Werder-Einzelkritik Zu viele Werder-Profis sind höchstens Mittelmaß

Bremen. Insgesamt 27 Profis hat Werder Bremens Trainer Thomas Schaaf in der Rückrunde eingesetzt. Die Bilanz der Spieler nach dieser Saison macht deutlich, dass viele unter ihren Möglichkeiten geblieben sind. Vieles ist nur Durchschnitt gewesen.
10.05.2012, 05:00
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Zu viele Werder-Profis sind höchstens Mittelmaß
Von Marc Hagedorn

Bremen. Es gibt zurzeit nicht viel zu lachen bei Werder, und trotzdem versuchte es Klaus Allofs am Sonnabend nach der 2:3-Heimniederlage gegen Schalke zum Saisonausklang mit einer Prise Humor. Gefragt danach, was ihm zur schlechtesten Werder-Rückrunde in der Bremer Bundesliga-Geschichte einfalle, sagte der Werder-Boss: "So geht man in die Geschichte ein."

Bisher hatte Allofs seinen Platz in der Werder-Geschichtsschreibung als Baumeister des Erfolges und als Spürnase für clevere Einkäufe. Seit einiger Zeit überwiegen in der Transferbilanz indes die Fehlgriffe. Verpflichtungen wie Sokratis im vergangenen Sommer, die sich als Volltreffer erweisen, sind die Ausnahme.

Dass Werder trotzdem einen Kader der Kostenklasse Champions League besitzt, aber nicht mal mehr Fußball spielt, der für die Europa League reicht, erweist sich für Allofs und Cheftrainer Thomas Schaaf zunehmend als Problem. Sie stehen wie nie zuvor in der Kritik. Die Bilanz der Spieler nach dieser Saison macht deutlich, dass viele unter ihren Möglichkeiten geblieben sind, vieles war nur Durchschnitt, wie auch die Noten zeigen, die die Sportredaktion nach jedem Werder-Spiel vergibt.

Tim Wiese (28 Spiele/0 Tore/1 Vorlage; Note: 2,88)

Werders Nummer eins spielte eine ordentliche, aber keine überragende Saison. Das hat er indirekt von Joachim Löw bestätigt bekommen. Denn der Bundestrainer nominierte in Absprache mit Torwarttrainer Andreas Köpke den Gladbacher Marc-Andre ter Stegen als vierten Mann für die Europameisterschaft. Köpke erklärte das Rennen hinter Stammkeeper Manuel Neuer für offen. Wiese lieferte für Werder starke Spiele, wie in Hamburg oder gegen Hannover und in Köln. Er sah aber bei verhältnismäßig vielen Gegentoren auch nicht gut aus, wie in Gladbach, Stuttgart, gegen Leverkusen oder in Freiburg. Dass er nun statt zu Real oder Milan nach Hoffenheim wechselt, passt zu einer Saison, die nicht nach seinen Wünschen verlaufen ist.

Sebastian Mielitz (7 Spiele/0 Tore/0 Vorlagen ; Note: 2,79)

Der 22-Jährige ist ein Ersatztorwart, wie ihn sich jeder Trainer wünscht: jung, lernwillig und zuverlässig, wenn er gebraucht wird. In der Rückrunde war das zweimal der Fall, als Wiese mit einer Gesichtsverletzung ausfiel. In Dortmund machte Mielitz seinen Job richtig gut, gegen Augsburg solide. Sein Weg wird spannend: Er könnte Werders neue Nummer eins werden – je nachdem, wer als Wiese-Ersatz kommt. Holt Werder einen zweiten, ambitionierten Torwart? Oder kommt ein Mann, der sich kommentarlos auf die Ersatzbank setzt?

Francois Affolter (13 Spiele/0 Tore/0 Vorlagen ; Note: 4,12)

Der Wintereinkauf aus der Schweiz hat schon angekündigt, dass er seiner Perspektive bei Werder zuliebe auf eine Olympiateilnahme in London verzichten würde. Wenn er mitten in der heißen Phase der Vorbereitung in Bremen fehlte, würde das seine Chancen auf einen Platz in der Innenverteidigung schmälern. Aber auch so wird es nicht leicht für den 21-Jährigen, wenn die Konkurrenz am Ende tatsächlich Naldo, Sokratis und Prödl heißt.

Sebastian Prödl (16 Spiele/2 Tore/1 Vorlage ; Note: 3,42)

Vom Pechvogel zum Hoffnungsträger – nach vier von Verletzungen gekennzeichneten Jahren soll er ein Gesicht des Neuaufbaus sein. Insgesamt hat er sich in seiner Bremer Zeit kontinuierlich entwickelt, er ist inzwischen auch ein Typ, dessen Wort Gewicht hat. Die Qualität eines gesunden Naldo oder Sokratis hat er aber noch nicht.

