu. Es ist insgesamt gut aufgestellt. Auch wenn es in der Tabelle nicht so gut dasteht im Moment: Das ist eine gute Mischung in Bremen zwischen jung und alt. Wie schwer es gegen die ist, haben wir ja nun schon erfahren müssen.

Wie war das beim 3:4 im Dezember? Sie waren Favorit und sind in Führung gegangen. Waren Sie ein Stück weit überrascht von dem, was dann passierte?

Ja, vielleicht. Wir sind aus der Kabine gekommen und wollten aufs zweite Tor spielen. Wir bekommen stattdessen ein unnötiges Gegentor. Das gilt es abzustellen diesmal. Wir müssen das besser verteidigen.

Und vor allem auf Pizarro aufpassen?

Das Alter scheint bei ihm nur so eine Zahl zu sein, er macht trotzdem seine Hütten. Dazu gibt’s den Ujah, der auch sehr torgefährlich ist. Und ein paar gute junge Spieler hat Werder auch. Wir sind gewarnt.

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Liegt Werder Ihnen einfach nicht?

Das würde ich nicht so sagen. In der vorigen Saison haben wir ja zweimal gewonnen. Bundesligaspiele sind meistens sehr knapp. Von den Bayern-Spielen vielleicht mal abgesehen, kann da jeder jeden schlagen. Es entscheiden oft Kleinigkeiten. Egal, ob gegen Darmstadt , gegen Ingolstadt – oder gegen ein Team wie Bayer Leverkusen.

Welche Kleinigkeiten waren es beim 3:4 gegen Werder?

Wir haben es nicht geschafft, das zweite Tor nachzulegen. Und haben uns auskontern lassen. Wir haben uns überrumpeln lassen.

Sie sind jetzt mit zwei Niederlagen in die Rückrunde gestartet. Kommen automatisch ungute Erinnerungen auf an den Fehlstart in der Hinrunde (fünf Niederlagen in Folge, Anm. d. Red.)?

Ich glaube, man kann das nicht miteinander vergleichen. In der Hinrunde hatten wir gegen Dortmund nicht eine einzige richtige Torchance. Beim Dortmund-Spiel jetzt in der Rückrunde, da haben wir viel besser gespielt. So war es auch gegen Mainz. Wir hatten die klareren Tormöglichkeiten.

Sie haben aber 0:1 verloren.

Ja, haben wir. Aber wir hatten in dieser Saison auch eine Phase, da haben wir sechs Spiele in Folge gewonnen.

Da bekam die so genannte Schubert-Tabelle fast Kult-Status, jene Tabelle ab dem Trainerwechsel in Gladbach. . .

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. . . also, ich habe jetzt nicht unbedingt nach der Schubert-Tabelle gelebt. Es zählt die Bundesliga-Tabelle, und auch da stehen wir ja nicht so schlecht da.

Dort sind Sie Sechster. Verwundert es Sie, dass die Bremer da unten herumkrebsen?

Es dauert eben ein bisschen, bis das alles so richtig eingespielt ist mit den jungen Spielern, die eingebaut wurden und mit den erfahrenen harmonieren sollen. Da wird gut gearbeitet und ein kontinuierlicher Weg verfolgt in Bremen. Man muss dem Zeit geben. Bei uns war das vor ein paar Jahren genauso. Das ist ein Entwicklungsprozess.

Was trauen Sie sich – und was Werder zu?

Uns traue ich auf jeden Fall zu, unter die besten Sechs zu kommen. Auch wenn es kein Weltuntergang wäre, wenn’s der siebte Platz wird.

Für Werder wäre es schon so etwas wie ein Weltuntergang, wenn der Klassenerhalt verpasst würde.

Ich gehe davon aus, dass Werder den schafft.

Das Gespräch führte Olaf Dorow.

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