Bode zur Namensdebatte ums Weserstadion

"Wir wissen um die Sensibilität"

Werder gehört zu den letzten Vereinen in der Bundesliga, die ihren Stadionnamen noch nicht verkauft haben. Ob das so bleibt, ist offen: Es könnte zur finanziellen Notwendigkeit werden.
28.05.2018, 20:23
Lesedauer: 5 Min
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Von Christoph Sonnenberg und Marc Hagedorn
"Wir wissen um die Sensibilität"
Karsten Klama

Es ist ein exklusiver Klub, der da in der Bundesliga übrig geblieben ist. Nur drei der achtzehn Erstligisten haben die Rechte an den Stadionnamen nicht verkauft. Neben Werder sind das Berlin und Mönchengladbach. Wobei Hertha nur Mieter des Olympiastadions ist, die Rechte also gar nicht verkaufen kann. Dass das Weserstadion Weserstadion heißt und nicht, sagen wir mal „Lady Jeans Arena“, ist im deutschen Fußball fast ein Alleinstellungsmerkmal. Und je nach Betrachtungsweise schöne Nostalgie oder ein teures Versäumnis.

Der Verkauf der Namensrechte gehört nach wie vor zu den besonders kontrovers diskutierten Themen. In vielen Bereichen bestimmt der Kommerzgedanke den Fußball gnadenlos: Vermarktet wird, was zu vermarkten ist. Dass in Bremen noch Flutlichtmasten stehen und der Stadionname seit erster Stunde derselbe ist, gilt vielen Bremer Fußballfans als kleiner, aber feiner Triumph. „Wir wissen um die Sensibilität des Themas“, sagt Marco Bode im Gespräch mit MEIN WERDER. „Wir wissen auch, dass der Name Weserstadion sehr wertvoll ist, deshalb würden wir ihn niemals leichtfertig verkaufen wollen.“

Neuer finanzieller Druck

Fußball ist aber auch gnadenloser Verdrängungswettbewerb. Nur wer über genügend Geld verfügt, hat auf Dauer eine Chance, in der Bundesliga zu überleben. Da Werder nicht zu den Klubs mit den größten Umsätzen gehört, rückt bei der Suche nach neuen Einnahmequellen der Verkauf der Stadionnamensrechte automatisch regelmäßig in den Fokus. „Wir schließen es nicht vollkommen aus, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind“, sagt Bode. In den vergangenen Jahren hat Werder immer mal wieder mit Unternehmen gesprochen, zu einer Einigung ist es nie gekommen. Es war durch eine günstige Vertragskonstellation auch kein allzu großer Druck auf dem Thema.

Jetzt hat sich die Situation verändert. EWE und SWB haben Anfang des Monats eine Vertragsverlängerung als Topsponsor bis 2021 bekannt gegeben, jedoch nur noch als Partner im Bereich Energie. Der Bereich Stadion gehört nicht mehr dazu, was Einnahmeverluste in Höhe einer siebenstelligen Summe nach sich zieht. Ein Betrag, der bei Werder finanziellen Druck verursacht – er muss jetzt auf anderen Wegen verdient werden. Aufsichtsratschef Bode drückt es anders aus, er sagt, „dass Lücken, die entstanden sind, gefüllt werden müssen. Mal sehen, ob uns das gelingt.“

