Ex-Werder-Stürmer Selke beendet sein Schweigen

Davie Selke hat den Medientag während des Lauftrainingslagers seines neuen Arbeitgebers RB Leipzig vor allem dazu genutzt, seine Gefühlslage nach dem komplizierten Abschied in Bremen zu erklären.
20.06.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von ULLRICH KROEMER

Davie Selke nimmt auf der malerischen Terrasse des Teamhotels Platz, um erstmals ausführlich Auskunft über die vergangenen Wochen zu geben. Dass die edle Herberge am brandenburgischen Scharmützelsee liegt, passt angesichts Selkes schwierigen letzten Wochen bei Werder ganz gut, um Klartext zu sprechen.

Der Jungstar hatte seit dem 1. April die negativen Seiten des Daseins als Fußballprofi kennenlernen müssen. Auch für ihn überraschend war früher als geplant durchgesickert, dass er künftig beim überregional wenig beliebten Red-Bull-Marketingklub aus Leipzig spielen werde. „Es hätte einen besseren Zeitpunkt für die Bekanntgabe geben können”, sagt Selke heute.

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Plötzlich schlug ihm, der sich in den sozialen Netzwerken als DS27 inszeniert und dem knapp 55.000 Fans bei Facebook folgen, die geballte Ladung Hass entgegen. „Jeder darf seine Meinung vertreten, das habe ich zu respektieren und das habe ich auch getan”, sagt Selke etwas bitter. Man spürt an seiner abwartenden Art, dass ihm der Wirbel zugesetzt hat.

Dass er erst im vergangenen Jahr bis 2018 bei Werder verlängert hatte und plötzlich dem Werben eines Zweitligisten erlag, begriffen viele Bremer Anhänger als Demütigung für ihren Klub. Vor der malerischen Kulisse des kleinen Hafens im brandenburgischen Bad Saarow sagt Selke: „Ich habe allgemein nichts mehr gelesen, habe versucht, Abstand zu den sozialen Netzwerken zu finden.”

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"Ich wollte die Antwort auf dem Platz geben"

Zur medialen Komplettverweigerung gehörte auch, dass er bis auf eine Ausnahme öffentlich schwieg, auch dem WESER-KURIER keine Interviews mehr gab. „Ich wollte, dass weder meine Leistung, noch die Leistung des Teams durch den Rummel beeinflusst werden”, sagt Selke an seinem fünften Arbeitstag für RB. „Mir war ganz wichtig, dass die Leute merken, dass ich weiterhin alles gebe. Deswegen habe ich mich zurückgezogen und wollte die Antwort auf dem Platz geben.” Das gelang. Nach dem schwachen ersten Auftritt nach der Verkündung des Wechsels gegen Mainz Anfang April, schoss Selke bis Saisonende noch drei wichtige Treffer – eine Bestätigung für seine Schweige-Strategie.

In Leipzig nun ruhen große Erwartungen auf dem 1,92-Meter-Mann. Schließlich ist er mit der Transfersumme von acht Millionen Euro der teuerste Zweitligaspieler überhaupt. „Okay, acht Millionen sind eine Marke”, sagt Selke, ergänzt jedoch selbstbewusst: „Ich werde alles daran setzen, dass ich meine Leistung für RB zeige. Da will ich mir keinen Rucksack aufsetzen lassen.” Den gewaltigen Druck beim millionenschweren Bundesliga-Projekt RBL lässt der Nachwuchs-Nationalspieler bislang cool an sich abprallen. Beweisen müsse er sich schließlich überall. „Ob ich das nun hier mache oder bei Werder – in Bremen hätte ich die Leistung auch bestätigen müssen”, sagt der 20-Jährige. Stattdessen sei er neugierig auf die neue Erfahrung im Unterhaus: „Ich bin schon gespannt darauf, wie es in der 2. Liga abgeht.”

Trotz seiner Erfolge in der Bundesliga muss sich Selke seinen Stand in Leipzig erst erarbeiten. Schließlich war sein Vorgänger die Identifikationsfigur schlechthin: der nach Heidenheim weggelobte Daniel Frahn, Rekordtorschütze und -spieler des mittlerweile sechs Jahren alten Klubs. Bereits am Montag hatte Selke über seinen Mittelstürmer-Vorgänger gesagt: „Daniel Frahn ist ein großartiger Stürmer, der viel geleistet hat. Aber ich bin Davie Selke und versuche, meine Leistung zu zeigen.”

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Auf den mächtigen RB-Macher, der Selke vom Wechsel überzeugt hatte, hält der Angreifer große Stücke: „Ralf Rangnick ist ein sehr erfahrener Mann, der es schon mehrfach geschafft hat, in die 1. Liga aufzusteigen.” Dass der sofortige Aufstieg sein Ziel ist, verhehlt Davie Selke nicht. Nur auf eine Toranzahl will er sich nicht festlegen lassen. Er ist vorsichtiger geworden im Umgang mit den Medien. Nachvollziehbar, schließlich hat das Sturmtalent in den vergangenen Wochen die Lektion lernen müssen, wie heftig sich medialer Druck entwickeln kann.

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