Werder Bremen Schaaf wechselt gegen Bochum den Sieg ein

Bremen. Durch Traumtore der "Joker" Claudio Pizarro und Torsten Frings hat sich Werder Bremen am 27. Spieltag drei Punkte beim 3:2 (0:1) gegen den VfL Bochum erarbeitet. Erst als Trainer Thomas Schaaf die etatmäßigen Stammspieler brachte, nahm das Werder-Spiel Fahrt auf.
20.03.2010, 17:13
Lesedauer: 4 Min
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Von Ben Binkle

Bremen. Mit einem Kraftakt und etwas Glück hat sich Werder Bremen beim 3:2 (0:1) gegen den VfL Bochum drei wichtige Punkte im Kampf um die Europa-League-Plätze gesichert. Nach ganz schwacher erster Halbzeit kam Werder erst auf Touren, als Trainer Thomas Schaaf seine "B-Elf" mit den etatmäßigen Stammspielern verstärkte und Claudio Pizzaro und Torsten Frings mit Traumtoren erfolgreich waren.

Schwere Beine und müde Köpfe hatte Trainer Thomas Schaaf nach dem 4:4 gegen den FC Valencia vor zwei Tagen bei seinen Spielern ausgemacht und reagierte darauf mit einer ungewohnt heftigen Rotation - sicher auch mit Blick auf das enorm wichtige DFB-Pokal-Halbfinale gegen den FC Augsburg am Dienstag.

Neben dem verletzten Aaron Hunt nahmen Mesut Özil, Claudio Pizarro, Torsten Frings, Clemens Fritz und Per Mertesacker auf der Ersatzbank Platz, das waren immerhin 30 der 51 Bremer Saisontore. Dafür rückten Daniel Jensen, Markus Rosenberg, Sebastian Prödl, Philipp Bargfrede und Sebastian Boenisch in die Startelf - für Linksverteidiger Boenisch war es das Comeback nach langer Verletzungspause.

Trainer Schaaf hatte im Vorfeld defensive Bochumer erwartet und sah dies zunächst bestätigt. Die Gäste überließen den Bremern das Mittelfeld, Werder bemühte sich gleich um Schwung. Nach nur drei Minuten zog Marko Marin einen Freistoß direkt aufs Bochumer Tor, Keeper Philipp Heerwagen ließ sich aber nicht überraschen.

Nach gut zehn Minuten verlor Werder zuenhmend den Faden und wurde - wie schon gegen Valencia - umgehend bestraft. Den ersten Warnschuss von Zlatko Dedic konnte Tim Wiese noch glänzend parieren (12.), zwei Minuten später war der Keeper dann aber machtlos. Roman Prokoph hatte einen Pass genau in die Nahtstelle zwischen Prödl und Naldo gespielt, Stanislav Sestak nahm das Leder zwischen den Innenverteidigern gekonnt mit und schloss konzentriert zum 1:0 für die Gäste ab.

Werders Abwehr wackelt

Eine Antwort der Hausherren kam nur ganz zögerlich. Zwei letztlich harmlose Distanzschüsse von Boenisch (19.) und Naldo (20.), mehr war nicht los im Weserstadion. Bochum gab die Führung deutlich Selbstvertrauen, das schwache Spiel war in dieser Phase absolut ausgeglichen. Wann immer der VfL beim Konter Tempo aufnahm, wackelte Werders Defensive. So konnten Pasanen und Naldo nur gemeinsam Dedic noch am Abschluss hindern (28.).

Bei Werder ging im Spiel nach vorne kaum etwas. Marin war als letzter verbliebener Kreativer zwar bemüht, hatte aber einen schweren stand und beschwerte sich ein ums andere Mal bei seinen Teamkollegen über schlechte Laufwege und mangelnde Unterstüzung. So blieb die zuletzt starke Offensive ein Schatten - erst in der 38. Minute gab es den fünften Werder-Torschuss, den Marin allerdings gut zehn Meter neben den Kasten setzte.

