Schwierige Zeiten nach Fischers Abschied Zeit für einen Aufbruch

Bei Werder Bremen hat die Zeit nach Klaus-Dieter Fischer begonnen. Die Zeiten sind hart für Werder und der Verein muss sich mit neuem Personal neu erfinden.
25.11.2014, 19:40
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Zeit für einen Aufbruch
Von Marc Hagedorn

Offiziell war bei Werder seit gut einer Stunde die neue Zeitrechnung angebrochen. Die Zeit nach Klaus-Dieter Fischer. Die Mitglieder hatten ihn gerade einstimmig zum ersten Ehrenpräsidenten in der Geschichte von Werder Bremen gewählt. Fischer selbst hatte eine Bilanz seiner 45-jährigen Tätigkeit in leitender Funktion gezogen, die in dem Fazit gipfelte: „Es waren 45 geile Jahre.“

Fischers Nachfolger als Präsident, Dr. Hubertus Hess-Grunewald, der ab dem 1. Januar auch in die Geschäftsführung aufrückt, hatte gesagt: „Du bist der größte Werderaner, den der Verein in seinen 116 Jahren hervorgebracht hat.“ Thomas Eichin schließlich, Fischers Kollege in der Geschäftsführung, sagte: „Ich habe einen brutalen Respekt vor deiner Lebensleistung.“ Lang anhaltender Beifall war Fischer in jedem dieser Momente gewiss.

Die Ära Klaus-Dieter Fischer, so sah es das Drehbuch der Mitgliederversammlung vor, hatte ihren monumentalen Abschluss gefunden. Jetzt sollen andere Köpfe den Klub repräsentieren, prägen und wieder nach oben führen. Klaus Filbry. Marco Bode. Thomas Eichin. Rouven Schröder. Viktor Skripnik. Torsten Frings. Doch die Schatten der Vorgänger und der Vergangenheit sind lang, und das merkte man nicht nur daran, dass kurz vor Ende der Veranstaltung doch noch einmal Fischer in den Mittelpunkt rückte. Aber ein Vereinsmitglied hatte tatsächlich angeregt, Klaus-Dieter Fischer für das Bundesverdienstkreuz vorzuschlagen.

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Werder muss sich neu erfinden, aber das ist nun nicht mehr Fischers Job. Die Zeiten sind hart, und es wird nicht leichter werden, Geld zu verdienen, wenn sich nicht bald sportlicher Erfolg einstellt oder sich ein potenter strategischer Partner findet. Platz 17 in der Liga, das nächste Minus in Millionenhöhe – umso erstaunlicher wirkte die Vision, die Klaus Filbry am Montag entwarf.

Jeden Tag, so erzählte der Vorsitzende der Geschäftsführung, blicke er in seinem Büro auf ein Bild, das die Doublehelden aus dem Jahr 2004 bei ihren Feierlichkeiten auf dem Rathausbalkon zeigt. „Meine Motivation ist es, dass Werder Bremen irgendwann wieder auf diesem Rathausbalkon steht“, sagte Filbry. Ist das nun realitätsfern? Pure Träumerei? Oder sind solche Sätze Ausdruck eines neuen Selbstbewusstseins? Seit ein paar Jahren ist im Zusammenhang mit Werder Bremen von Sparen, von sportlichem Qualitätsverlust und heruntergeschraubten Ansprüchen die Rede. Werder, hatte man zuletzt das Gefühl, war nicht nur kleiner geworden, sondern machte sich auch noch klein. Dauerhaft kann das für einen Standort mit 51-jähriger Bundesliga-Tradition aber keine Perspektive sein. Also neue, mutige Ziele.

„Mir wird seit einiger Zeit viel zu sehr über Geld und Zahlen geredet“, hatte Eichin kürzlich in einem Gespräch mit dieser Zeitung gesagt, „es geht um Punkte und Platzierungen.“ Das Kerngeschäft von Werder, sollte das heißen, ist: der Fußball.

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Die Aufgabenverteilung für diesen Bereich ist klar, hier wähnt sich Werder gut aufgestellt. Eichin will clevere Transfers tätigen, Rouven Schröder soll ihm dabei mit seiner Spürnase helfen und außerdem dafür sorgen, dass noch schneller und einfacher Nachwuchsleute in der Profimannschaft landen, die vom Duo Skripnik/Frings Schritt für Schritt nach oben geführt wird. So weit der Plan.

Dass aktuell der Sturz in die zweite Liga droht, dass es noch immer zu viele Spieler im Kader gibt, bei denen Leistung und Bezahlung, Anspruch und Wirklichkeit auseinanderklaffen, dass sich in den vergangenen eineinhalb Jahren Talente nur im Ansatz, aber noch nicht nachhaltig durchgesetzt haben – davon wurde am Montag nicht gesprochen. Doch die Nachfragen werden kommen. Allerspätestens im nächsten November bei der nächsten Mitgliederversammlung, zur der Werder besser als Erstligist einladen sollte.

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