Werder verpasst Sieg gegen Frankfurt

Zwei Geniestreiche reichen nicht

Werder spielte stark, Werder hatte erneut richtig viele Chancen - auch gegen das so offensivstarke Eintracht Frankfurt. Und trotzdem belohnten sich die Bremer wieder einmal nicht. Am Ende stand es 2:2 (1:1).
27.01.2019, 07:16
Lesedauer: 4 Min
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Zwei Geniestreiche reichen nicht
Von Malte Bürger

Florian Kohfeldt veränderte seine Mannschaft gegenüber der Vorwoche auf zwei Positionen. Zumindest in einem Fall tat er das nicht ganz freiwillig. Milot Rashica, Matchwinner aus dem Spiel gegen Hannover 96, musste aufgrund von Rückenproblemen passen. Die Beschwerden sorgten sogar dafür, dass der 22-Jährige, der in der Hinrunde mit einem traumhaften Freistoßtreffer den Sieg in Frankfurt gesichert hatte, nicht einmal auf der Bank saß. Für ihn rückte Johannes Eggestein, der zuletzt wegen einer Blessur am Sprunggelenk hatte zuschauen müssen, in die Startformation.

Den zweiten Tausch nahm Werders Coach im Defensivverbund vor. Erwartungsgemäß rückte Philipp Bargfrede anstelle von Nuri Sahin wieder ins Team, die Robustheit des 29-Jährigen sollte dabei helfen, die Frankfurter Angriffsstärke möglichst von Beginn an einzudämmen. Dabei ließ sich Bargfrede immer wieder zwischen die beiden Innenverteidiger, die an diesem Abend erneut Niklas Moisander und Sebastian Langkamp hießen, zurückfallen, sodass eine Dreierkette entstand.

Werder übernimmt Kontrolle

Die erste gute Gelegenheit hatte Werder: Davy Klaassen schickte Martin Harnik auf die Reise, der dann allerdings jegliche Entschlossenheit vermissen ließ und mit seinem Abspiel so lange wartete, bis die Chance verpufft war (6.). Fast im Gegenzug wurden dann auch die Gäste offensiv auffällig. Die Bremer bekamen den Ball nicht sauber geklärt, Luka Jovic probierte es artistisch mit einem Seitfallzieher - doch Jiri Pavlenka hatte aufgepasst (9.). Nur wenige Augenblicke danach wurde es wieder auf der Gegenseite brenzlig. Nach einer Ecke von Ludwig Augustinsson legte Sebastian Langkamp per Kopf für Martin Harnik auf, der bei seinem Fallrückzieher aber den Ball nicht genau traf (12.).

Die Kohfeldt-Elf war also recht gut in die Anfangsviertelstunde gekommen und mühte sich auch im weiteren Verlauf um die Spielkontrolle. Und trotzdem fehlte nicht viel und beinahe hätten die Hessen geführt. Bei einem Freistoß aus dem Halbfeld von Jonathan de Guzman wirkte Werder völlig unsortiert, Sebastien Haller verfehlte nur knapp per Kopf das Tor (18.). Einige Sekunden später stieg Haller erneut bei einer Hereingabe hoch, beim folgenden Luftduell mit Sebastian Langkamp prallten beide Akteure mit den Köpfen zusammen - der Bremer trug eine blutende Platzwunde oberhalb der linken Augenbraue als Andenken davon. Nach etwas längerer Behandlung kehrte der 31-Jährige aber vorerst aufs Feld zurück.

Überragendes Eggestein-Tor

Langkamp kam gerade rechtzeitig, um den großen Auftritt von Maximilian Eggestein zu sehen. Der Junioren-Nationalspieler war nach einer schönen Vorarbeit von Max Kruse und Martin Harnik an den Ball gekommen und bat anschließend zum Tanz. Gleich drei Frankfurter ließ Eggestein sehenswert aussteigen, ehe er sicher zum 1:0 traf (27.). Für den 22-Jährigen war es das fünfte Saisontor. Und Werder machte weiter. Nach einer flachen Hereingabe von Augustinsson kam Kruse an der Strafraumkante zum Abschluss, sein Schuss geriet aber zu unplatziert und war kein Problem für Gäste-Keeper Kevin Trapp (33.).

