Werder Bremen Reifetest gegen den BVB

Bremen. Werder ist Tabellenzweiter, Borussia Dortmund der amtierende Meister. Am Freitag kommt es zum Duell der beiden Mannschaften im Weser-Stadion - für Werder ist es nach Partien gegen eher schwache Gegner ein Reifetest.
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Reifetest gegen den BVB
Von Oliver Matiszick

Bremen. Der 7. Mai, er war - aus Bremer Sicht - eine Art kleiner Feiertag. Denn vor kaum mehr als fünf Monaten feierte Werder das, was sich am Anfang der Saison niemand hatte ausmalen wollen: den Klassenerhalt auf den vorletzten Drücker. Erst am 33. Spieltag eines schlimmen Jahres hatte die Mannschaft sich selbst, der Vereinsführung und den Fans die noch viel schlimmere Angst nehmen können, doch noch in die Zweitklassigkeit abzurutschen. Weggefegt wurde die Sorge durch einen 2:0-Heimsieg gegen die Überflieger 2010/11: Borussia Dortmund, den neuen Meister. Morgen kommt der BVB, nun amtierender Meister, wieder nach Bremen. Wo der Ehrgeiz nun zwar ein anderer als am 7. Mai, aber nicht weniger groß ist.

Werder im Oktober 2011, das ist der Tabellenzweite der Bundesliga. Im eigenen Stadion in bisher vier Spielen nicht nur ungeschlagen, sondern immer siegreich. Das macht zwölf von insgesamt 16 Punkten aus acht Spielen - vor allem diese Wiederentdeckung der Heimstärke ist es, die die Mannschaft nach ganz oben in der Tabelle gespült hat. Das ist Fakt und doch nur die halbe Wahrheit.

Denn ohne den Gegnern, die im Weserstadion bisher Kaiserslautern, Freiburg, Hamburger SV und Hertha BSC hießen, zu nahe treten zu wollen - wirklich große Kaliber waren es nicht. So findet sich keines jenes vier Teams in der aktuellen Tabelle auf einem einstelligen Platz wieder. Dortmund, wenn auch holprig in die Saison gestartet, stellt da fraglos eine andere Gewichtsklasse dar.

In etwa die, zu der in der oberen Tabellenhälfte aktuell auch Leverkusen (punktgleich mit dem BVB) oder Hannover 96 (zwei Punkte Vorsprung auf Dortmund) zählen. Falls es jemand vergessen haben sollte: Es sind die beiden Mannschaften, denen Werder sich in dieser Saison bisher geschlagen geben musste.

Das Heimspiel unter Flutlicht an einem Freitagabend, das erste in dieser Konstellation seit einer gefühlten Ewigkeit, darf so auch als ein Prüfstein, ein Fingerzeig zur Mitte der Halbserie betrachtet werden: Wie reif ist die Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf tatsächlich? Lukas Schmitz, der Neuzugang aus Gelsenkirchen, wo traditionell gemeinhin wenig Sympathien für den BVB gehegt werden, jedenfalls brennt darauf, den entsprechenden Nachweis zu erbringen.

"Ein besseres Spiel als am Freitagabend gegen den Meister - das kann es doch eigentlich gar nicht geben", sagt er. Und dass es leicht werden könnte - davon geht ohnehin niemand aus. Natürlich, sagt Kapitän Clemens Fritz dann auch, stehen sie vor einem schwierigen Spiel. Aber andererseits: Auf welches Spiel trifft das nicht zu? "Die Partie in der Woche darauf in Augsburg, die ist dann doch auch wieder schwierig", relativiert er.

Unabhängig vom Namen des Gegners verfolgen sie das Ziel, sich dort oben in der Tabelle, wo sie derzeit stehen, möglichst winterfest einzurichten. Weshalb die Erinnerung an das Spiel in Hannover, das vor zwei Wochen in Hannover verloren wurde, umso intensiver schmerzt. "Dort haben wir drei Punkte verschenkt", sagt Fritz, "weil wir es dem Gegner zu leicht gemacht haben." Dortmund soll es nun ungleich schwerer haben. "Natürlich sind sie der amtierende Meister, natürlich sind sie spielerisch stark, natürlich wird es nicht einfach. Aber wir spielen zuhause - und wir werden 100 Prozent abrufen", verspricht Innenverteidiger Andreas Wolf.

Zumal ja morgen auch noch der Freimarkt startet, die fünfte Bremer Jahreszeit. "Es wäre doch schön, wenn unsere Fans mit einem positiven Erlebnis noch auf den Freimarkt gehen könnten", sagt Fritz. Das wäre dann wohl auch wieder so eine Art kleiner Feiertag in Bremen.

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