Vortrag im Weserstadion Schaaf referiert über Zukunft des Profi-Fußballs

Bremen. Bei der Fortbildung des Bundes Deutscher Fußball-Lehrer (BDFL) hat Werder Bremens Trainer Thomas Schaaf am Dienstag im Weserstadion über den Wandel im Leistungsfußball referiert. So werde zum Beispiel das Training in Zukunft individueller, sagte Schaaf.
05.05.2010, 08:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Schaaf referiert über Zukunft des Profi-Fußballs
Von Timo Sczuplinski

Bremen. Ex-Werder-Profi Pasi Rautiainen war gestern zu Gast im Weserstadion. "Er wusste gar nicht mehr, durch welche Tür er gehen musste", erzählte Werders Trainer Thomas Schaaf über die Ankunft seines ehemaligen Teamkollegen aus den 80er Jahren. Es hat sich seither eben so Einiges verändert. Nicht nur im Umfeld von Werder Bremen, sondern überhaupt im modernen Fußball. Der Wandel im Leistungsfußball und die damit gewachsenen Anforderungen an Trainer und Spieler war auch das zentrale Thema, über das Thomas Schaaf bei der gestrigen Fortbildung des Bundes Deutscher Fußball-Lehrer (BDFL) referierte.

Neben Vorträgen von Werder II-Coach Thomas Wolter und Werders Diplompsychologe Uwe Harttgen hingen die rund 150 Fußalllehrer in der Buisness-Lounge des Weserstadions besonders an den Lippen des Werder Cheftrainers, der gleichzeitig auch das Amt des Vertreters der 1. Bundesliga im BDFL innehat. Und Schaaf ließ sie eintauchen in den heutigen Aufgabenbereich einer rund um eine Profi-Elf.

Ein 20 Spieler breiter Kader plus ein Trainer - Diese Konstellation auf dem Übungsplatz eines Profiteams gehört schließlich längst der Vergangenenheit an. Mittlerweile umgibt einen Bundesliga-Trainer ein ganzer Trainerstab mit vielen Spezialisten, die das Training auf die Kicker abstimmen. Video-Anlaysen vom Verhalten der Spieler auf dem Platz, medizinische Betreuung, intensive Leistungsdiagnostik teilweise sogar in Kooperation mit Fachkräften, die aus ganz anderen Bereichen kommen: Es hat längst eine Professionalisierung auf allen Ebenen stattgefunden und der Fußballprofi genießt in seinem Beruf mittlerweile ein breites Rundumprogramm.

"Noch Einiges herauszuholen"

Dabei bewegt man sich im Profifußball in vielen leistungstechnischen Dingen eigentlich schon im Grenzbereich des Verbesserbaren. Während das Thema Taktik mitterweile "so gut wie ausgelutscht ist", sagt Schaaf, "wird in Zukunft aber in Sachen Schnelligkeit, Passpiel und über die Abstände auf dem Spielfeld noch Einigens herauszuholen sein." Ein noch individueller gestaltetes Training sei die Zukunft.

Mittlerweile geht es für den Fußballer aber längst nicht mehr nur allein um seinen Sport. Während Schaaf im Weserstadion referierte, scharten sich draußen auch beim gestrigen Training die Fanmassen um die Spieler, welche längst zu Stars entrückt sind. Autogramme, Fotos, Pressetermine und zwischendurch noch zum Werbevideo-Dreh nach Südafrika. Das öffentliche Interesse am Profifußballer ist in den vergangenen Jahren immens gestiegen. Wo sich früher Spieler noch kontinuierlich entwickeln konnten, bringt der heutige emotionale Zick-Zack-Kurs vom öffentlichen Hochjubeln bis zum In-den-Bodenstampfen der Fußballer "das Risiko mit sich, dass auf die Spieler von allen Seiten zuviel eingewirkt wird", sagt Schaaf.

Fußball soll immer der Hauptakt bleiben

So hat man als Verein und Trainer bei der Breite der unterschiedlichsten Einflussfaktoren "eine große Verantwortung" insbesondere den jungen Akteuren gegenüber. Etwa auch aus dem Fall Robert Enke habe man bei Werder so gelernt, dass man "den Spielern noch mehr Möglichkeiten geben muss, mit den Dingen um sie herum richtig umzugehen." So appellierte Schaaf abschließend auch an seine Berufskollegen in der Buisness-Lounge im Weserstadion, dass man aufpassen müsse, dass zuküntig nicht noch mehr Dinge um den Fußball herumgebaut würden und "der Fußball immer der Hauptakt bleibt", so Schaaf. "Sonst habe ich die große Sorge, dass der Fußball irgendwann kaputtgeht." Derweil half der Verein aber auch seinen Ex-Spielern beim Bewältigen von Aufgaben. So fand Pasi Rautiainen mit Schaafs Hilfe schließlich auch noch die richtigen Tür.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+