Werder Bremen Stark gebeutelt in die Winterpause

Bremen. "Wir können Meister werden." Dieses Zitat stammt von Claudio Pizarro, es ist ein halbes Jahr alt. Von solchen Sprüchen ist Werder derzeit weit entfernt. Auch die heutige Partie gegen Kaiserslautern (ab 15.30 Uhr bei uns im Liveticker) ist mit Zittern verbunden.
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Stark gebeutelt in die Winterpause
Von Olaf Dorow

Bremen. Es ist noch nicht mal ein halbes Jahr her. Es war schön warm, die Sonne schien, und unter einem Sonnenschirm saß Claudio Pizarro. Er hatte hart trainiert, das Trainingslager in Donaueschingen war wirklich sehr schweißtreibend. Werders erster Stürmer hatte frisch geduscht, man reichte ihm ein Getränk - und er gab den Reportern ein Interview. "Wir können Meister werden, wir können das schaffen", sagte er.

Die Hinrunde klingt heute aus, und Pizarros Worte klingen sehr fremd heute. Sie klingen, als hätte er über eine andere Mannschaft geredet. Wenn Werder heute den Aufsteiger Kaiserslautern empfängt (15.30, Weserstadion), dann geht es so wenig um die Meisterschaft, wie es in Bremen noch schön warm ist. Es geht darum, eine Gefahr zu vertreiben oder wenigstens ein Gefühl. Das Gefühl, dass es für Werder ein halbes Jahr nach Pizarros Interview vornehmlich gegen den Abstieg geht.

Pizarro selbst ist ein Bestandteil jener verhängnisvollen Entwicklung, die Werder in den Monaten nach Donaueschingen nahm. Er fehlt heute. Schon wieder. Sein Oberschenkel hat in dieser Hinrunde so oft gestreikt, dass man besorgt auf sein Alter schielt. 32 ist er. Mehr als die Hälfte der Bundesliga-Spiele verpasste er.

Die anderen Angreifer von Werder Bremen, der Heimat des Angriffsfußballs? Sind auf unterschiedliche Weise auch Problemkinder. Almeida trifft zwar hier und da, sieht dann aber Rot und denkt ein bisschen sehr oft über einen Vereinswechsel nach. Arnautovic hat noch nicht so gezündet, dass Astronautovic schon ein schöner Kampfname wäre. Rosenberg ist weg. Wagner ist zwar da, aber irgendwie noch nicht angekommen in der Liga der Besten. Gegen Lautern stehen wieder einmal gerade mal zwei Problemkinder zur Verfügung für den Sturm: Arnautovic und Wagner.

So könnte man den Kader von Werder Bremen durchkämmen. Am Ende hätte man viele Problemkinder, sehr viele. Es geht heute eine Hinrunde zu Ende, die ihresgleichen sucht in der Schaaf-Ära. Die Schaaf-Ära gibt es schon lange, wie jedermann weiß. "Da wird wahnsinnig viel von uns abfallen", sagt Per Mertesacker mit Blick auf die Ferien. Zu stark seien die Ausschläge gewesen in dem Halbjahr, zu viele seien ausgefallen, zu hoch war die Belastung für die, die nicht ausfielen. "Man kann sich die Pausen eigentlich nur noch durch Verletzungen holen", sagt der Verteidiger, "das will man natürlich nicht." Er wisse nicht, wie lange das noch gut gehen soll. Die Hinrunde, diese Werder-Hinrunde, hat Spuren hinterlassen, da muss man nicht lange bohren, um das von ihm bestätigt zu bekommen.

Mertesacker gehörte zu den Schlüsselspielern, die nach der WM wenig Urlaub und noch weniger Zeit zur Vorbereitung hatten. Er sollte alle paar Tage funktionieren in einem Team, dessen Stärke und dessen Selbstvertrauen immer mehr in den Keller sackte. Er musste sich "durchlügen", wie er es im Sommer nannte, und manchmal sah man das dann auch. Mertesacker, der Spiele ohne einen einzigen Fehler spielen und auch torgefährlich sein kann, zeigte Spiele, die wie eine Lüge aussahen. Das sollte Mertesacker gewesen sein? Tore schoss er nicht in dieser Hinrunde. Es sei denn, man zählt ein Eigentor mit.

Er werde versuchen, in der kurzen Winterpause "überhaupt nicht an Fußball zu denken". Er wird wegfahren aus Bremen, nicht weit weg in den Süden, aber weg aus Bremen. Er will sich ?runterfahren, sozusagen. Vorher fände er es ganz treffend, wenn die Schlagzeile "Mit letzter Kraft zum letzten Sieg" in der Zeitung stehen würde. Ein Sieg gegen Kaiserslautern würde helfen. Das Runterfahren könnte besser klappen.

Ein Sieg wäre ein Signal für die Rückrunde, in der es besser laufen soll. Selbst wenn es sehr viel besser läuft, wären die Werderaner noch entfernt davon, so reden zu können, wie einst Pizarro in Donaueschingen. Ein Sieg würde natürlich auch besser zu einer Weihnachtsbotschaft ans Publikum passen. Klubchef Klaus Allofs sagt, er würde mehrere Gründe sehen, den Fans zu danken und frohe Weihnachten zu wünschen. Weil die Fans trotz schwacher Leistungen mehrheitlich Werder unterstützten. Weil sie trotz der Baustellen-Atmosphäre (und der drastisch erhöhten Eintrittspreise) ins Weserstadion kamen.

Was er sich fürs neue Jahr wünschen würde, ist Allofs gefragt worden in dieser Woche. "Dass wir in der Rückrunde mehr Grund haben, gemeinsam zu jubeln statt zu trauern", sagte er. Thomas Schaaf sagte: "Das unterschreibe ich."

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