Taktik-Analyse zum 3:1 gegen Mainz

Zweimal drohte das Spiel zu kippen

Werder und Mainz begegnen sich nicht nur mit derselben Grundordnung, sondern lange Zeit auch auf Augenhöhe. Den Unterschied zwischen beiden Mannschaften macht die Bremer Effizienz - und Max Kruse.
31.03.2019, 17:16
Lesedauer: 5 Min
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Von Stefan Rommel
Zweimal drohte das Spiel zu kippen
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Werder-Trainer Florian Kohfeldt nahm im Vergleich zum Sieg in Leverkusen drei personelle Wechsel vor: Für Marco Friedl, Johannes Eggestein (beide auf der Bank) und Nuri Sahin (Gelbsperre) begannen Milos Veljkovic, Kevin Möhwald und Martin Harnik. Werder agierte mal wieder im 4-4-2 mit der Raute im Mittelfeld, vor Jiri Pavlenka verteidigten Theo Gebre Selassie, Veljkovic, Niklas Moisander und Ludwig Augustinsson, Maximilian Eggestein übernahm die Sechs, Möhwald und Davy Klaassen die Halbpositionen und Max Kruse das offensive Zentrum in der Raute. Harnik und Milot Rashica bildeten den Doppel-Angriff.

Auch Mainz musste oder wollte insgesamt auf drei Positionen umstellen. Für Alexander Hack und Karim Onisiwo rückten Aaron und Robin Quaison in die Startelf. Dazu strich Trainer Sandro Schwarz mit Jean-Philippe Gbamnin einen seiner wichtigsten Spieler aus dem Kader, Gbamin war zu spät zum Training erschienen. Für den Mittelfeldspieler begann Pierre Kuinde auf der Sechs. Auch Mainz ging mit einem 4-4-2 mit der Raute ins Spiel.

Schnelle Führung, dann Probleme

Die Pläne der Gäste, nach der Gegentorflut der letzten Wochen zunächst aufmerksam zu stehen, waren schon nach 140 Sekunden Makulatur. Werders frühes 1:0 nach einem Konter veränderte die Ausgangslage zu Werders Vorteil. Beide Mannschaften spiegelten sich mit der Raute quasi, Werder blieb auch gegen den Ball in seiner Formation und hatte die ballferne Seite gut im Blick. Mainz bot sich ein paar Mal die Chance zu einer Spielverlagerung, aber entweder passte dann das Zuspiel nicht oder aber der jeweilige Bremer Außenverteidiger war aufmerksam genug und darauf vorbereitet.

Ein wenig problematisch schien das Pressing in der ersten Linie, die von Mainz ein paar Mal zu oft leicht ausgehebelt wurde und der Mannschaft genug Zeit zum Aufrücken ließ - auch begünstigt durch die Tatsache, dass Werder nicht zu aggressiv und mutig hoch anlaufen musste, sondern eher etwas tiefer stand. Mainz bekam nach zehn Minuten das Spiel immer besser unter Kontrolle, hatte gute Momente samt Chancen durch Mateta und hätte einen Foulelfmeter zugesprochen bekommen müssen nach einem klassischen Mainzer Angriff: Den einen Innenverteidiger (Veljkovic) rauslocken und in dessen Rücken mit dem zweiten Angreifer (Quaison) in die Tiefe einlaufen.

Werder hatte in dieser Phase sehr viele leichte Ballverluste, wirkte überraschend hektisch in einigen Aktionen und schenkte so die Bälle schnell her. Allerdings gelang es auf der anderen Seite Mainz auch nicht, Werder dauerhaft zu beschäftigen, geschweige denn noch mehr Chancen zu erspielen, weil die Bremer Restverteidigung einen sauberen Job machte - auch nach der verletzungsbedingten Umstellung in der Innenverteidigung (Sebastian Langkamp für Moisander).

Linksfokus, Kruse und Konter

Stattdessen schleppte Mainz einige größere Probleme bis zur Pause mit sich herum. Kohfeldt wollte von den teilweise recht breit auseinander stehenden Angreifern Tiefenläufe und kurzes Anbieten sehen und seine Spieler folgten der Maßgabe, was gerade Bell immer wieder vor Probleme gegen Werders schnelle Angreifer stellte. Kruses Bewegungen und dessen Freilaufverhalten waren für die Gäste zudem nicht zu kontrollieren. Immer wieder fand Werders Kapitän den Moment, sich frei und anspielbar zu machen und das fast überall auf dem Platz: Mal als Zehner, dann im Sturm, im Halbraum, auf dem Flügel und sogar auf der Sechs.

