Werders neue Kapitänin Scholz Zwischen Bundesliga und OP-Saal

Lisa-Marie Scholz trainiert mehrfach in der Woche, spielt mit Werder in der Bundesliga – von dem Gehalt kann sie aber nicht leben. Die neue Kapitänin arbeitet neben dem Fußball auch im OP-Saal.
15.09.2018, 19:32
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Stefan Freye

Viel verändern wird die neue Rolle nicht. „Ich habe ja bisher auch schon Verantwortung übernommen“, sagt Lisa-Marie Scholz. Seit einigen Wochen ist sie die Spielführerin von Werders Bundesligamannschaft und damit die Nachfolgerin von Marie-Louise Eta. Sie wird das grün-weiße Team nun auch beim Punktspielauftakt an diesem Sonntag in Mönchengladbach aufs Feld führen. Damit rückt Lisa-Marie Scholz noch ein bisschen mehr in den Fokus, hat zudem organisatorische und repräsentative Aufgaben. Aber letztlich wird die 29-Jährige ihrer eigentlichen Bestimmung treu bleiben: Scholz gilt als technisch versierte Arbeiterin, sie verrichtet ihre Aufgaben in der Defensive zuverlässig und reißt die anderen Werder-Kickerinnen bei Bedarf auch mal mit.

Eine solche Spielerin wird gern als teamfähig bezeichnet. Auch Werders Nummer sieben weiß nur zu gut, dass ohne das Kollektiv nichts geht im Fußball. „Ich werde jetzt lernen, mit der neuen Rolle umzugehen“, sagt sie, „im Zusammenspiel mit der Mannschaft“. Ihre Haltung, der bewusste Verweis auf die Gemeinschaft, passt ziemlich gut zum Bremer Erstligisten: Nur weil es geschlossen auftrat, als kompakte Einheit, war dem Werder-Team im vergangenen Jahr der Klassenerhalt gelungen. Nur so wurde ein sofortiger Wiederabstieg wie in 2016 verhindert. „Wir müssen immer für unsere Punkte kämpfen“, sagt Scholz.

So ist das eben in der nur zwölf Vereine umfassenden höchsten Spielklasse: Es gibt mit dem Titelverteidiger VfL Wolfsburg und vielleicht noch dem FC Bayern lediglich zwei Topmannschaften. Sie sind spielerisch deutlich überlegen und müssen sich vermutlich keine Sorgen machen über die Konkurrenz. Danach folgen gleich mehrere Teams, die das Zeug zur Spitzengruppe haben und voraussichtlich keinen Kontakt zum Tabellenkeller herstellen werden. Aber hinter diesen Mannschaften (SC Freiburg, 1. FFC Frankfurt, Turbine Potsdam, SGS Essen, SC Sand) wird es dann langsam eng. Schließlich bleiben nur noch fünf Teilnehmer übrig, die sich um die drei Nichtabstiegsplätze streiten. Die Bremerinnen zählen dazu, ebenso der MSV Duisburg, die TSG Hoffenheim sowie die Aufsteiger aus Mönchengladbach und Leverkusen.

Es geht nur über die Geschlossenheit

Aber wenn es ein Merkmal gibt, das ein Kellerkind mit guten Chancen versieht, dann ist es wohl die Einsatzbereitschaft. „Für uns geht es auch in dieser Saison nur über die Geschlossenheit und eben den Kampf“, sagt Lisa-Marie Scholz. Was die so wichtigen Attribute betrifft, hat sie „ein gutes Gefühl“. Die Mannschaft verfüge schließlich über gute Charaktere und trete wie eine Einheit auf.

Das war allerdings nicht immer so. Zum Vorbereitungsstart im Juli musste Werder ja nicht nur ohne Abgänge wie Eta, Janine Angrick und Pia Wolter auskommen, „herbe Verluste“, wie Scholz sagt. Es kamen auch gleich neun neue Spielerinnen. „Im ersten Test haben wir dann gefühlt nur aneinander vorbeigeredet“, erinnert sich die neue Spielführerin. Sie räumt ein, dass lediglich „harte Arbeit“ für Abhilfe gesorgt hat. Aber das kennt sie ja, auch ganz persönlich. Wenn Werders Abteilungsleiterin Birte Brüggemann über die Doppelbelastung der Bremer Kickerinnen spricht, dann fällt automatisch der Name der Defensiv-Allrounderin.

„Ich habe den Fußball lieben gelernt“

An Lisa-Marie Scholz lässt sich sehr gut festmachen, inwieweit eine Fußballerin in der 1. Bundesliga gefordert ist – jedenfalls, wenn sie für Werder antritt. Obwohl sie mehrfach in der Woche trainiert, gern auch mal morgens, reicht das vom Verein geleistete Gehalt nämlich nicht zum Leben. Es kompensiert lediglich, was Scholz einbüßt, weil sie ihre Stelle als Operationstechnische Assistentin angesichts diverser Einheiten reduzieren musste.

Die Abwehrspielerin, die bereits seit 2009 regelmäßig das grün-weiße Trikot überstreift, steht wöchentlich also nur noch rund 25 Stunden im OP-Saal. Dass sie oft frühmorgens arbeitet und dann am Abend noch zum Training muss, lässt sich allerdings nicht verhindern. „Aber ich habe den Fußball einfach lieben gelernt“, sagt Lisa-Marie Scholz. Ein Leben ohne ihren Sport, ohne die Mannschaft und die regelmäßigen Herausforderungen in der 1. Bundesliga kann sie sich nicht vorstellen. Zudem weiß sie ganz genau, dass sie als „bezahlte“ Fußballerin ja streng genommen noch privilegiert ist: „Es gibt so viele erfolgreiche Sportler, die aus der eigenen Tasche draufzahlen müssen.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+