Wolfsburgs Koen Casteels "Werder gehört in die erste Liga"

Ein halbes Jahr lang spielte er bei Werder Bremen, seit sieben Jahren nun für den VfL Wolfsburg. Im Interview erinnert sich Torhüter Koen Casteels an seine Zeit an der Weser.
05.08.2022, 19:56
Lesedauer: 5 Min
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Von Hans-Günter Klemm

Start in die neue Saison mit einem Heimspiel gegen Werder Bremen – sind Sie mit dieser Paarung einverstanden, Koen Casteels?

Koen Casteels: Wir müssen ohnehin gegen alle Klubs spielen. Also nehmen wir es, wie es kommt. Es gibt keine einfachen Spiele in der Liga. Schön für uns, dass es ein Heimspiel ist. Wir müssen sofort da sein und bereit sein, einen guten Start hinzulegen.

Hintergrund dieser Frage: Sie haben mal kurzzeitig für Werder gespielt. Ist es daher ein besonderes Spiel für Sie?

Nicht wirklich, weil ich inzwischen schon sieben Jahre beim VfL Wolfsburg spiele. Doch natürlich ist es immer schön, den einen oder anderen Kollegen wiederzusehen. Ich freue mich, dass Werder wieder in der Bundesliga ist. Meiner Meinung nach gehört der Verein auch dorthin.

Denken Sie gern an die Zeit bei Werder zurück?

Ich hatte dort eine sehr gute Zeit. Es war nur eine kurze, doch in diesem halben Jahr habe ich erfahren dürfen, wie die Stadt mitfiebert, wie die Fans Begeisterung auslösen und den Verein leben. Ich finde, Werder ist ein sehr sympathischer Klub.

Haben Sie in Bremen den absoluten Durchbruch als Profi geschafft?

In Hoffenheim, bei meiner Station zuvor, hatte ich auch schon über 30 Einsätze. Dort habe ich den Durchbruch geschafft. Danach war ich leider lange verletzt – sechs Monate Pause wegen eines Schienbeinbruchs. Es war schwer, erneut in den Rhythmus zu kommen. In Bremen habe ich bewiesen, dass ich wieder bereit bin, auf diesem Niveau zu spielen.

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Bitte vergleichen Sie mal die beiden Vereine VfL Wolfsburg und SV Werder Bremen.

Es bestehen schon Unterschiede. Werder hat weniger finanzielle Mittel, doch der Verein tut unter diesen Voraussetzungen alles dafür, um zu bestehen und das Niveau zu halten. In Wolfsburg ist vieles anders, ein wenig strukturierter und möglicherweise noch professioneller aufgebaut, zum Beispiel was die Trainingszentren betrifft. Ich denke, beides bringt Vor- und Nachteile mit sich. Einerseits die Traditionsvereine mit der unglaublichen Fanbasis, andererseits Vereine wie Leverkusen, Hoffenheim oder Wolfsburg, wo man in Ruhe arbeiten kann. Es sind zwei unterschiedliche Herangehensweisen. Wie gesagt, ich habe mit beiden gute Erfahrungen gemacht.

Sind Sie glücklich in Wolfsburg?

Ja, das bin ich. Ich habe hier schon viele schöne Momente erlebt, mitunter auch schwierige Phasen. Wir sind mehr als zufrieden hier, meine Familie fühlt sich hier wohl.

In der letzten Saison trugen Sie die Kapitänsbinde. Nun ist Maximilian Arnold zum Kapitän bestimmt worden. Konnten Sie die Begründung nachvollziehen, die Trainer Niko Kovac nannte?

Der Trainer möchte jemanden haben, der auf dem Platz näher dran ist, der schneller eingreifen kann, wenn irgendwas passiert ist. Das spricht für einen Feldspieler, weil der Torwart natürlich weiter weg ist. Eine Entscheidung des Trainers, die ich zu akzeptieren habe. Das ist kein Problem für mich.

Sie hatten Ihren Ex-Trainer Florian Kohfeldt schon in Bremen als Assistent von Viktor Skripnik kennengelernt. Nun war er während der abgelaufenen Serie Ihr Chefcoach. Hatte sich Kohfeldt verändert?

Es war ganz anders, was in der Natur der Sache liegt. Florian Kohfeldt war bei Skripnik der zweite Co-Trainer. Dieser Job ist nicht zu vergleichen mit der Rolle als Cheftrainer. Bei Werder war es damals eine Art Lehrzeit für ihn. Als Chef musste er natürlich vorangehen.

