Werder sucht noch einen Stürmer Wo ist Pizarro?

Claudio Pizarro hat noch keinen neuen Verein gefunden. Und auch bei Werder geht die Suche nach einem Nachfolger für den Angreifer weiter.
30.08.2017, 18:19
Lesedauer: 3 Min
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Wo ist Pizarro?
Von Christoph Sonnenberg

Opa ist nicht mehr da. Mit der gesamten Familie hat Claudio Pizarro Bremen vor Kurzem verlassen. Weg aus der Bremer Innenstadt, einen Steinwurf von den Wallanlagen entfernt, zurück in die bayerische Metropole München, wo die Familie ein Haus besitzt. Bei Werder wurde Pizarro wegen seiner inzwischen fast 39 Jahre von den Mitspielern schon mal scherzhaft Opa genannt, trotzdem hält er an seinen Plänen fest und will ein weiteres Jahr als Profi Fußball spielen.

Wo, das hat Pizarro noch nicht entschieden. In Deutschland, den Emiraten oder in den USA, alles ist denkbar. Er will jetzt erst mal das Ende der Transferperiode abwarten, im Alter wird man ja geduldiger. Pizarro weiß, auch danach wird es Bedarf an Stürmern geben bei all jenen Klubs, die im millionenschweren Wettbieten leer ausgegangen sind. Einer dieser Klubs könnte Werder sein.

Keine Rückkehr zu Werder

Theoretisch wäre eine Rückkehr nach Bremen möglich, auch nach Ende der Wechselfrist. Als vertragsloser Spieler kann Pizarro auch außerhalb der Transferperiode anheuern. Dass Werder jetzt, aus der Not heraus, einen Rückzieher macht und noch mal bei Pizarro anklopft, wird nicht passieren. „Wir haben eine Entscheidung getroffen, dabei wird es bleiben“, sagt Frank Baumann. Viermal hat Pizarro in seiner langen Karriere einen Vertrag bei Werder unterschrieben, ein fünftes Mal wird es nicht geben.

Ob es richtig war, den in die Jahre gekommenen Angreifer ziehen zu lassen, darüber gibt es durchaus unterschiedliche Ansichten, auch im Verein. Die einen weisen auf die körperlichen Defizite hin, nicht mehr schnell genug, ein wenig hüftsteif, von der Verletzungsanfälligkeit gar nicht zu reden. Und dann gibt es die, die seinen Wert für die Mannschaft betonen. In der Kabine, wo die Stimmung bekanntlich den Ausschlag für Sieg oder Niederlage geben kann, spielte Pizarro noch immer eine Hauptrolle. Für die jüngeren Kollegen war er wichtiger und geduldiger Ratgeber. Und bei seinen Einwechselungen im Weserstadion ging stets ein Raunen durch das Publikum, eine Aufbruchstimmung, dieses Gefühl, da geht jetzt noch was, Pizarro kommt. Warum also sollte da nichts mehr gehen, zumindest als Alternative für die Schlussphase?

Vergangene Saison gehörte Pizarro zu den fünf bestbezahlten Profis im Kader, auf bis zu 2,5 Millionen Euro konnte er kommen. Aber um die Höhe seines Verdienstes soll es ihm nicht gegangen sein. Verlängert hätte er wohl zu reduzierten Bezügen, zumindest stärker leistungsbezogenen. Dass er nicht doch noch eine weitere Saison geblieben ist, war eine Entscheidung Alexander Nouris. Nouri setzte nicht mehr auf den Stürmer, das ist sein gutes Recht als Trainer. Und ein Profi, der in den Plänen des Trainers keine Rolle spielt, kann dem Verein nicht helfen.

Die Suche nach einem Nachfolger läuft

Zu Beginn der Vorbereitung Anfang Juli verkündete Werder das Aus von Pizarro. Seitdem läuft die Suche nach einem Nachfolger, doch sie gestaltet sich schwieriger, als Baumann wohl zunächst gedacht hat. Das liegt zum einen natürlich an den fehlenden finanziellen Mitteln. Aber das wiederum liegt auch daran, dass Baumann es nicht geschafft hat, aussortierte Spieler zu verkaufen. Aron Johannsson, Sambou Yatabaré und Levent Aycicek haben keine sportliche Perspektive in Bremen mehr. Zusammengenommen hätten sie eine ansehnliche Ablöse einspielen können, die für mehr Handlungsspielraum beim Kauf eines Stürmers gesorgt hätte.

Die erwünschte Alternative in der Offensive ist noch nicht da. Bis zum Donnerstagabend um 18 Uhr hat Baumann noch Zeit, sie zu präsentieren. Das genaue Profil ist offen, nur in Teilen präzise. Ein laufstarker, robuster Angreifer soll her. Aber ob dieser jung und entwicklungsfähig oder doch schon etabliert und erfahren sein soll, das hat Baumann nicht abschließend festgelegt. Vermutlich, weil der Sportchef nehmen muss, was er bekommen kann. Wer nicht viel zahlen kann, hat nicht viel Auswahl.

Von der Qualität des neuen Stürmers wird abhängen, ob Nouri sein System verändert. Kommt eine Ergänzung, wird die Offensive weiter an der Form von Max Kruse und Fin Bartels hängen. Kommt ein gestandener Stürmer, der sofort funktioniert, baut Nouri sein System vielleicht schon zum Spiel in Berlin um. Wer es am Ende auch wird, fest steht nur, dass Pizarro nicht der neue Stürmer wird.

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