Die gute Stimmung im Weserstadion erhielt allerdings einen gehörigen Dämpfer: Weil Werder in der Rückwärtsbewegung viel zu viel Platz gewährte, durfte Ante Rebic nahezu ungehindert Maß nehmen und den Ball unhaltbar an Pavlenka vorbei ins Netz schlenzen (35.). Alle Beschwerden, dass es bei der Entstehung des Treffers ein Handspiel auf Frankfurter Seiten gegeben hatte, halfen nicht - es blieb beim 1:1.

Veljkovic kommt für Langkamp

Für Sebastian Langkamp war nach dieser Szene Schluss. Aufgrund der Folgen seines vorherigen Zusammenpralls musste er nun für Milos Veljkovic weichen. Viel fehlte nicht und der Serbe hätte sofort jubeln dürfen. Erneut war Maximilian Eggestein vor dem gegnerischen Tor aufgetaucht, dieses Mal setzte er den Ball jedoch an den Pfosten (39.). Nur drei Minuten danach hatte sein Bruder Johannes nach einem blitzschnellen Konter die Gelegenheit zur abermaligen Führung, doch er zielte einerseits zu ungenau und übersah zugleich die besser postierten Nebenleute (42.). So ging es mit dem Unentschieden in die Kabine, wobei sich die Heimelf wieder einmal ärgern durfte, aus den vielen guten Möglichkeiten zu wenig gemacht zu haben. Die Eintracht schlug dagegen eiskalt zu und sorgte so für den etwas schmeichelhaften Zwischenstand zur Pause.

Nach dem Seitenwechsel dauerte es magere sechs Minütchen, ehe Werder wieder zauberte. Max Kruse spielte einen überragenden Pass auf Martin Harnik, der allein auf Kevin Trapp zulief, diesen frech umspielte und dann ins leere Tor traf (52.). Und Werder wollte nachlegen. Nach einer starken Balleroberung im Mittelfeld durfte dieses Mal Kruse allein auf Trapp zurauschen, seinen schönen Heber lenkte der Torhüter aber gerade noch zur Ecke (56.). Dass die Bremer bis zu diesem Zeitpunkt so gut spielten, hatte auch viel mit einer guten Leistung Philipp Bargfredes zu tun. Umso ärgerlicher war es, dass dieser nach 63 Minuten die Gelbe Karte sah - es war seine fünfte in dieser Saison, wodurch er nächste Woche gegen Nürnberg fehlen wird.

Augustinsson im Pech

Und die schlechten Nachrichten rissen nicht ab. Ludwig Augustinsson kam bei einem Zweikampf im eigenen Strafraum zu Fall und stürzte unglücklich mit der Hand auf den Ball. Den folgenden Elfmeter verwandelte Haller sicher zum abermaligen Ausgleich (68.). Der Treffer zeigte kurz Wirkung, ehe Werder eine Viertelstunde vor Schluss wieder Schwung aufnahm. Erst wurde ein Schuss von Johannes Eggestein gerade noch geblockt (77.), dann prüfte Maximilian Eggestein per Kopf noch einmal Trapp (79.). Auch Davy Klaassen probierte sein Glück, doch auch sein Versuch wurde noch abgewehrt (85.). In der Nachspielzeit scheiterte Maximilian Eggestein noch einmal. Werder wollte, Werder zeigte bis zum Abpfiff ein richtig gutes Spiel - ein dritter Treffer gelang jedoch nicht mehr. Und so blieb erneut die Belohnung in Form eines Sieges gegen ein Topteam aus.

Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass Werder in den Schlussminuten noch einmal mächtig Dusel hatte. Niklas Moisander unterlief am eigenen Strafraum ein klares Handspiel, das Schiedsrichter Markus Schmidt jedoch komplett übersah. Auch die Video-Assistenten aus Köln meldeten sich völlig überraschend nicht. Vielleicht war dieses Remis dann am Ende doch irgendwie gerecht - wenngleich es sich aufgrund der Chancenverteilung etwas anders anfühlte.

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