Als der blasse Markus Rosenberg in der 43. Spielminute einen ungenauen Pass nicht erlaufen konnte, gab es die ersten Pfiffe unter den 35.000 Zuschauern im Weserstadion, als Schiedsrichter Markus Wingenbach kurz darauf Halbzeit eins beendete wurden diese mehr und lauter.

Mit Özil und Pizarro kommt neuer Schwung

Die ganz schwache Leistung der Bremer "B-Elf" wollte dann Trainer Schaaf so nicht hinnehmen. Zum zweiten Abschnitt brachte er Mesut Özil und Claudio Pizarro für Jensen und Rosenberg. Zunächst ohne nennenswerten Effekt: Prödl foulte Sestak ungestüm wenige Zentimeter vor der Strafraumgrenze, den fällige Freistoß setzte Christian Fuchs ganz knapp am Pfosten vorbei (51.). Glück für Werder, da wäre Keeper Wiese machtlos gewesen.

Die Hereinnahme von Spielmacher Özil brachte aber zumindest etwas mehr Schwung ins Bremer Spiel, auch wenn das Tempo weiter überschaubar blieb. Ein Flachschuss von Bargfrede rauschte knapp am langen Eck vorbei (55.), wenig später setzte Almeida einen Kopfball über das Tor (57.). Weitere zwei Minuten dauerte es, bis auch Pizarros Hereinnahme endgültig Sinn machte. Einen langen Pass von Naldo drosch der Peruaner aus 14 Metern volley in die Maschen zum Ausgleich (59.). Ein echtes Traumtor der Marke Pizarro eben.

Werder war jetzt wach und wollte das zweite Tor nachlegen. Almeida verpasste ein tolles Özil-Zuspiel nur knapp (62.), Sekunden später rettete Marcel Maltritz nach einer scharfen Boenisch-Flanke vor Pizarro in höchster Not zur Ecke. Doch wie schon gegen Valencia liefen die Bremer in ihrer Drangphase in einen Konter. Über drei Stationen kam der Ball zu Dedic, der den herauslaufenden Wiese zum 2:1 überlupfte (63.). Werder lag wieder hinten.

Traumtor Pizarro - Traumtor Frings

Was dem Spiel rund eine Stunde lang gefehlt hatte, gab es nun im Überfluss. Nur zwei Minuten brauchte Werder für seine Antwort. Nach Pass von Bargfrede stand Marin nicht im Abseits und traf ebenfalls mit einem gefühlvollen Lupfer zum erneuten Ausgleich (65.). Und Marin blieb stark: Von der Strafraumgrenze setzte der agile Dribbler einen Schuss über die Querlatte (70.).

Nach dem furiosen Zwischenspurt mit drei Toren binnen fünf Minuten wurde es wieder überschaubarer auf dem Rasen, bis Torsten Frings mit einem Traumtor aus dem Nichts die Fans von den Sitzen riss. Kurz zuvor für Tim Borowski eingewechselt, hielt der etatmäßige Kapitän aus gut 30 Metern einfach mal drauf, leicht abgefälscht schlug der Ball zum 3:2 für Werder im Bochumer Kasten ein (80.). Marin hätte nur zwei Miunuten später alles klar machen können, scheiterte aus spitzem Winkel aber an Keeper Heerwagen.

Werder mit Glück in der Schlussphase

In der Schlussphase warfen die Gäste noch einmal alles nach vorne und stellten die wackelige Werder-Abwehr vor große Probleme. Mit zwei Glanzparaden gegen Andreas Johansson und Mergin Mavraj hielt Tim Wiese am Ende den knappen Werder-Sieg fest (89.), in der Nachspielzeit kratzte Sebastian Boenisch einen Schuss von Paul Freier noch von der Torlinie. Mit Glück und viel Einsatz brachten die Hausherren das knappe Resultat über die Zeit.

Naldo, der in Abwesenheit von Frings und Mertesacker die Kapitänsbinde trug, sah nach einem Foul an Prokoph seine fünfte Gelbe Karte und wird Werder am kommenden Wochenende gegen den 1. FC Nürnberg fehlen.

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