Werders klare Position im Polizeikostenstreit

„Wir tragen nicht 100 Prozent der Kosten"

Werder bereitet sich auf eine juristische Auseinandersetzung mit der Deutschen Fußball Liga vor. Der Verein werde auf keinen Fall 100 Prozent der Kosten tragen, betonen die Verantwortlichen unisono.
26.11.2019, 17:46
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Christoph Sonnenberg, Christoph Bähr und Jean-Julien Beer
„Wir tragen nicht 100 Prozent der Kosten"

Erhöhte Polizeipräsenz am Weserstadion: Wie viele Spiele mit besonderem Risiko es künftig pro Saison geben wird, lässt sich seriös nicht vorhersagen.

dpa

Dass Werder bei der Mitgliederversammlung am Montagabend ein gutes Ergebnis präsentieren konnte, hängt indirekt auch mit den Polizeikosten zusammen. Im vorvergangenen Geschäftsjahr wies der Klub nur einen schmalen Gewinn von 500 000 Euro aus. Es wäre deutlich mehr gewesen, aber eine Million Euro wurden als Rückstellung für Polizeikosten genutzt, was sich wiederum auf das Ergebnis ausgewirkt hat.

Im gerade abgelaufenen Geschäftsjahr, das zum 30. Juni 2019 endete, fehlt diese Rückstellung. Aus einem einfachen Grund: In der vergangenen Saison gab es kein einziges Hochrisikospiel, das zu zusätzlichen Polizeikosten geführt hätte. Werder kann das Geld, 3,5 Millionen Euro Gewinn, anders verplanen.

Wie viele Partien mit besonderem Risiko es künftig pro Saison gibt, lässt sich seriös nicht prognostizieren. Es hat unter anderem auch mit der Ligazugehörigkeit des Hamburger SV zu tun, diese Spiele zählen verlässlich dazu. Es zeichnet sich jedoch eindeutig ab, dass die dabei entstehende Summe künftig von Werder in vollem Umfang übernommen werden muss. Und nicht zu 50 Prozent vom Dachverband der Liga. Das will Werder verhindern, falls nötig, mit juristischen Mitteln. Und es braucht keinen Propheten, um sagen, dass das nötig sein wird.

Suche nach einer Lösung

Marco Bode, Vorsitzender des Aufsichtsrates, sagt über die Strategie: „Wir wussten, dass es uns treffen kann, aber wir müssen die Interessen von Werder wahren und werden nicht akzeptieren, dass die Rechnung einfach an uns weitergeleitet wird. Wir hoffen, eine Lösung zu finden, mit der jeder leben kann. Diese Lösung kann nicht sein, dass Werder 100 Prozent trägt.“

Bei Werder, wo sie die teilweise Übernahme der Polizeikosten ohnehin als einen Standortnachteil sehen, dürften sie befürchten, in Zukunft noch weiter ins finanzielle Hintertreffen zu geraten. Wobei die Verantwortlichen der Plan der DFL nicht überraschen dürfte. Es war absehbar, dass es zu diesem Schritt zur kompletten Kostenabwehr kommt. Dennoch will Werder den Entschluss nicht einfach akzeptieren.

„Wir werden nicht 100 Prozent der Kosten tragen. Das wird auch niemand der Geschäftsführung von Werder Bremen zumuten können“, sagt Geschäftsführer Hess-Grunewald. „Bei einer derart strittigen Frage über eine Summe von zwei Millionen Euro haben wir die Verpflichtung, die Vermögensinteressen von Werder Bremen wahrzunehmen. Bei zwei Millionen muss man schon mal sehr genau hinschauen.“

Signal an die Politik

Dass die DFL künftig die Kosten voll auf Werder, sprich den Klub abwälzt, lässt sich auch als Signal an die Politik verstehen. Neben Bremen haben die Innenminister von Rheinland-Pfalz und Hamburg zumindest Interesse gezeigt, die DFL an den Polizeikosten zu beteiligen. Jetzt zeigen die Klubs der Bundesliga und 2. Bundesliga, dass sie das nicht mittragen wollen. Die zusätzlichen Kosten, das machen die Klubs deutlich, werden bei den Klubs landen, nicht bei der DFL.

Es gibt aus Bremer Sicht einen weiteren Aspekt, der bei einer juristischen Auseinandersetzung zum Tragen kommt. Es ist kaum vorstellbar, dass bei einer Klage das Verhältnis zwischen Werder und der DFL unbelastet bleibt. „Es geht jetzt um das Innenverhältnis zwischen uns und der DFL“, weiß Bode. Doch dort sollen sie nicht so begeistert sein über den Weg, den Werder angekündigt hat. Bei der DFL sollen sie die Köpfe schütteln, wenngleich die Gespräche mit Werder andauern und fortgesetzt werden. Und noch etwas gilt es zu bedenken: Wer sich in einem Rechtsstreit mit der Liga befindet, wird wenig Möglichkeiten bekommen, dort in wichtigen Gremien mitzureden. Aktuell ist da niemand aus Bremen vertreten, das dürfte sich vermutlich auch nicht so schnell ändern, wenn Werder vor Gericht zieht. „Ich kann sagen, dass das Klima nach wie vor sehr vernünftig und sehr sachlich ist“, sagt Hess-Grunewald.

Allerdings gibt es das Beispiel DFB. Aufgrund des Polizeikostenstreits vergibt der Verband derzeit keine Länderspiele mehr nach Bremen. Und diese Entscheidung fußt nicht auf einem Rechtsstreit mit Werder Bremen, sondern mit dem Land Bremen. Es bleibt abzuwarten, wie die DFL reagiert.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+