Osako taucht ab

Zuschauer statt Schlüsselspieler

Yuya Osako sollte bei Werder in dieser Saison eigentlich eine zentrale Figur sein, doch nach einem Topstart ist er inzwischen fast komplett abgetaucht. Zuletzt saß der Japaner sogar 90 Minuten auf der Bank.
04.02.2020, 12:38
Lesedauer: 3 Min
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Zuschauer statt Schlüsselspieler
Von Malte Bürger
Zuschauer statt Schlüsselspieler

Yuya Osako ist aktuell weit von seiner Topform entfernt.

nordphoto

Es ist ruhig geworden um Yuya Osako. Und das ist keine wirklich schöne Entwicklung. Nicht für den Japaner und schon gar nicht für Werder. Osako ist nämlich schon lange keine zentrale Figur mehr, momentan ist er nicht einmal mehr einer von vielen. Stattdessen ist der 29-Jährige mittlerweile vermehrt Zuschauer – so wie zuletzt bei der Niederlage gegen den FC Augsburg. Auch in den beiden Partien zuvor hatte er es gerade einmal auf addierte 26 Spielminuten gebracht. Dabei stottert die Bremer Offensive doch so gewaltig und Osako sollte eigentlich einer der Männer sein, der sie in die richtigen Bahnen lenkt. Gerade jetzt.

Es ist nicht das erste Mal, dass Yuya Osako sportlich abtaucht, wenn es ernst wird. Schon vor zwei Jahren war das so, als er damals noch im Trikot des 1. FC Köln nur selten den Anschein erweckte, den drohenden Abstieg verhindern zu können. Eventuelle Parallelen zur jetzigen Situation will sein Trainer aber nicht ziehen. „Zur Kölner Zeit möchte ich nichts ­sagen, das steht mir nicht zu“, sagt Florian Kohfeldt stattdessen. „Ich erlebe ihn schon so, dass er alles probiert und versucht, sich gegen die Gesamtsituation zu wehren.“ Seinen eigentlich sicheren Stammplatz hat Osako dennoch verloren, weil es bei ihm schon länger nicht mehr läuft. „Natürlich ist Yuya nicht zufrieden mit sich, das merkt man im Training“, sagt Kohfeldt, „aber es gibt auch da Erklärungsansätze“.

Werders Trainer bemüht dafür den Blick in die Vergangenheit. „Bis zum Hinspiel gegen Union Berlin, das jetzt bald ein halbes Jahr her ist, war er in einer herausragenden Form“, erinnert sich Kohfeldt. „Beim 3:2 gegen Augsburg war er zuvor für mich der beste Mann auf dem Platz.“ Als zweifacher Torschütze und Matchwinner durfte sich Osako damals feiern lassen, doch nach dem Topstart ging mehr und mehr die Luft aus. „Er hatte dann leider eine Muskelverletzung, die für ihn sehr ungewöhnlich war, weil er so etwas noch nie hatte“, erzählt Kohfeldt. Die Folge: Osako wurde immer unsicherer, wunderte sich über den Zustand des eigenen Körpers und verlor ein wenig den Glauben an die eigene Belastbarkeit. „Er hat sehr lange gebraucht, bis er wieder Vertrauen in seinen Oberschenkel gefasst hatte“, sagt Kohfeldt.

Doch so richtig rund lief es auch danach nicht. Werder stürzte in der Liga ab, Osako fand nicht zu seinem gewünschten Leistungsniveau zurück. Als es dann im Januar ins Trainingslager nach Mallorca ging, musste der Asiate erneut kurzfristig aussetzen. Ihm war nicht Schlimmes passiert, aber erneut hatte es auf dem Weg zur zwingend notwendigen Lockerheit einen leichten Rückschlag ge­geben. „Jetzt trainiert er seit zwei Wochen wieder – und so wie er sagt, erstmals wieder richtig frei.“ Da geht also noch was, könnten die Worte Florian Kohfeldts übersetzt wohl auch heißen.

Wie groß die Wertschätzung des Coaches für seinen Spieler ist, ist hinlänglich bekannt. Noch im Sommer war Osako als zentrale Figur vorgesehen und dementsprechend mit Vorschusslorbeeren überschüttet worden. „Ich bereue keine meiner Aussagen“, betont Florian Kohfeldt auch jetzt noch. „Vom grundsätzlichen Potenzial her und von dem, was er damals abgerufen hat, war Yuya ein Schlüsselspieler für uns. Und wenn er wieder in Form kommt, kann er das definitiv wieder sein.“

Doch auch ihm ist bewusst, dass die erwünschte Wiederauferstehung nicht einfach so von einem Tag auf den nächsten passieren wird. Der Weg wird wesentlich länger sein. „Ich bin weiter dabei, mit ihm zu sprechen sowie Laufwege und Stärken aufzuzeigen, um ihn wieder in diese Form bringen. Daran arbeiten wir gemeinsam“, sagt Kohfeldt, der Osako deshalb zumindest teilweise in Schutz nimmt. „Nun zu sagen, dass er sich nicht gegen Situationen stemmt, in denen es nicht so läuft, wäre mir etwas zu pauschal. Aber natürlich verstehe ich den Ansatz, weil wir alle einer Meinung sind, dass er aktuell nicht in seiner Topform ist.“

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