Werder Bremen II Artmann hat bescheidene Ziele

Bremen. Die Karriere als Profi-Fußballer ist für Kevin Artmann wohl vorbei. Jetzt ist er in der Niedersachsenliga beim TuS Heeslingen aktiv und setzt gleichzeitig auf eine kaufmännische Lehre. Artmanns Ziel in den kommenden Wochen ist bescheiden.
19.07.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Stefan Freye

Bremen. Wo er gerade ist? "In der Reha, wie immer", antwortet Kevin Artmann und lächelt leise. Ein Hauch von Galgenhumor. Wohl nur wenige Fußballer haben in den vergangenen Jahren häufiger aussetzen müssen als der 25-Jährige. "In den letzten 48 Monaten war ich wahrscheinlich 32 verletzt", sagt Artmann. Nun klingt auch schon etwas von dieser Verbitterung mit, die derzeit sein Gefühlsleben prägt. Denn vor ein paar Wochen hat der veranlagte Mittelfeldspieler eine Art Schlussstrich gezogen unter ein Leben zwischen Hoffen und Bangen. Von Werder II, wo sein Vertrag nicht verlängert wurde, ging Artmann zum TuS Heeslingen in die Niedersachsenliga.

Sein vordringliches Ziel in den kommenden Wochen ist bescheiden. "Ich hoffe, dass ich irgendwann mal zumindest die Aussicht auf eine vollständige Genesung habe", sagt Kevin Artmann. Im Frühjahr, nachdem die vorletzte Blessur auskuriert war, hatte er noch ein Comeback gefeiert bei Werder II. Die nächste Chance, noch einmal auf sie aufmerksam zu machen, Interesse zu wecken bei anderen Vereinen. Doch die Chance war klein, die Zeit des Schaulaufens zu kurz, um wirklich in Form zu kommen. Denn bald schon zwickte das Knie, Spätfolgen einer Operation im letzten Jahr.

Angebote Mangelware

Zum Ende der Spielzeit - Kevin Artmann saß wieder auf der Tribüne - glaubte der Spieler allerdings noch an eine Perspektive: Irgendein Drittligist würde sich schon erinnern an den Mittelfeldspieler, dem es vielleicht etwas an Schnelligkeit, nicht aber an den gestalterischen Fähigkeiten und der nötigen Technik mangelt. "Das habe ich gedacht." Auch Thomas Wolter, sein langjähriger Trainer, hörte sich um. "Und nach dem Urlaub hat er mich dann zur Seite genommen", erzählt Artmann. Das Ergebnis der Unterredung: Es gab keinen Verein, der bereit war, einen verletzten Kevin Artmann zu verpflichten. "Ich stand dann vor der Entscheidung, erst fit zu werden und mich dann im Probetraining zu empfehlen oder in die 5. Liga zu gehen und eine Ausbildung zu beginnen", sagt der Bremer Fußballer.

Ein "einschneidendes Erlebnis"

Die nüchterne Beschreibung einer durchaus angespannten Situation. Jahrelang hatte Kevin Artmann zwar an dieses Szenario gedacht, es aber ebenso oft auch erfolgreich verdrängt. "Nun habe ich im Grunde genommen mit dem professionellen Fußball abgeschlossen", sagt Artmann. Ein "einschneidendes Erlebnis", nachdem er 16 Jahre "hart hingearbeitet" hatte auf eine Profikarriere. Aber ganz realistisch betrachtet kann man die vielen Auszeiten der letzten Jahre eben doch nicht aufholen - selbst wenn Artmann nun mal ein paar Monate beschwerdefrei sein, der Körper den Belastungen Stand halten sollte. "Man merkt, dass man an das Niveau nicht mehr herankommt", sagt Kevin Artmann. Erfreulich sei das nicht. "Aber jetzt muss ich das Beste daraus machen."

Die vielen Stunden der Reha-Arbeit haben Kevin Artmann nicht den Optimismus genommen, vielleicht haben sie ihn sogar gefördert, quasi zwangsläufig. In jedem Fall hat Artmann eine Idee, wie es womöglich laufen könnte in der Zukunft. Es geht um den Spaß am Fußball. Mit Heeslingen möchte er zwar unbedingt aufsteigen und dabei sein, wenn 2012 die neue Regionalliga eingeführt wird. Aber der Druck beim Dorfklub ist eben doch ein anderer als beim Drittligisten Werder II. Zumal es nun auch nicht mehr um die Perspektive geht. "Früher musste ich nicht nur fit sein und spielen, sondern auch immer auffallen, um mich zu empfehlen", beschreibt Kevin Artmann die Situation in den vergangenen Jahren.

Artmann spielt mit weniger Druck

Damit ist nun erst mal Schluss. Der 25-Jährige sucht nun einen Ausbildungsplatz als Kaufmann, vorzugsweise in der Immobilienbranche, und er bemüht sich um eine Rente von der Berufsgenossenschaft ("Als ich vor ein paar Jahren noch fit war, stand ich schließlich im Profikader"). Wenn er diese Dinge auf die Reihe bekommen hat und wieder spielen kann, dann könnte sich eine ganz neue Perspektive ergeben: Kevin Artmann spielt mit weniger Druck, aber mehr Freude am Fußball. Womöglich blieben dann auch die regelmäßigen Verletzungen aus.

Und wenn nicht? Dann dürfte Kevin Artmann auch nicht mehr völlig unvorbereitet sein. Er hat sich schließlich intensive Gedanken gemacht in den letzten, von großer Ungewissheit geprägten Fußball-Jahren und weiß, dass es immer noch viel schlimmer kommen könnte. Seine Erkenntnis: "Das Leben geht weiter." Auch in der Reha.

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