Naldo (18 Spiele/3 Tore/0 Vorlagen; Note: 3,00)

Am Sonnabend beim Saisonabschluss ließ ihn Thomas Schaaf auf der Bank. Naldo hatte vier Tage lang mit dem Training pausiert, für ihn spielte Prödl, der top-fit war. Ein Fingerzeig für die Zukunft sei die Entscheidung Pro-Prödl deshalb auch nicht gewesen, sagte Allofs. Naldo gilt nach wie vor offiziell als unverzichtbar. Gleichwohl gilt auch: Naldo denkt in regelmäßigen Abständen über eine Rückkehr nach Brasilien nach.

Sokratis (30 Spiele/1 Tor/0 Vorlagen ; Note: 2,98)

Er war Werders bester Spieler der Rückrunde. Der griechische Nationalspieler ist vom Typ her Führungsspieler: mutig, kompromisslos. Er soll eine zentrale Figur bei der Runderneuerung der Mannschaft sein, ihn will Werder nicht hergeben. Jetzt spielt er erstmal bei der Europameisterschaft.

Florian Hartherz (10 Spiele/0 Tore/0 Vorlagen; Note: 3,75)

Der 18-jährige Linksverteidiger war der Senkrechtstarter, stand vom 19. bis 28. Spieltag zehn Mal in Folge in der Startelf. Nach vielversprechendem Beginn ließen seine Leistungen später aber nach, dann verletzte er sich auch noch. Trotzdem verkörpert er die neue Zeit bei Werder.

Aleksandar Stevanovic (3 Spiele/0 Tore/0 Vorlagen; Note: 3,75)

Auch den 20-jährigen Serben hält Klaus Allofs für einen Spieler, der bei Werder künftig bessere Chancen hat, ins Team zu rücken. Zweimal tat er das zuletzt; gegen Bayern und gegen Wolfsburg. Gegen Bayern überraschte er mit einem mutigen Auftritt, gegen Wolfsburg lief es nicht so gut.

Mikael Silvestre (1 Spiel/0 Tore/0 Vorlagen; Note: 4,50)

Als sich Prödl seine schlimme Kopfverletzung zuzog, musste er einspringen. Sein 61-minütiger Einsatz gegen Kaiserslautern blieb sein einziges Spiel. Der 34-Jährige wird als vorbildlicher Profi in Erinnerung bleiben. Sportlich spielte er in seinem zweiten Bremer Jahr keine Rolle mehr.

Sebastian Boenisch (4 Spiele/0 Tore/0 Vorlagen; Note: 3,50)

Der polnische Nationalspieler weiß seit Wochenbeginn, dass er eine Zukunft in Bremen hat. Damit war nach mehr als einjähriger Verletzungs- und Leidenszeit nicht zu rechnen gewesen. Im Saisonendspurt deutete er sein Potenzial immerhin an.

Aleksandar Ignjovski (26 Spiele/0 Tore/1 Vorlage; Note: 4,00)

"Iggy" rannte, grätschte und kratzte sich schnell in die Herzen der meisten Fans. Der Defensivallrounder ist ein Spieler, den man gern in seiner Mannschaft hat, weil er unangenehm für jeden Gegenspieler ist. Der nächste Schritt für ihn wird sein, im Vorwärtsspiel effektiver zu werden.

Lukas Schmitz (26 Spiele/0 Tore/4 Vorlagen; Note: 3,93)

Einerseits war er sehr produktiv als gefährlicher Flankengeber. Andererseits war sein taktisches Verhalten in der Rückwärtsbewegung stets ein Risiko. Ob er es schafft, das Verhältnis zwischen defensiver Sicherheit und offensivem Output in ein gesundes Verhältnis zu bringen?

Clemens Fritz (32 Spiele/1 Tor/3 Vorlagen; Note: 3,34)

Der Kapitän spielte dort, wo er benötigt wurde, mal hinten rechts, dann rechts im Mittelfeld, dann auf der Sechs. Er tat dies in Sachen Einsatz vorbildlich. Am wertvollsten erschien er im Mittelfeld, wenn er seine Offensivqualitäten zeigte.

Philipp Bargfrede (23 Spiele/0 Tore/ 1 Vorlage; Note: 3,89)

Es war nicht seine Rückrunde. Eine Verletzung reihte sich an die nächste, weshalb er nie in Tritt kam. Unterm Strich war seine dritte Profisaison eine Fortsetzung der zweiten Spielzeit. So konstant gut wie in seinem ersten Jahr war er seitdem nicht mehr.

Aaron Hunt (18 Spiele/3 Tore/4 Vorlagen; Note: 3,25)

Auch wenn die ersten Zuschauer am Sonnabend beim Spiel gegen Schalke schnell wieder murrten, wenn dem Mittelfeldmann eine Aktion misslang – er ist Werders kreativster Spieler. Er kann überraschende Pässe spielen, hat ein gutes Auge und eine gute Technik. Das Problem: Manchmal gelingt ihm trotzdem nicht viel.

