Verteidiger verlässt Werder Bremen Wolfsburg will Naldo heute offiziell vorstellen

Zell am Ziller·Wolfsburg. Weil er Mittwoch mit einem geschwollenen Knie zum Medizin-Check erschien, will der VfL Wolfsburg Naldo eingehender untersuchen. Heute Nachmittag will der VfL Wolfsburg Neuzugang Naldo bei einer Pressekonferenz vorstellen.
19.07.2012, 05:00
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Wolfsburg will Naldo heute offiziell vorstellen
Von Thorsten Waterkamp

Zell am Ziller·Wolfsburg. Felix Magath kam allein. Als er sich am gestrigen Mittwochmittag auf dem Podium im Presseraum des VfL Wolfsburg setzte, begannen die Kameras der Fotografen zu klicken, obwohl ihnen nur ein unvollständiges Motiv geboten wurde. Es fehlte der Hauptdarsteller, der Grund der Runde: Wolfsburgs Neuzugang Naldo.

Und als diese mehr als ungewöhnliche Pressekonferenz beendet war, schien fraglich, ob Naldo jemals ein Hauptdarsteller beim VfL werden wird. Sein Transfer nach Wolfsburg droht zu scheitern – weil Felix Magath Zweifel an der Gesundheit des Profis hegt.

Es sind offenbar nicht nur Zweifel, die sich aus der Krankengeschichte des Brasilianers nähren. Wie unsere Zeitung erfuhr, kam Naldo gestern Vormittag mit einem geschwollenen Knie zum Wolfsburger Mannschaftsarzt Günter Pfeiler. Die sportärztliche Untersuchung – in der Regel eine Überprüfung der Sporttauglichkeit, die kaum Überraschungen birgt – wurde dadurch für Naldo zum Stolperstein. Sie könnte den Brasilianer im schlimmsten Fall den avisierten und angeblich mit mehr als vier Millionen Euro Jahresgehalt dotierten Vierjahresvertrag kosten.

"Ja, das ist richtig", bestätigte Magaths Sprecher Ronny Gersch gestern Abend unserer Zeitung, dass das geschwollene Knie Auslöser für die Wolfsburger Zögerlichkeit ist. "Das hat uns stutzig gemacht", sagte er, "weshalb wir weitere Untersuchungen vornehmen lassen wollten." Denn den Wolfsburgern ist nicht klar, was die Ursache für die Schwellung ist. Ist es eine aktuelle, letztlich unwesentliche Verletzung? Oder ist es die Folge eines Überlastung eines ohnehin strapazierten Knies? Naldo selbst hatte vorgestern, nach seinem letzten Training für Werder, noch erklärt, er fühle sich "richtig fit".

Wolfsburgs Mannschaftsarzt Pfeiler jedenfalls wollte nach der gestrigen Besuch des Brasilianers in seiner Praxis auf Nummer sicher gehen in diesem Knie-Fall – und ordnete eine Kernspintomografie an. Ganz im Einklang mit Magath. "Unser Arzt muss erst feststellen, dass dieser Spieler auch in den nächsten Jahren für den VfL seine Leistung bringen kann", sagte Magath: "Wir möchten eine genauere Untersuchung, um zu sehen, wie belastbar das Knie ist."

Das Ergebnis dieser Untersuchung, die in Wolfsburg vorgenommen wurde, war bis gestern Abend noch nicht ausgewertet. Um kurz nach 20 Uhr erklärte Gersch schließlich, dass die Akte Naldo für die Nacht geschlossen und heute früh wieder aufgeschlagen wird. Welches Knie betroffen ist, wusste er nicht zu sagen.

Berücksichtigt werden bei der Untersuchung zwei schwere Knieverletzungen, die Naldo in den vergangenen Jahren erlitten hatte – die einzigen ernsthaften Blessuren in sieben Jahren Bundesliga-Karriere. Die eine erlitt der 29-Jährige im vergangenen Januar zum Auftakt des Trainingslagers in Belek. Zunächst als Außenbandreizung im linken Knie diagnostiziert, wuchs sich das Problem zu einem Außenbandanriss aus. Naldo fiel drei Monate lang aus.

Die schwerere Verletzung betraf das rechte Knie – und sie hat ihre Ursache ironischerweise in einem Spiel von Werder im April 2010 beim VfL Wolfsburg. Wolfsburgs Grafite traf Naldo damals im Zweikampf am Knie und verursachte ein Knochenödem. Die restlichen drei Saisonspiele überstand der Bremer damals nur mit Schmerzmitteln, ehe zum Beginn der Vorbereitung im Juli an Training nicht mehr zu denken war. Monatelang ging gar nichts, selbst eine Sportinvalididät schlossen Führungskräfte bei Werder damals nicht aus. Im Januar 2011 ließ sich der Profi dann in der Heimat – gegen den ausdrücklichen Rat seiner behandelnden Ärzte in Deutschland – operieren. Es war ein komplizierter Eingriff, bei dem Knorpel entfernt und Blut aus dem Knochen gezogen wurde. Im September 2011 schließlich gelang Werders Innenverteidiger ein umjubeltes Comeback.

Wie es weiter geht, ist offen. Der Transfer nach Wolfsburg, der Werder zwischen vier und fünf Millionen Euro Ablöse bescheren soll, wurde Dienstag zwar als perfekt gemeldet – allerdings vorbehaltlich der sportärztlichen Untersuchung. Noch ist Naldo also Werder-Angestellter. Was wäre, wenn..? Werder-Chef Klaus Allofs wollte sich am Mittwoch an solchen Spekulationen nicht beteiligen. Überrascht habe ihn das Ergebnis des Checks aber nicht, erklärte er: "Wenn man einen 29-Jährigen untersucht, findet man immer etwas. Das ist so."

Für den heutigen Donnerstag um 14 Uhr hat der VfL Wolfsburg eine Pressekonferenz angekündigt, bei der Naldo bei den "Wölfen" vorgestellt werden soll.

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