Ex-Bremer Fröde drückt Werder die Daumen Zurück am Osterdeich

Ex-Werder-Profi Lukas Fröde hat sich mit dem MSV Duisburg in der Zweiten Fußball-Bundesliga etabliert und will heute Abend gegen den 1. FC Köln seinen alten Kollegen zusehen.
12.03.2018, 13:26
Lesedauer: 4 Min
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Zurück am Osterdeich
Von Markus Peters

Friedhelm Funkel kann es beurteilen. Der 64-jährige Coach von Fortuna Düsseldorf kennt das Fußball-Profigeschäft wie kaum ein zweiter Trainer und hat alleine mehr Erfahrung auf dem Buckel als die „jungen Wilden“ der Gilde in der Bundesliga, Domenico Tedesco, Julian Nagelsmann, Thomas Tuchel und Florian Kohfeldt, zusammen. Nach dem siegreichen Gastspiel der Fortunen beim MSV Duisburg, einer seiner vielen Ex-Clubs, lobt Funkel in der Pressekonferenz am Sonntag den ebenbürtigen Gegner in höchsten Tönen. Vor einem Spieler bekundet Funkel besonderen Respekt: vor Lukas Fröde.

Doch von diesem Lob aus berufenem Munde kann sich der 23-jährige Mittelfeldspieler nach dem Spiel aber nichts kaufen. Entsprechend enttäuscht ist er nach dem Spiel: „Wir waren absolut auf Augenhöhe“, sagt der gebürtige Fuldaer. Trotz der 1:2-Niederlage im Spitzenspiel gegen den Tabellenführer hat sich der Wechsel nach Duisburg für den ehemaligen Jung-Werderaner klar ausgezahlt. Der Defensivstratege ist im zentralen MSV-Mittelfeld neben Spielgestalter Fabian Schnellhardt gesetzt. Dabei profitierte Fröde allerdings auch von der langwierigen Sprunggelenksverletzung, die sich sein Konkurrent auf der Position, Tim Albutat, in der Saisonvorbereitung zugezogen hatte. Selbst die unnötige gelb-rote Karte im Saisonauftaktspiel bei Dynamo Dresden warf den 23-Jährigen nicht zurück. 24 Saisonspiele stehen für Fröde derzeit zu Buche. Er gilt als einer der besten Sechser in der Zweiten Liga. In der gefährlichen Zone vor dem eigenen Strafraum hat der 1,92 Meter große Spieler die absolute Lufthoheit, verliert aber auch am Boden kaum einen Zweikampf und leitet das Spiel immer wieder mit Pässen auf die schnellen Außenspieler des MSV Duisburg, Ahmet Engin, Moritz Stoppelkamp und Cauly Souza, ein. Fröde spielt einen modernen Sechser. Der reine Zerstörer hat auf dieser Position ausgedient.

Schwerer Abschied von Werder

Über die Würzburger Kickers fand Fröde den Weg an die Wedau: „Ich hatte einige Optionen, aber beim MSV Duisburg einfach das beste Gefühl“, sagt er. Speziell die guten Gespräche mit Manager Ivo Grlic und Coach Ilia Gruev, dessen Sohn Ilia übrigens für die U 19 bei Werder Bremen aktiv ist und der die professionelle Nachwuchsarbeit bei den Grün-Weißen sehr schätzt, hätten Ausschlag dazu gegeben, nach dem unglücklichen Abstieg der Kickers in Duisburg anzuheuern.

Eine Entscheidung, die auch bei seinen ehemaligen Bremer Mannschaftskameraden auf Wohlwollen stieß: „Rafael Kazior, der Kapitän der Zweiten, hatte selbst in der Vergangenheit bei den Zebras gespielt und gratulierte sofort. Felix Wiedwald, der ebenfalls aus der Werder-Jugend stammt und beim MSV Duisburg seine ersten Schritte als Profi gemacht hatte, schickte eine SMS: „Zebrastreifen weiß und blau, das ist nur der MSV.“ Und sein ehemaliger Co-Trainer Florian Bruns schickte zur Eingewöhnung den Link zum „Zebratwist“, der ältesten Vereinshymne im Deutschen Profifußball.

