Durchstarter Serge Gnabry

Streicheleinheiten für die malträtierte Werder-Seele

Serge Gnabry kann Sachen, die nicht viele können. Er steht in einer Reihe mit Kevin De Bryne oder Mesut Özil. Erst seit einem Vierteljahr ist Gnabry bei Werder. Wie lange er belibt, ist fraglich.
14.11.2016, 08:33
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Streicheleinheiten für die malträtierte Werder-Seele
Von Marc Hagedorn
Streicheleinheiten für die malträtierte Werder-Seele

Ein ganz besonderer Spieler: Einen wie Serge Gnabry hat Werder seit Kevin De Bruyne nicht mehr gehabt.

ALEXANDER HASSENSTEIN, Bongarts/Getty Images

Serge Gnabry kann Sachen, die nicht viele können. Er steht in einer Reihe mit Kevin De Bryne oder Mesut Özil. Erst seit einem Vierteljahr ist Gnabry bei Werder. Wie lange er belibt, ist fraglich.

Arsenal, das ist Champions-League, das ist die Welt von Real Madrid, Juventus Turin, Manchester United und FC Barcelona. Werder hat bis 2010 auch dazu gehört, aber seitdem haben Werder und die Arsenals dieser Welt so richtig keine Berührungspunkte mehr. Bis jetzt gerade.

Werder hat im Sommer Serge Gnabry vom FC Arsenal geholt, und am Freitag hat Serge Gnabry in seinem ersten Länderspiel für Deutschland drei Tore geschossen. Bei Werder in der Social-Media-Abteilung haben sie sich so sehr darüber gefreut, dass sie bei Twitter einen Beitrag zum Gnabry-Hattrick gepostet haben, den man als Seitenhieb auf den FC Arsenal interpretieren konnte. Der Konter aus London ließ nicht lange auf sich warten: „Wo wir gerade dabei sind“, fragten die Arsenal-Menschen, „könnt ihr euch daran erinnern?“ Dazu gab es dann ein Foto von Ray Parlour, der gegen Werder vor vielen Jahren im Europapokal einmal einen Hattrick erzielt hat.

Dass man Werder im europäischen Fußball zumindest ein wenig wieder wahrnimmt, ist ein Verdienst von Serge Gnabry. Seit gerade einmal einem Vierteljahr ist der junge Mann bei Werder, und ja, man darf das so sagen, er ist dabei, die Herzen der Werder-Fans im Sturm zu erobern. Er kann Sachen, die nicht viele können. Gnabry ist so einer wie Kevin De Bruyne. Oder Mesut Özil. Oder Diego. Er ist so besonders wie sie.

De Bruyne, Özil und Diego sind bei Werder zu internationalen Stars gereift. Man muss kein Experte sein, um Serge Gnabry – wenn er gesund bleibt – ebenfalls eine große Karriere vorauszusagen. Das freut Bremen. Das streichelt die von Jahren des Abstiegskampfes und Gesundschrumpfens malträtierte Werder-Seele.

Die Freude über den Spieler wird aber auch von einer Sorge begleitet: Wie lange, so die bange Frage, wird Serge Gnabry für Werder noch zaubern? Sein Vertrag läuft bis 2020. Aber Vertragslaufzeiten, das weiß man seit ein paar Jahren, bedeuten, dass ein Spieler eben NICHT bis zum Ende bleibt, sondern auf jeden Fall vorher geht, denn nur dann verdient der abgebende Verein viel Geld.

Die Frage ist, wann dieses „Vorher“ beginnt. Für die Skeptiker ist sonnenklar, dass Serge Gnabry Werder im nächsten Sommer verlässt. Und zwar in Richtung FC Bayern, um dort die Nachfolge von Franck Ribery anzutreten. Im Prinzip gehört Gnabry dem FC Bayern ja jetzt schon, er ist in Bremen nur geparkt. So jedenfalls geht das Branchengeflüster. Das kann man glauben oder es lassen. Werder dementiert eine Absprache mit den Bayern vehement. Die Bayern schweigen. Klar ist: Es könnte gut sein, dass es genau so kommt.

Denn selbst als Werder noch groß war, war Werder für Özil, Diego und Co. irgendwann zu klein. Es kann also nicht schaden, wenn Werders Fans spätestens jetzt anfangen, jeden Auftritt von Serge Gnabry im Werder-Trikot zu genießen. Bremen, das steht fest, wird nicht Gnabrys letzte Profistation sein.

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