Die Europapokal-Anwärter im Form-Check Zwischen Liga-Wahnsinn und Leistungsdruck

Werders Chancen im Kampf um Europa haben sich wieder verschlechtert, die Bremer sind in den nächsten Wochen zum Siegen verdammt. Doch auch bei der Konkurrenz läuft nicht immer alles rund – ein Form-Check.
30.04.2019, 10:30
Lesedauer: 4 Min
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Zwischen Liga-Wahnsinn und Leistungsdruck
Von Malte Bürger

Eintracht Frankfurt

Die Hessen spielen eine famose Saison. Als Tabellenvierter ist mit 54 Punkten die Champions League in Reichweite, doch so ganz nebenbei geht es auch noch um den ganz großen Wurf. In der Europa League stehen die Frankfurter im Halbfinale, um ins Endspiel einzuziehen, muss der Premier-League-Protz FC Chelsea ausgeschaltet werden. Das allein ist schon schwierig genug, parallel müssen in der Liga aber auch noch die Hürden Bayer Leverkusen (A), FSV Mainz 05 (H) und Bayern München (A) genommen werden.

Es sind also stressige Arbeitstage, die der Eintracht noch ins Haus stehen. Lange Zeit hat das Team von Trainer Adi Hütter die Doppelbelastung mit beeindruckender Leichtigkeit weggesteckt. Nun droht die Kraft auszugehen, zuletzt gab es zwei Unentschieden und eine Niederlage. „Das sind Big Points, die wir herschenken“, ärgerte sich der Eintracht-Coach, der sich im Kampf um Rang vier trotzdem betont locker gibt: „Der Druck liegt sicher nicht bei Eintracht Frankfurt.“

Borussia Mönchengladbach

Die Zahlen sind ernüchternd, lediglich einen Sieg hat die Borussia aus den vergangenen sechs Spielen geholt. Dabei sah in der Winterpause als Tabellendritter noch alles so schön aus. Mittlerweile ist die Elf vom Niederrhein mit 51 Punkten nur noch Fünfter. Noch. Die Formkurve zeigt deutlich nach unten. Es rumort bei den Gladbachern, Anspruch und Wirklichkeit klaffen weit auseinander. „Ich habe in den letzten Wochen viel von der Champions League, viel von der Europa League gesprochen“, sagte Torhüter Yann Sommer nach dem 0:1 beim VfB Stuttgart. „So, wie wir heute aufgetreten sind, haben wir da nichts zu suchen.“

Diese Wut, diese Verzweiflung könnte bei den frustrierten Borussen im Mai zu weiteren Verkrampfungen führen. Gegner wie Hoffenheim (H), Nürnberg (A) und Dortmund (H) deuten nur bedingt auf ein zügiges Ende des fatalen Einbruchs hin.

Bayer 04 Leverkusen

Gerade rechtzeitig zum Endspurt hat sich die „Werkself“ wieder gefangen. Nach einer kurzen Durststrecke von drei Pleiten am Stück, holte Bayer zuletzt neun Punkte aus drei Spielen. Das führte zum Sprung auf Rang sechs (51). Reichen tut dem Verein das noch nicht, das Saisonziel ist schließlich die Champions League. Eine Etage tiefer dürfen sich gern die Konkurrenten tummeln. „Wir müsse unsere Spiele gewinnen, dann können wir die Mannschaften vor uns unter Druck setzen“, sagte Sportdirektor Simon Rolfes nach dem jüngsten 4:1-Sieg gegen Augsburg.

Das gelang bereits ganz gut, im Anschluss an den eigenen Triumph strauchelten Mönchengladbach und Frankfurt. Die Eintracht reist nun zum direkten Duell an, danach heißen die Gegner FC Schalke 04 (H) und Hertha BSC (A). Tabellarisch ist da beim riskanten Offensivfußball von Trainer Peter Bosz alles möglich – momentan spricht mehr für ein Klettern als einen neuerlichen Absturz.