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Warum hat es mit Kohfeldt in Wolfsburg nicht geklappt?

Es gab verschiedene Ursachen, es lag nicht nur allein am Trainer. Es hat einfach nicht gepasst, was auch daran lag, dass wir in den Jahren zuvor so erfolgreich waren, uns für die Champions League qualifiziert haben. Die Situation haben wir nicht gemeistert – wie auch andere Mannschaften in der Vergangenheit. Dazu kam noch: Zwei unterschiedliche Trainer, erst Mark van Bommel, dann Florian Kohfeldt; es war einfach keine Ruhe im Verein.

Wie erleben Sie Kohfeldt-Nachfolger Niko Kovac?

Er ist ein Trainer mit einer klaren Linie, ein Trainer mit viel Erfahrung, der auch bei einem Spitzenklub wie Bayern München erfolgreich war. Er ist sehr diszipliniert, was er auch von uns Spielern verlangt. Wir müssen als Mannschaft auftrumpfen, das macht uns stark. Wir hatten eine gute Vorbereitung, was mir ein gutes Gefühl gibt.

Ein Blick auf Ihre Karriere: Ist diese geprägt von der Tatsache, dass häufig Konkurrenten ein Stück weit die Nase vorn hatten?

Es stimmt. Es hat in Hoffenheim angefangen mit Tom Starke, dann Tim Wiese und am Ende Oliver Baumann. Raphael Wolf war es in Bremen, dann Diego Benaglio hier. Aber es ist auch so, dass ich es als Nummer zwei bei jedem dieser Vereine geschafft habe, mich hochzukämpfen und die Nummer eins geworden bin.

Und auch in der Nationalelf, wo der Weltklasse-Keeper Thibaut Courtois unangefochten ist, sind Sie dabei. Wie ist die Lage in der Nationalmannschaft Belgiens? Wenn nichts Außergewöhnliches passiert, fahren Sie dann zur WM?

So ist auch mein Kenntnisstand.

Mit Courtois haben Sie einst in Genk gemeinsam gespielt. War es damals ein offenes Rennen?

Für Racing Genk habe ich kein einziges Spiel als Profi gemacht. In der Jugend war es so: Ich bin schneller gewachsen, habe einen Jahrgang übersprungen, habe für die ältere Mannschaft gespielt. Und Thibaut war in der normalen Altersklasse aktiv. So kamen wir beide zu Spielpraxis, was auch so gewünscht war, weil der Klub bei uns eine Perspektive gesehen hat.

Auf Ihrem Konto tauchen nur drei Länderspiele auf. Wären Sie anderer Nationalität, dürfte eine Vielzahl zu Buche stehen. Haben Sie sich mit diesem Schicksal abgefunden?

Ich muss es. In Belgien ist es so, dass wir für jede Position einige gute Spieler haben. Es ist eine herausragende Generation, die nun leider in die Jahre gekommen ist. Es ist, wie es ist. Ich muss mich weiter beweisen in der Bundesliga und darauf hoffen, vom Trainer berücksichtigt zu werden.

Sie haben die „Goldene Generation“ Belgiens erwähnt. Kann bei der WM in Katar der große Wurf gelingen?

Ich vermute, wir sind nicht mehr einer der Topfavoriten wie 2018. Vieles muss zusammenpassen, um ein erfolgreiches Turnier zu spielen. Man braucht bei einer WM ein bisschen Losglück und eine gute Tagesform. Also, es ist nicht unmöglich, wenn alles zusammenpasst, können wir weit kommen. Italien hat auch gezeigt, was mit Erfahrung zu erreichen ist.

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Zurück zum aktuellen Gegner Werder: Haben Sie mit dem direkten Wiederaufstieg gerechnet?

Es ist nicht einfach, sofort wieder aufzusteigen. Der Abstieg vermittelt ein negatives Gefühl, also ist es problematisch, den Schalter sofort wieder umzulegen. Insofern habe ich mich gefreut, dass die Bremer so schnell wieder hochgekommen sind. Ich habe mich gefreut, weil dieser Klub in die erste Liga gehört.

Was trauen Sie Werder nun zu? Ist Werder ein normaler Aufsteiger? Oder gar mehr?

Ich bin zu weit weg, um dies zu beurteilen. Ich hoffe jedenfalls, dass Werder nun wieder längere Zeit in der Bundesliga spielt.

Das Gespräch führte Hans-Günter Klemm.

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