Dabei ist Fröde der Abschied von Werder alles andere als leicht gefallen. „Ich bin als 15-Jähriger nach Bremen gekommen. Das war meine Welt“, erinnert sich Fröde, „es hat schon sehr wehgetan.“ Am Osterdeich war er vom Jugendspieler zum Jungprofi gereift, doch zu mehr als nur einen Einsatz am 20. Februar 2016 bei der 0:2-Niederlage beim FC Ingolstadt über die volle Distanz reichte es nicht. Alle anderen elf Einsätze mit insgesamt 36 Spielminuten in der Fußball-Bundesliga absolvierte Fröde als Einwechselspieler. Oft nur für eine kurze Minute, um eine Führung über die Zeit zu retten.

„Wichtig war für mich, mehr Spielzeit zu bekommen“, sagt Fröde. In der Winterpause 2016/2017 setzte er sich mit Frank Baumann zusammen und analysierte seine Situation. „Wir waren uns einig, dass ein Wechsel für mich als Spieler das Beste wäre.“ Die Erkenntnis, dass kein Spieler auf der Ersatzbank oder der Tribüne besser wird, setzte sich durch: „Als junger Spieler brauchst du Praxis.“

Viel Kontakt zu ehemaligen Werder-Kollegen

Die hat Fröde in Würzburg und Duisburg bekommen und sich in der 2. Bundesliga etabliert. 24 Spiele stehen bisher zu Buche. Beim MSV fühlt sich Fröde pudelwohl. „Ich habe den Schritt bisher keine Sekunde bereut. Das ist wie Werder ein absoluter Traditionsverein“, sagt er und zeigt zur Wand, auf der Vereinslegenden wie Bernard Dietz, Kurt Jara, Ronnie Worm, Ewald Lienen oder der unlängst verstorbene legendäre Stürmerstar Michael Tönnies abgebildet sind. Auch privat hat er sich gut eingerichtet, wohnt jenseits des großen Stadtwaldes in Mülheim an der Ruhr. „Eine schöne Wohnung mitten im Grünen, fünf Autominuten vom Stadion und 15 Autominuten vom Trainingsgelände entfernt.“

Zu seinen ehemaligen Kollegen bei Werder hält der 23-Jährige immer noch Kontakt. „In der Rommé-Runde ist täglich was los“, lacht Fröde. Zu dieser Whatsapp-Gruppe gehören der nach Budapest gewechselte Linksverteidiger Janek Sternberg, Physiotherapeut Holger Berger und sein ehemaliger Zimmerkamerad Maximilian Eggestein. Heute Abend möchte Fröde mal wieder im Weser-Stadion vorbeischauen: „Levent Aycicek ist in der Stadt. Wir haben einen freien Tag und ich will zum Spiel gegen den 1. FC Köln vorbeischauen.“

Auf Dauer allerdings möchte es der 23-Jährige nicht bei der Rolle als Zuschauer belassen und selbst wieder auf dem Rasen des Weserstadions stehen: „Klar, die Erste Liga bleibt mein Ziel“, sagt er und zitiert seinen Trainer Ilia Gruev: „Zufriedenheit ist Stillstand.“ Doch das hat für Fröde noch Zeit, sein Vertrag in Duisburg läuft noch bis zum Sommer 2019. Von einem möglichen Durchmarsch mit dem MSV will er nichts wissen. „Wir müssen sehen, woher wir kommen. Wir sind Aufsteiger und haben bisher eine starke Saison gespielt. 37 Punkte nach 26 Spieltagen, das hätten wir vor der Saison sofort unterschrieben. Doch die Liga ist brutal eng. Vereine, die alle oben auf dem Zettel hatten, stehen in Tabellenkeller“, urteilt der Mittelfeldspieler. Und in der kommenden Saison könnten mit dem Hamburger SV und dem 1. FC Köln zwei absolute Schwergewichte hinzukommen, die das Unterhaus noch attraktiver machen.

Ob er in der Ersten Liga lieber für den MSV oder für Werder auflaufen würde: „Am liebsten für beide“, lacht Fröde und bleibt diplomatisch. Und er wäre auch nicht der erste Spieler, der für beide Vereine als Profi am Ball war. Den Weg von der Wedau an die Weser haben vor ihm neben Felix Wiedwald (über Frankfurt) schon Sandro Wagner und Cedric Makiadi (via Freiburg) gewählt. Doch im Moment hat Fröde erst mal Pause. Beim nächsten Saisonspiel im Braunschweig ist er wegen der 10. Gelben Karte gesperrt, danach ist Länderspielpause. Fröde kann erst am Ostersamstag wieder eingreifen, wenn es gegen den Tabellenletzten 1. FC Kaiserslautern geht. Dann vielleicht wieder mit viel Lob aus berufenem Trainer-Munde, aber mit einem besseren Ergebnis.

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