Mehmet Ekici (21 Spiele/1 Tor/4 Vorlagen; Note: 4,25)

Er hätte – wie Hunt – im zentralen Mittelfeld ein Mann fürs Außergewöhnliche sein sollen. Sein erstes Bremer Jahr wird er allerdings schnellstens abhaken wollen. Wirkte nie auf der Höhe seines Könnens. Das nächste Jahr kann nur besser werden. Vielleicht in neuer Rolle?

Tom Trybull (15 Spiele/1 Tor/2 Vorlagen; Note: 3,97)

Neben Niclas Füllkrug und Florian Hartherz der dritte hoffnungsvolle Neuling. Ein guter Fußballer moderner Prägung. Allerdings gerade mal 19 Jahre jung und damit einer, der noch Zeit zum Reifen braucht.

Florian Trinks (6 Spiele/0 Tore/0 Vorlagen; Note: 4,17)

Von ihm hat Klaus Allofs eine ganz hohe Meinung – mehr als andeuten konnte der Blondschopf sein Talent aber bisher nicht. Im Gegenteil: Wenn Schaaf ihn mal spielen ließ, wirkte er unglücklich, gerade so, als wolle er zu viel auf einmal.

Tim Borowski (1 Spiel/0 Tore/0 Vorlagen; Note: 4,00)

Schön für ihn, dass er am letzten Spieltag noch einmal die Gelegenheit bekam, in der Startelf zu stehen. Möglicherweise der Beweis für ihn, dass ein, zwei Jahre Profifußball noch in ihm stecken – diese dann aber nicht mehr in Bremen.

Marko Marin (21 Spiele/1 Tor/5 Vorlagen; Note: 3,66)

An ihm scheiden sich die Geister: Dribbelkönig? Von Schaaf falsch eingesetzt? Ein Mann für Großtaten? Auch nach drei Jahren in Bremen lässt sich keine verlässliche Antwort darauf geben. Vielleicht weiß man mehr, wenn er beim FC Chelsea spielt.

Felix Kroos (1 Spiel/0 Tore/0 Vorlagen; keine Note)

Spielte 14 Minuten lang beim 0:1 in Dortmund. Ob er in Schaafs künftigen Planungen eine größere Rolle übernimmt?

Zlatko Junuzovic (15 Spiele/0 Tore/3 Vorlagen; Note: 4,13)

Er bringt alles mit, um ein Spieler zu werden, den die Fans mögen. Er kämpft, er läuft, er ist ehrgeizig. In Österreich war er einer der ideenreichsten Mittelfeldspieler, die Umstellung auf die hiesige Bundesliga hat er noch nicht geschafft.

Lennart Thy (3 Spiele/0 Tore/0 Vorlagen; Note: 4,50)

Zwischen seinem zweiten und dritten Saisoneinsatz lagen 25 Spieltage, gegen Augsburg wurde er kurz vor Schluss eingewechselt. Werder hätte mit ihm verlängern und ihn dann ausleihen wollen. Er entschied sich, den Klub zu verlassen.

Claudio Pizarro (29 Sp./18 Tore/10 Vorlagen; Note: 3,34)

Bester Torschütze, bester Vorlagengeber – einziger Stürmer von internationalem Top-Format trotz seiner inzwischen fast 34 Jahre. Wenn er bleibt, hat Werder einen verlässlichen Torschützen – wenn er geht, ein Problem.

Marko Arnautovic (19 Spiele/6 Tore/0 Vorlagen; Note: 3,77)

Sein zweites Jahr bei Werder war besser als sein erstes, aber immer noch nicht so gut, wie man es sich bei Werder wünschen würde. In der nächsten Saison muss er konstant auf hohem Niveau spielen – nicht weniger wird man von ihm erwarten.

Niclas Füllkrug (11 Spiele/1 Tor/0 Vorlagen; Note: 4,13)

Sein Tor gegen Augsburg war sein größter Moment als Fußballer bisher. Wie viele noch dazu kommen? Schwer zu sagen. Er ist schnell und war in den diversen deutschen Junioren-Nationalmannschaften eine feste Größe, Thomas Schaaf traut ihm einiges zu.

Markus Rosenberg (33 Sp./10 Tore/5 Vorlagen ; Note: 3,93)

Ironie, dass er nach seiner statistisch zweitbesten Saison gehen muss. Die Entscheidung der Sportlichen Leitung ist aber nachvollziehbar. Rosenberg traf zwar nach Pizarro am meisten, allerdings gab es auch viele Spiele, in denen er überhaupt nicht in Erscheinung trat. Trotzdem: Wer auch immer sein Nachfolger wird, zehn Tore wollen erstmal geschossen werden.

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