Zurückgeblättert: 8. April 2014

„Zwischen Hoffen und Bangen“

Seit 1963 spielt Werder in der Bundesliga, mehr als fünf Jahrzehnte, in denen sich im Fußball, bei Werder und in der Berichterstattung viel verändert hat. Mein Werder zeigt die Originaltexte und Zeitungsseiten.
08.04.2019, 09:39
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Von (mw)
„Zwischen Hoffen und Bangen“
Archiv Weser-Kurier

Am 8. April 2014 schrieb der Weser-Kurier:

Trainer Tayfun Korkut kletterte mit einem Megafon auf den Zaun, um die aufgebrachten Fans zu beruhigen. Kapitän Lars Stindl tat es ihm gleich. Die Meute wiederum warf Eier, Flaschen und sogar Böller in Richtung Mannschaft. Wenn Existenzkampf in der Fußball-Bundesliga mit Bildern illustriert werden soll, dann liefert Hannover zurzeit verstörende und aufwühlende Momentaufnahmen. Bei 96 regiert eine Mischung aus Sorge und Angst vor dem Abstieg in die zweite Liga. Es vergeht zurzeit kein Bundesliga-Wochenende ohne neue Wendungen. Eintracht Braunschweig, der VfB Stuttgart und der HSV waren die großen Gewinner des 29. Spieltages, der 1. FC Nürnberg, der SC Freiburg und vor allem Hannover 96 die Verlierer. „Die Tabelle dreht sich im Moment von Woche zu Woche“, sagt Cedrick Makiadi, „wir bleiben da aber ganz ruhig.“

Das kann Werders Mittelfeldspieler auch sein, schließlich beträgt Bremens Vorsprung auf die Abstiegsränge nach dem 1:1 gegen Schalke 04 sechs Punkte. Klar ist für Makiadi indes auch: „33 Punkte werden am Ende nicht reichen.“ Heißt: In Mainz am kommenden Sonnabend sollten am besten die nächsten Zähler dazukommen. Die Voraussetzungen im Bremer Lager sind gut. Zwei überzeugende Auftritte in Hannover und gegen Schalke stärken das Selbstvertrauen. Makiadi drückt es so aus: „Wenn du im Endspurt einer Saison in guter Verfassung bist, dann weißt du, was du kannst. Das ist ein viel schöneres Gefühl als bei einem schlechten Lauf.“

In Hannover muss man das zurzeit niemandem sagen. „Uns fehlt einfach die breite Brust“, sagte 96-Torwart Ron-Robert Zieler nach dem 0:3 bei Schlusslicht Braunschweig. Die Lage ist ernst. Vier Spiele am Stück hat die Mannschaft verloren, unter anderem gegen zwei Gegner, gegen die man fest mit Punkten gerechnet hatte: eben Werder und Braunschweig. Die leidenschaftslosen Auftritte der 96-Profis und die Tatsache, dass mit Tayfun Korkut ein Bundesliga-Neuling als Trainer das Sagen hat, machen die Sorgen nicht kleiner. Geradezu verheerend ist der Befund, den KlubBoss Martin Kind am Sonntag traf. Er war in der Halbzeitpause nach Augenzeugenberichten „wütend“ in die Kabine geeilt. Später sagte er: „Die Situation ist den Spielern anscheinend noch nicht bewusst.“

Da sind die Teams aus Hamburg, Braunschweig und Stuttgart schon weiter, auch wenn sie vom Punktestand her noch hinter Hannover liegen. Mirko Slomka, Trainer des HSV, nannte den 2:1-Erfolg gegen Leverkusen einen „Sieg des Willens“. Schlechte Botschaften gibt es aber auch in Hamburg: Milan Badelij fällt mit einem Muskelfaserriss für mindestens drei Wochen aus, Slomka muss seine Elf also schon wieder umbauen.Einen Wechselwird er dabei vermutlich aber ganz gern vollziehen: Torjäger Pierre-Michel Lasogga meldet sich nach seiner Verletzung für das nächste Spiel zurück – übrigens gegen Hannover.

Wie sehr Abstiegskampf an die Nerven geht, lässt sich auch in Nürnberg gut beobachten. Nach mutigen und offensivfreudigen Auftritten zum Rückrundenbeginn mit vier Siegen befindet sich der „Club“ inzwischen auch im freien Fall. Nach dem 0:2 gegen Mönchengladbach, als es einen äußerst fragwürdigen Elfmeter gegen Nürnberg gab, spann Torwart Raphael Schäfer sogar an einer Verschwörungstheorie. Er sagte mit Blick auf Schiedsrichter Tobias Stieler: „Die werden sich schon was dabei gedacht haben, einen Hamburger hier anzusetzen.“ Die Schiedsrichter waren häufiger auch schon Thema in Braunschweig. Aber da ging es meist um das gestörte Verhältnis zu Torsten Lieberknecht. Der Eintracht-Trainer kämpft extrem akribisch und höchst emotional für den Klassenerhalt. Bisher ist ihm mit der Eintracht eine Sensation nach der nächsten gelungen. 2008 rettete er den Klub vor dem Sturz in die Viertklassigkeit, um anschließend bis in die erste Liga durchzustarten. Vor schlechten Nachrichten indes ist auch Braunschweig trotz imponierender Serie nicht gefeit. Gestern wurde bekannt, dass Stammtorwart Daniel Davari den Klub am Saisonende verlassen wird. So geht Abstiegskampf im Hier und Jetzt mit Zukunftsplanung Hand in Hand.

Das hochauflösende PDF der Original-Zeitungsseite gibt es hier (bei iOS den Link länger gedrückt halten).

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