Kevin Vogts forscher Start bei Werder

„Wir kommen aus der Negativspirale heraus“

Die ersehnte Verstärkung ist da, Kevin Vogt ist am Montag offiziell von Werder vorgestellt worden. In den nächsten Monaten hat er nur ein Ziel, wie er unmissverständlich verdeutlichte: den Klassenerhalt.
13.01.2020, 17:10
Lesedauer: 4 Min
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„Wir kommen aus der Negativspirale heraus“
Von Malte Bürger
„Wir kommen aus der Negativspirale heraus“
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Ein kurzes Lächeln, ein klarer Blick, ein paar deutliche Worte. Die offizielle Vorstellung von Kevin Vogt hatte noch nicht einmal richtig begonnen, da wurde schon deutlich, was für einen Spieler Werder da ausgeliehen hat. Der 28-Jährige weiß ganz genau, was er will und wie er sich zu bewegen hat im Minenfeld Bundesliga. Und er weiß seine Ambitionen auch knackig zu formulieren.

Trainer Florian Kohfeldt und Sportchef Frank Baumann hatten den Hoffenheimer schon vorher mit dem markigen Begriff der „positiven Arroganz“ charakterisiert, am Montagmorgen wurde klar, was sie damit gemeint hatten: „Ich habe Ecken und Kanten und scheue es nicht, meine Meinung zu sagen“, meinte Vogt. „Ich bin konfliktbereit, aber natürlich in einem vernünftigen Rahmen.“ Ähnlich couragiert geht der 1,94 Meter große Verteidiger auch auf dem Platz zu Werke, seinen Respekt hat sich Kevin Vogt jedenfalls nicht durch selbstsichere Aussagen erarbeitet. Kapitän wird man schließlich nicht einfach so. Schon gar nicht, wenn es für eine Mannschaft wie die TSG Hoffenheim in die Champions League geht.

Erfahrung im Keller

Im Herbst 2018 war das, als Vogt in vier Gruppenspielen zusätzlich zum Ligabetrieb die Binde trug. Und er machte seine Aufgabe als Führungsspieler so gut, dass im vergangenen Sommer der damalige Bayern-Coach Niko Kovac Interesse am gebürtigen Wittener zeigte. Plötzlich geisterte ein Marktwert von 20 bis 25 Millionen Euro durch die Medien. Und nun? Heißt der Alltag plötzlich Abstiegskampf beim Tabellen-17. Wie passt das alles zusammen? „Ich hoffe sehr gut“, sagte Vogt und grinste. „Ich bin jedenfalls sehr froh, hier sein zu dürfen.“

Die prekäre sportliche Situation scheint Werders Neuverpflichtung nicht zu belasten. Und wenn man Kevin Vogt reden hört, möchte man ihm uneingeschränkt glauben. „Die Tabelle habe ich natürlich auch gelesen. Ich weiß, wo wir uns befinden, aber das war kein großes Thema für mich“, sagte Vogt. 213 Bundesliga-Spiele hat er mittlerweile auf dem Buckel, das härtet ab. Zumal es schon schlimmere Momente in seiner Karriere gab. Gleich in seiner ersten Saison in Deutschlands höchster Spielklasse erlebte er eine Magerkur für das Punktekonto. Beim FC Augsburg sah es im Winter 2012/2013 echt trostlos aus, mit nur neun Zählern nahm der Verein schier aussichtslos die Rückrunde in Angriff. Am Ende gab es die Rettung – sogar ohne den Umweg über die Relegation.

Maximal mutige Spielweise

Da erscheint Werders momentane Ausgangslage beinahe luxuriös. Folglich hatte Kevin Vogt auch keine Bauchschmerzen, als er in Bremen unterschrieb. „Druck ist für mich immer etwas Positives“, sagte er. „Ich bringe viel Optimismus und positive Energie mit, die ich auch auf den Platz bringen möchte.“ Bei der TSG Hoffenheim war das zuletzt nicht mehr möglich. Das Verhältnis zu Trainer Alfred Schreuder hat gelitten, Vogt trat von seinem Kapitänsamt zurück. Dann klopfte Werder im Winter an und hatte einen entscheidenden Trumpf parat. „Florian Kohfeldt war der ausschlaggebende Punkt“, verriet Vogt. „Seine Art über Fußball zu denken, ist auch meine Art. Man kann sagen, dass seine Philosophie der Grund war, nach Bremen zu kommen.“ Den gemeinsamen Nenner beschrieb der 28-Jährige letztlich so: „Er will mutig Fußball spielen. Ich will das auch. Und ich glaube, dass das am Ende auch immer belohnt wird.“ So war es damals in Augsburg, so soll es nun in Bremen sein.

In gewisser Hinsicht ist dieses Leihgeschäft also ein Neuanfang. Für Werder. Für Kevin Vogt. Über die zuletzt eher unschöne Phase seiner Karriere will er lieber schweigen. „Ich hege keinen Groll und möchte zu diesem Thema eigentlich nur sagen, dass ich den Verantwortlichen der TSG Hoffenheim dankbar bin, dass dieser Wechsel reibungslos über die Bühne ging und man mir keine Steine in den Weg gelegt hat“, sagte Vogt. Dreieinhalb Jahre spielte er für die TSG, bis 2022 läuft der Vertrag noch. Wie es danach weitergeht? Rückkehr oder nächster Wechsel? Es interessiert ihn schlichtweg nicht. „Beides sind aktuell keine Themen für mich. Ich bin maximal fokussiert auf das, was jetzt bis zum Sommer passiert. Dem gilt meine ganze Aufmerksamkeit“, betonte Vogt.

Tipps von Freund Bittencourt

Immerhin hat der einstige U 21-Nationalspieler schon einen kleinen Wissensvorsprung. Leonardo Bittencourt, ebenfalls eine Hoffenheimer Leihgabe, ist ein guter Freund von Kevin Vogt, beide haben sich in der Hinrunde häufig ausgetauscht. Und natürlich ging es dabei auch immer wieder um Werder. Auch jetzt, als sich der Wechsel abzeichnete, schwärmte Bittencourt bei aller sportlichen Tristesse von der Schönheit des Vereins. „Es war noch einmal eine Schippe drauf auf die Überzeugung, die ich eh schon hatte“, sagte Vogt, der mit Sebastian Langkamp und Yuya Osako weitere frühere Weggefährten trifft. „Mit Yuya habe ich aber nicht telefoniert, das ist ein Stück weit schwieriger“, scherzte er mit Blick auf den eher schweigsamen Japaner.

So schnell der Transfer zustande kam, so schnell dürfte es für Kevin Vogt auch in die Bremer Startelf gehen. Am Mittwoch wird erstmals trainiert, am Sonnabend geht es in Düsseldorf um drei Punkte. „Ich stehe total im Saft und bin bereit“, sagte Vogt, der als „Paradedisziplin“ die Rolle in der Innenverteidigung bezeichnet. „Aber Flexibilität ist das Stichwort. Ich bin kein statischer Spieler. Bei einer Dreierkette kann es auch sein, dass ich ins Mittelfeld gehe“, sagte er und versprach: „Ich versuche, maximal mutig zu spielen, weil es in den vergangenen Jahren zu vielen Erfolgen geführt hat. Ich möchte mit dieser Art auch anstecken.“ Gerade jetzt im Abstiegskampf. „Wichtig ist, dass man sich von Tag eins an dagegenstemmt. Ich bin positiv gestimmt, dass wir aus dieser Negativspirale der Hinrunde herauskommen.“

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