Suche nach Fußball-Nachwuchs Was Werder-Legende Wynton Rufer im Südpazifik plant

Werder-Legende Wynton Rufer kümmert sich auf den Cook Islands um Fußball-Nachwuchs. Er ist sicher, noch "einige Füllkrugs und Sargents" zu finden, "die wir irgendwann nach Bremen bringen können".
01.12.2022, 18:13
Lesedauer: 3 Min
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Von Malte Bürger

Wynton Rufer lässt den Ball locker durch die Luft wirbeln. Rechter Fuß, linker Fuß, ein paar Berührungen mit dem Knie, ehe er die Kugel in die Höhe chipt, kurz auf seinem Kopf landen lässt und dann in den Nacken jongliert. Nicht schlecht für einen Mann, der in wenigen Tagen seinen 60. Geburtstag feiert. Finden auch die Kinder, die um ihn herum stehen und die kleine Showeinlage mit einem begeisterten Raunen quittieren. Doch die zirkusreife Nummer des früheren Werder-Stürmers ist viel mehr als eine Demonstration des eigenen Könnens. Sie soll ein Appetitanreger sein. Für den Fußball-Nachwuchs auf den Cook Islands, um den sich „Kiwi“ Rufer neuerdings kümmert.

„Wir haben hier die ganze Woche mit 300 Kindern auf der Insel gespielt, Jungen wie Mädchen. Das, was hier passiert, ist absolute Weltklasse“, schwärmt Rufer im Gespräch mit der DeichStube. Und es soll keine Ausnahme bleiben, denn der einstige Angreifer hat im Südpazifik viel vor. Als talentierter Jungkicker hat er einst selbst gegen Teams von den Fidschis, Vanuatu oder Papua-Neuguinea gespielt. Das bereitete zwar Vergnügen, doch Rufer fiel auf, dass den Gegnern trotz einer starken Athletik eine gute Ausbildung fehlte. Nun, mit etlichen Jahren Abstand, soll das auf den Cook Islands bald anders aussehen. „Hier finden wir bestimmt noch einige Füllkrugs und Sargents, die wir irgendwann nach Bremen bringen können“, sagt Rufer und lacht.

Natürlich ist die WM in Katar auch auf der Südhalbkugel ein großes Thema. Aus alter grün-weißer Verbundenheit schaute Rufer ganz besonders auf die Offensivakteure Niclas Füllkrug und Josh Sargent. Bei Letzterem hatte er damals großen Anteil daran, dass der US-Amerikaner an der Weser landete. Bei einem Turnier in Florida war ihm und Werders damaligem Nachwuchskoordinator Heiko Flottmann der junge Josh Sargent aufgefallen. Der Rest ist Geschichte. Sargent spielt inzwischen in England bei Norwich City und ist fester Bestandteil des US-Nationalteams.

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Wynton Rufer ist ständig auf der Suche nach legitimen Nachfolgern, die einen ähnlichen Weg einschlagen könnten. In Neuseeland betreibt er deshalb die Akademie „WYNYRS in Paradise“. Im kommenden Juli soll erstmals ein großes Turnier auf den Cook Islands stattfinden. Unterstützung erhält der Ex-Bremer vor Ort von Tim Meyer. Der Norddeutsche ist vor einigen Jahren mit seiner Familie nach Rarotonga ausgewandert, gemeinsam mit seinem früheren Idol schiebt der Werder-Fan nun das neue Projekt an. „Ich bin ja eigentlich Hotelier, aber jetzt auf einmal als Assistenzcoach von Wynton unterwegs“, erklärt er und kann sein Glück selbst kaum fassen. „Kiwi möchte hier auf Dauer mit den Kindern im Alter von sechs bis zwölf Jahren arbeiten und richtig Talent entwickeln, um ihnen später die Möglichkeit zu geben, in seiner Akademie Fuß zu fassen und über Stipendien ausgebildet zu werden.“

Und dieser Weg könnte theoretisch auch wieder zu Werder führen. Das zeigt ein ganz aktuelles Beispiel. Denn von den Cook Islands ging es mit einem Zwischenstopp in der Heimat für Rufer direkt wieder um den halben Globus in Richtung Bremen. „Ein junger Torhüter mit spanischem Pass wird eine Woche bei Werders U 17 hospitieren“, verrät der 59-Jährige, der in den sozialen Medien ein Foto von der Rückkehr an den Osterdeich postete. Stilecht ist Rufer wieder in den grünen Trainingsdress des Vereins geschlüpft, gibt darin nach wie vor eine gute Figur ab. Doch der Europapokalsieger von 1992 wird nicht nur in Bremen Station machen, für seinen Nachwuchskeeper sind auch Probetrainings bei Arminia Bielefeld und Hertha BSC angesetzt.

Alles, was man braucht, ist ein Ball und ein bisschen Fläche
Wynton Rufer

„Im Februar bin ich dann auf jeden Fall wieder auf den Cook Inseln“, kündigt Rufer an. Der WM-Teilnehmer von 1982 hat schließlich eine Mission zu erledigen. Und dafür muss er noch ein paar Schulen abklappern. Die Kinder warten auch schon sehnsüchtig auf die Rückkehr von Ozeaniens Fußballer des 20. Jahrhunderts, sie wollen wieder mit ihrem Helden kicken. „Sie haben gar nicht erzählt, dass Sie Maradona und Pele kennengelernt haben“, wird etwa ein faszinierter Schüler in den heimischen Medien zitiert. Wynton Rufer hat also nicht nur mit seiner Balljonglage Eindruck hinterlassen. Ausgerechnet in einer Region, in der eigentlich Rugby und Cricket vorherrschend sind. Die Fußballsaison dauert im Inselparadies trotz allerbester Bedingungen gerade einmal drei Monate. 

Doch am wichtigsten ist, dass der Ball überhaupt rollt. So hatte es Rufer seinen Schülern auch schon unter Palmen und bei schönstem Meerblick beigebracht. „Alles, was man braucht, ist ein Ball und ein bisschen Fläche“, betonte der frühere Torjäger. „Ich hatte eine Technik wie ein Brasilianer und habe das allein mit dem Ball gelernt. Ich brauchte kein ausgefallenes Programm, kein ausgefallenes Training und nicht einmal Teamkollegen. Es ist eigentlich eine ganz einfache Formel.“   

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