Wenn Kruse auswich, dann fast immer auf die linke Seite, um dort kurzzeitig für eine Überzahl zu sorgen und Werders klaren Fokus auf diesem Flügel zu verstärken. Werder baute über links mit Kruse, Klaassen, Rashica und dem anschiebenden Augustinsson guten Druck auf die ausgemachten Mainzer Schwachstellen Levin Öztunali, Daniel Brosinski und Stefan Bell auf.

Und weil Mainz gerade eigene Standards nicht gut absicherte und Werder in den Momenten des Ballgewinns schnell Tiefe suchte und nicht selten auch fand, blieben Bremens Konter zumindest im Ansatz stets gefährlicher als die weiteren Mainzer Bemühungen. Allerdings spielte Werder diese Angriffe auch zu hastig oder schlampig aus. Das 2:0 mitten hinein in eine gute Mainzer (Offensiv-)Phase bereitete Werder über sein Positionsspiel vor - natürlich wieder über links und über Kruse.

Schlechter Bremer Ballbesitz

In der Pause reagierte Schwarz und brachte Alexandru Maxim für Öztunali. Maxim übernahm den Part im linken Mittelfeld und war ein sehr belebender Faktor. Die Mainzer Innenverteidiger und Sechser Kunde dribbelten nun mutiger an, zwangen Werders Mittelfeldspieler zu reagieren. Jetzt funktionierten auch die Verlagerungen von einem zum anderen Achter. Ziel der gut vorbereiteten Angriffe war immer wieder die linke Seite, wo Maxim und Aaron erst in engen Räumen sehr gut harmonierten und die Mannschaft dann auch deutlich direkter als noch in der ersten Halbzeit in den Bremer Strafraum spielte. Mainz wollte mit mehr Flanken auch mehr Gefahr erzeugen und schnürte Werder in der ersten Viertelstunde phasenweise ein.

Die Gäste rückten bei Ballverlusten besser nach und kamen so gut ins Gegenpressing, waren präsenter bei den zweiten Bällen und dominierten Werder. Die fast schon logische Konsequenz war der Anschlusstreffer. Die Partie drohte wie schon in der ersten Halbzeit zu kippen, weil Werder im eigenen Ballbesitz nicht mehr ins Positionsspiel fand und stattdessen nicht gut abgestimmt mit den Achtern im eigenen Sechserraum auftauchte.

Werder nutzt die entscheidenden Momente

Aber wie schon in der ersten Halbzeit fand Werder den einen richtigen Moment, um doch wieder zuzuschlagen, eine schöne Einzelleistung von Maximilian Eggestein und zwei schwere Mainzer Patzer in Folge entschieden die Partie: Trotz klarer Überzahl am Ball schaffte es Mainz nicht, Eggestein zu stoppen und unterband den Angriff auch nicht durch ein Foul. Bell ließ Rashica Sekunden später in die Innenbahn drehen und der Weg war frei für Kruses Doppelpack.

Das dritte Gegentor bedeutete den Bruch im Mainzer Spiel. Schwarz versuchte zunächst, mit einem positionsgetreuen Wechsel gegenzusteuern, als er den spielstärkeren Onisiwo für Mateta brachte und ging dann zehn Minuten vor dem Ende mit Anthony Ujah für Kunde und noch mehr Risiko: Mit Quaison auf der Zehn und den sehr ballsicheren Maxim und Boetius auf den Halbpositionen. Werder verwaltete die Partie aber sehr sauber, beschränkte sich aufs Verteidigen und fuhr fast gar keine Konter mehr - nach Kruses Tor hatte Werder in der halben Stunde danach bis zum Abpfiff keinen Torschuss mehr.

Erst in den letzten Sequenzen der Partie wurde Mainz wieder im Ansatz druckvoller, weil die Mannschaft gut auf die langen Schläge aus der Abwehr nachrückte und bei Standards noch zu zwei, drei kritische Situationen kam. So richtig gefährlich wurde es für Werder allerdings nicht mehr.

Werder schaffte es wie in Leverkusen, in den richtigen Momenten der Partie auch da zu sein und seine Chancen kalt zu nutzen. Das und der überragende Kruse machten den Unterschied aus zwischen beiden Mannschaften. Mainz spielte einen guten Ball, stellte sich aber ein paar Mal zu oft zu naiv an und wurde von Werder dafür bestraft. Die Bremer wiederum legten nach den Ausfällen einiger wichtiger Mittelfeldspieler in einer etwas veränderten personellen Anordnung kein durchgängig solides Spiel hin - hatten letztlich aber doch die bessere der beiden Rauten zu bieten.

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