TSG Hoffenheim

Und dann kam Wolfsburg. Vier Siege in Folge hatte Hoffenheim zuvor eingefahren, die TSG steuerte in imposanter Manier nicht mehr „nur“ in Richtung Europa League, sondern durfte nicht zu Unrecht noch auf die große Champions League hoffen. Mit seinem baldigen Klub RB Leipzig wird Trainer Julian Nagelsmann dort auf jeden Fall spielen, seiner jetzigen Mannschaft bleibt dies wohl vergönnt. Der Frust darüber saß nach der 1:4-Schlappe gegen Wolfsburg sogar so tief, dass er sich mit den eigenen Fans anlegte, die mitunter schon kurz nach der Pause lautstark gepfiffen hatten. „Vielleicht ist da der Opernbesuch doch besser.“

Bei allen Querelen: Die offensivstarken Kraichgauer sind auf dem Weg ins internationale Geschäft weiter dick im Rennen. Der Tabellensiebte (50) reist zunächst zu den kriselnden Gladbachern (A), anschließend ist mit Werder der nächste direkte Konkurrent zu Gast (H). Zuletzt folgt ein Duell mit dem FSV Mainz 05. Falls die jüngste Niederlage nicht tatsächlich zu tiefe Spuren hinterlassen hat, sollte einem versöhnlichen Ende für die TSG eigentlich nichts im Wege stehen.

VfL Wolfsburg

Bei den Niedersachsen gab es zuletzt ein stetiges Auf du Ab. Immer dann, wenn der VfL wieder ganz nah dran war an den europäischen Plätzen, folgte gewiss der nächste Rückschlag. Nun haben die Wolfsburger erneut ein ganz dickes Ausrufezeichen gesetzt und mit 4:1 bei der TSG Hoffenheim gewonnen. „Ein richtig geiler Sieg“, nannte Bruno Labbadia den Coup. Der Coach verlässt den VfL bekanntlich am Saisonende, nun ist er drauf und dran, sich doch noch mit der Europa-League-Teilnahme zu verabschieden. Oder zumindest mit dem Erreichen der Qualifikation. Ein einziges Pünktchen trennt seine Mannschaft von Rang sieben.

Das Restprogramm der Wolfsburger ist eine Mischung aus Selbstläufer und Mogelpackung. Die letzten drei Gegner kommen aus Nürnberg (H), Stuttgart (A) und Augsburg (H) – und somit allesamt aus der unteren Tabellenhälfte. Das klingt fast nach sicheren neun Punkten, zumal die Kellerkinder der Liga sich bislang nicht wirklich als eifrige Punktesammler betätigt haben. Doch gerade Im Endspurt entwickelt sich in so einer Saison ja noch einmal eine ganz eigene Dynamik, insbesondere der Überlebenskampf in der Abstiegszone setzt noch einmal zusätzliche Kräfte frei. Das wiederum erhöht die Fallhöhe für den VfL Wolfsburg, der fraglos die besten Karten zu haben scheint.

Werder Bremen

Der Abstand ist beträchtlich, vier Punkte Rückstand haben die Bremer (46) nach ihren Niederlagen gegen Bayern München und Fortuna Düsseldorf auf Platz sieben. Und dann heißen die nächsten Gegner auch noch Borussia Dortmund (H), TSG Hoffenheim (A) und RB Leipzig (H). Das klingt fast nach einer „Mission Impossible“.

Ein kniffliges Programm ist es, das leugnen sie auch bei Werder nicht. Aufgeben will trotzdem niemand. Und zwar aus Überzeugung. „Ich hake noch nichts ab. Wir werden es probieren, so lange es möglich ist“, betonte Trainer Florian Kohfeldt. Er muss es wissen, Rückschläge hat seine Mannschaft schließlich schon einige weggesteckt und ist daraus gestärkt hervorgegangen. Warum nicht also auch jetzt? Zumal es da ja noch den unberechenbaren Liga-Wahnsinn gibt. Wie hat es Bayerns Trainer Niko Kovac so schön ausgedrückt? „Man hat gesehen, dass es verrückte Ergebnisse in den letzten Wochen gibt – und wahrscheinlich an den nächsten drei Spieltagen auch. Im Finish kommen Ergebnisse, die niemand erwartet.“ Und vielleicht lachen sie genau darüber am Ende bei Werder am meisten.

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