Die Born-Affäre (5)

Schwere Vorwürfe gegen Lemke

Bremen. Schwere Vorwürfe gegen Willi Lemke in der Affäre um Jürgen L. Born: Der Aufsichtsratschef soll Born vorverurteilt und dessen Entlastung zurückgehalten haben.
05.05.2014, 14:04
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Schwere Vorwürfe gegen Lemke
Von Olaf Dorow

Bremen. Die Werder-Welt gilt als ziemlich heil. Den Ruf hat Werder sich hart erarbeitet, aber so einen Ruf, den gilt es auch zu pflegen. Im Moment gelingt das nicht so recht. Die so genannte „Affäre Born“ hatte bereits im März zum Rücktritt des damaligen Chefs der Geschäftsführung geführt – und sie schlägt immer noch hohe Wellen. Sie könnte jetzt sogar hinübergleiten in eine „Affäre Lemke“.

In der Online-Ausgabe der Tageszeitung „Die Welt“ waren gestern Abend schwerste Vorwürfe gegen Lemke, den Chef des Aufsichtsrates, zu lesen. Lemke würde einen Bericht des Wirtschaftsprüfers PricewaterhouseCoopers (PWC) zurückhalten. Im März war Born im Zusammenhang mit dem Transfer des Stürmers Roberto Silva von Peru nach Bremen unter Beschuss geraten. Er soll persönlich an dem Transfer mitverdient haben. Lemke sprach damals von einem Imageschaden, Born trat zurück. PWC überprüfte im Auftrag des Werder-Aufsichtsrates, ob Born dem Klub einen Schaden zugefügt hat. Angeblich entlastet der PWC-Bericht Born.

„Das ist ja kein Geheimnis, dass es so, wie es ablief, nicht korrekt war“, sagte gestern Aufsichtsratsmitglied Hans Schulz unserer Zeitung, „der Bericht liegt doch schon lange vor.“ Schulz ist derjenige, auf den sich „Welt-online“ beruft. „Lemke verschleppt den Bericht, weil er dann seine Schuld eingestehen muss“, wird Schulz zitiert, und weiter: „Es ist eine Farce, was da ablief. Lemke hat wie ein Staatsanwalt und Inquisitor gehandelt und Born ohne Beweise vorverurteilt. Das war eine Unverschämtheit, denn er hat sich öffentlich als Krisenmanager aufgespielt, wo gar keine Krise war. Er hätte die Untersuchungen intern leiten sollen, so wie es immer die Art von Werder war. Lemke hat aber so dem Verein geschadet, und wir hätten ihn stoppen müssen.“

Gestern Abend fühlte Schulz sich „benutzt“. Er sei am Freitag angerufen worden, und er sei davon ausgegangen, dass der Zeitungsbericht schon fertig gewesen sei. Er wollte nicht öffentlich gemacht wissen, was er „persönlich“ meine. Persönlich sehe er das alles genau so, wie es in seinen Zitaten nun geschrieben steht.

Lemke solle sich öffentlich bei Born entschuldigen, so wird er auch zitiert in der Stellungnahme, die zwar inhaltlich korrekt wiedergegeben, aber nicht öffentlich gesagt sein soll. Seine Meinung kenne Willi Lemke im Übrigen, sagte Schulz, der ehemalige Werder-Spieler, gestern unserer Zeitung. „Ich wollte keine Lawine ins Rollen bringen“, beteuerte er und wies darauf hin, dass seine – nun bedauerlicherweise öffentlich gewordene persönliche – Meinung nichts mit seiner Freundschaft zu Jürgen Born zu tun habe. Ob sich die Lawine noch stoppen lässt?

Willi Lemke betonte gestern Abend, er habe „alle Schritte mit dem Aufsichtsrat und mit Hans Schulz abgestimmt“. Er werde „jetzt erstmal das persönliche Gespräch mit Hans Schulz suchen“, bevor er sich öffentlich äußert. Zu dem PWC-Bericht sagte Lemke: „Der Entwurf liegt vor. Der Chef des Aufsichtsrates und die Geschäftsführer sind gebeten worden, ihn auf sachliche Richtigkeit zu überprüfen. Er ist 150 Seiten lang und beinhaltet vertrauliche Daten. Es ist völlig ausgeschlossen, ihn der Öffentlichkeit so vorzulegen. Wir können nur eine Bewertung vornehmen, wenn der Bericht endgültig vorliegt.“ Über diesen Sachstand sei auch Hans Schulz informiert.

Dass Lemkes Äußerungen in der Sache Born dessen Rücktritt beschleunigt haben, gilt vielen rund um den Klub als eine Art offenes Geheimnis. „Niemand hat Jürgen Born rausgeschmissen oder unter Druck gesetzt, zu keinem Zeitpunkt. Wir haben nur gesagt, wir müssen das zum Wohle des Vereins aufklären“, sagte Lemke Ende April in einem Interview mit dieser Zeitung.

Jetzt tut schon wieder Aufklärung not, diesmal allerdings auch in eigener Sache. Ein Aufsichtsrat, der in der Öffentlichkeit nicht mit einer Stimme spricht, wäre eine völlig neue Qualität für den Fußballklub Werder Bremen.

Dieser Artikel ist am 20. Juli 2009 im WESER-KURIER erschienen

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