Ziele für das Trainingslager

Woran Werder in der Offensive arbeiten muss

Werder hat sich eine solide Basis erarbeitet, nun will Florian Kohfeldt die Mannschaft im Südafrika-Trainingslager weiterentwickeln. Im Spiel mit dem Ball setzt der Trainer besonders auf vier spezielle Inhalte.
03.01.2019, 20:34
Lesedauer: 3 Min
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Von Stefan Rommel
Woran Werder in der Offensive arbeiten muss
nordphoto

Florian Kohfeldt hat die freien Tage am Jahresende genutzt, um etwas abzuschalten und Zeit mit der Familie zu verbringen, wie der Werder-Trainer verriet. Lange dauerte diese Auszeit aber nicht, denn er musste schließlich auch schon wieder die Vorbereitung auf die Rückrunde planen. Seit Donnerstag trainieren die Werder-Profis in Johannesburg, und Kohfeldt setzt dabei klare Schwerpunkte. Er hat einige Dinge herausgepickt, die in den ersten 17 Saisonspielen nicht immer funktioniert haben, in der Rückrunde aber keine Schwachstellen mehr sein sollen. In der Offensive will sich Kohfeldt besonders auf vier Elemente konzentrieren: das Vordringen ins letzte Drittel, die Chancenverwertung, das Umschaltspiel und das Positionsspiel.

Werders Spielaufbau und der Weg ins Übergangsdrittel waren in der Regel sehr gut, die Mannschaft ist fast immer auf der Suche nach einer spielerischen Lösung. Beim Vordringen ins letzte Drittel offenbarte Werder in einigen Spielen aber Probleme, insbesondere mit den nötigen Tempoverschärfungen. „Eher durchwachsen“ nannte Kohfeldt die bisherigen Versuche seiner Mannschaft, mit Geschwindigkeit in den Rücken der gegnerischen Abwehr zu gelangen. Auf Basis der gelernten Strukturen im Spielaufbau soll die Mannschaft künftig mehr Lösungen finden als bisher, um zu Abschlussaktionen zu kommen. Deshalb werden die obligatorischen Passfolgen, die Bestandteil jeder einzelnen Trainingseinheit sind und die die Passqualität weiter hochhalten sollen, auch in Südafrika eine wichtige Rolle einnehmen.

Routine entwickeln

Ein großes Thema in den letzten Spielen der Hinrunde war die Chancenverwertung. Werder erarbeitete sich viele Möglichkeiten, blieb aber zu harmlos. Die Entscheidungsfindung vor dem gegnerischen Tor war ein Problem, das zwar zum Teil mit der individuellen Qualität der Spieler zu tun hat, aber auch im Training verbessert werden kann. Kohfeldt lässt den Verweis auf Glück oder Pech in diesem Zusammenhang nicht zu: „Das wäre viel zu billig. Wir können nicht einfach davon ausgehen, dass das schon irgendwann wiederkommt.“ Es wird in den kommenden Tagen also auch darum gehen, eine gewisse Routine zu entwickeln in diesen entscheidenden Spielsituationen. Kohfeldt will die Abläufe vor dem Tor durch sich wiederholende Muster unter Zeit- und Gegnerdruck simulieren. Dabei geht es am Ende um schnöde Wahrscheinlichkeitsrechnung: Mehr Wiederholungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit auf Torerfolge.

Als gefürchtete Umschaltmannschaft hat sich Werder bisher auch noch keinen Namen gemacht. Das offensive Umschalten nach Ballgewinn bedeutete in der Regel keine große Gefahr für die Gegner. Kohfeldt geht es in diesem Segment nicht in erster Linie um die fehlende Geschwindigkeit seiner Spieler im Endstadium eines Angriffs, sondern um die Reaktionszeiten in der Kontervorbereitung. Diese gilt es zu verringern, das entscheidende Stichwort lautet dabei Handlungsschnelligkeit. Die Spieler sollen Situationen nicht nur schneller, sondern auch detaillierter erfassen und die richtigen Lösungen finden. Kleine Spiele im Vier-gegen-vier oder Acht-gegen-acht mit Provokationsregeln dürften daher regelmäßig auf dem Trainingsplan stehen.

Die Grundlage des Offensivspiels

Im Hintergrund feilt Kohfeldt außerdem dauerhaft am Positionsspiel seiner Mannschaft. Das Positionsspiel ist die Grundlage für fast alle weiterführenden Elemente im Agieren mit dem Ball. Es definiert die Struktur und die Lauf- sowie Passabfolgen der Mannschaft in bestimmten Zonen des Spielfelds. Das Positionsspiel schafft die nötige Ordnung und die Balance. „Hier haben wir ein Basisniveau erreicht, auf das wir immer zurückgreifen können“, sagt Kohfeldt. „Diese Basis dürfen wir nicht wieder verlieren, weshalb wir sie auch immer trainieren werden.“

Werder liegt zur Winterpause auf Rang zehn. An seinen Zielen für die Saison hält Kohfeldt dennoch fest – nicht aus Trotz, sondern aus fester Überzeugung. Soll es tatsächlich klappen mit einem internationalen Startplatz, benötigt Werder dafür jedoch eine Offensive, die die guten Ansätze auch zu gefährlichen Angriffen ausformuliert und öfter zum Torerfolg kommt. 28 Treffer waren es in der Hinrunde, in der Rückrunde sollen es mehr werden. „Wir haben uns eine Struktur erarbeitet, die auch eine Verpflichtung ist für die Mannschaft und uns als Trainerteam, daran weiterzuarbeiten“, betont Kohfeldt. „Deshalb geht es jetzt rein in die nächsten Schritte.“

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