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, diese finanzielle Lücke zu schließen. Durch weitere Sponsorenverträge etwa, daran wird selbstverständlich gearbeitet. Auch über sportlichen Erfolg ist es machbar, beispielsweise im DFB-Pokal, wo Werder traditionell nur die ersten beiden Runden im Etat einpreist. Nur lässt sich sportlicher Erfolg schlecht planen. Es könnte aber auch der Verkauf der Namensrechte sein. Intern wird der Erlös mit rund drei Millionen Euro pro Jahr beziffert, eine stattliche Summe. Sie macht es verständlich, dass diese Diskussion im Klub nie beendet war oder ist. Bisher war die Diskussion eher ein Scheingefecht. Im letzten Sponsorenpaket mit EWE, den der Konzern vor zehn Jahren mit Werder geschlossen hatte, waren die Namensrechte enthalten. EWE hatte die Möglichkeit, aus dem Weserstadion die EWE-Arena zu machen, sie haben dieses Recht aber nicht aktiviert. Vielleicht weil es schwer zu kommunizieren wäre, wenn ein Energiekonzern die Namensrechte eines Fußballstadions kauft, gleichzeitig aber die Preise für Strom erhöht. Es dauerte jedenfalls nicht lange, da wollte EWE dieses Recht wieder loswerden. Kündbar war der Vertrag nicht, Werder hatte die Einnahmen also sicher. Die Lust, ein anderes Unternehmen zu suchen, war entsprechend nicht besonders ausgeprägt.

Die Vorbehalte gegen einen Verkauf sind bei Werder nach wie vor groß, unter anderem aus Angst vor massiver Kritik aus der Fan-Szene. In Hamburg hat der Milliardär Klaus-Michael Kühne Anfang 2015 die Namensrechte am Stadion erworben. Kühne machte aus der Imtech Arena, die zuvor schon HSH Nordbank Arena und AOL Arena hieß, mit Beginn der Saison 2015/2016 wieder das Volksparkstadion. 20 Millionen Euro für vier Jahre soll ihm das Geschäft wert sein, im Gegenzug erhofft Kühne sich die Liebe der Fans, quasi als Dank für ein kleines Stück Fußball-Tradition.

Derzeit keine Verhandlungen

Anderes Beispiel Nürnberg: Dort hält die Consorsbank die Rechte, das Stadion heißt aber Max-Morlock-Stadion nach dem Nürnberger Weltmeister von 1954. Hier machten Unternehmen und Fans quasi gemeinsame Sache: Über ein Crowdfunding sammelten Unterstützer rund 330 000 Euro, den Rest – ca. 2,4 Millionen Euro – steuerte die Bank bei. Für drei Jahre gilt der Deal. Vielleicht auch ein Weg für Bremen?

Die Vorbehalte sind aber noch groß, weil der Name Weserstadion Tradition ist, etwas Besonderes. Etwas, womit sich die Bremer Anhänger identifizieren können. Auch deshalb betont Bode, die Namensrechte „niemals leichtfertig verkaufen“ zu wollen. Trotzdem laufen im Hintergrund Gespräche, Vermarkter Infront ist eingebunden und sucht überregionale Partner. Erwünscht ist eher ein Sponsor aus der Region, so wie EWE einer ist. Aktive Verhandlungen gibt es aber zurzeit nicht. Die Zuschauer werden also bis auf Weiteres ins Weserstadion pilgern statt in die, sagen wir mal, „Beck‘s Arena“.

So heißen die Stadien an den anderen Bundesliga-Standorten (mit Aufsteigern):

• Bayern München: Allianz-Arena

• FC Schalke 04: Veltins-Arena

• TSG Hoffenheim: Wirsol-Rhein-Neckar-Arena

• Borussia Dortmund: Signal-Iduna-Park

• Bayer Leverkusen: Bay-Arena

• RB Leipzig: Red-Bull-Arena

• VfB Stuttgart: Mercedes-Benz-Arena

• Eintracht Frankfurt: Commerzbank-Arena

• Borussia Mönchengladbach: Borussia-Park

• Hertha BSC: Olympiastadion Berlin

• Werder Bremen: Weserstadion

• FC Augsburg: WWK-Arena

Hannover 96: HDI-Arena

• FSV Mainz 05: Opel-Arena

• SC Freiburg: Schwarzwald-Stadion

• VfL Wolfsburg: Volkswagen-Arena

• Hamburger SV: Volksparkstadion

• 1. FC Köln: Rhein-Energie-Stadion

• Fortuna Düsseldorf: Esprit-Arena

• 1. FC Nürnberg: Max-Morlock-Stadion

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