Werders U23 Ausreden zählen nicht

Werders U23-Coach Alexander Nouri und sein Trainerteam müssen sich unter ungewöhnlichen Bedingungen auf die Saison in der 3. Liga vorbereiten. Aber keiner klagt.
15.07.2015, 00:00
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Ausreden zählen nicht
Von Marc Hagedorn

Werders U23-Coach Alexander Nouri und sein Trainerteam müssen sich unter ungewöhnlichen Bedingungen auf die Saison in der 3. Liga vorbereiten. Aber keiner klagt.

Gut, dass Alexander Nouri in Hennef ein Einzelzimmer hat. In Hennef absolviert Alexander Nouri gerade seine Ausbildung zum Fußballlehrer, immer von montags bis mittwochabends. Weil Alexander Nouri aber gleichzeitig auch noch Werders U 23-Trainer ist und sich diese Mannschaft seit ein paar Wochen auf die neue Saison vorbereitet, hat Alexander Nouri quasi zwei Jobs zurzeit. Und deshalb muss er viel telefonieren. Jeden Abend nach Schulschluss tauscht er sich mit seinem Trainerteam aus, das in Bremen die Mannschaft ohne ihn auf Vordermann bringt. Wenigstens stört er mit diesen Gesprächen in seinem Einzelzimmer keinen Mitbewohner.

Es klingt vertrackt. Werders zweite Mannschaft ist nach drei Jahren in der Viertklassigkeit endlich wieder drittklassig, muss dabei aber eine Vorbereitung unter denkwürdigen Bedingungen bestreiten. Der Trainer ist die Hälfte der Zeit nicht vor Ort – und eine ganze Reihe von Spielern hat zehn Tage vor dem Punktspielauftakt bei Hansa Rostock kaum oder noch gar nicht mit der Mannschaft trainiert.

Alexander Nouri könnte darüber klagen. Die Umstände kompliziert, das Timing unglücklich nennen. Er tut es aber nicht. Wer mit Alexander Nouri spricht, der bekommt häufig Worte wie „Hingabe“, „Haltung“, „Selbstverständnis“, „Einstellung“ zu hören. Alexander Nouri versammelt in seiner Mannschaft zum allergrößten Teil junge Spieler, die früher oder später einmal in der ersten oder zweiten Liga spielen wollen, am liebsten im Werder-Trikot. Deshalb freut sich Alexander Nouri, wenn möglichst viele seiner Jungs schon jetzt zum erweiterten Profikader zählen.

Was wird aus Kobylanski?

Maximilian Eggestein, Luca-Milan Zander, Julian von Haacke oder Florian Grillitsch etwa sind aktuell mit der Bundesliga-Mannschaft von Viktor Skripnik im Trainingslager in Österreich – und fehlen Nouri und Team in Bremen. Melvyn Lorenzen, Marnon Busch und Lukas Fröde wiederum waren zuvor mit den Profis im Trainingslager in Neuruppin – und mit Ausnahme von Fröde, der an der Nase operiert worden ist, hat Nouri diese Spieler jetzt wieder zur Verfügung, aber vielleicht auch nur für kurze Zeit. Einer wie Martin Kobylanski schließlich, in allen Testspielen dabei und auch schon in der Bundesliga eingesetzt, könnte vor Saisonstart noch den Verein wechseln.

Es ist ein ständiges Hin und Her, ein Kommen und Gehen zwischen erster und zweiter Mannschaft. „Aber genau so wollen wir das auch haben“, sagt Nouri. Er kann zwar nie mit einem festen Kader, geschweige denn mit einer „Stammelf“ planen, aber das macht ihm überhaupt nichts aus. Denn darum geht es ihm nicht. Er nennt es ein „Angebot“, das der Klub den Spielern dieser Mannschaft mache. Die Jungprofis dürfen in Kürze in der dritten Liga spielen, gegen Klubs wie Dynamo Dresden, Preußen Münster, VfL Osnabrück, Hansa Rostock – das Fernsehen überträgt an jedem Wochenende, die Stadien sind voll, der Abstand zur ersten und zweiten Liga ist klein.

Alles geben

„Das ist eine großartige Situation für die Jungs“, sagt Nouri, „sie müssen dazu jetzt eine Einstellung entwickeln. Diese Liga erfordert eine professionelle Haltung.“ Heißt: alles geben, nicht klagen, sondern machen und tun. So wie Nouri und seine Assistenten Thorsten Bolder, Florian Bruns und Manuel Klon es vorleben.

Fünf Testspiele hat die Mannschaft in stets wechselnder Besetzung gespielt, Testspieler waren dabei, Neuzugänge, ehemalige Nachwuchskräfte. Zu den Ergebnissen will Nouri gar nicht viel sagen. Die Mannschaft hat einmal 18:0 gegen einen Kreisligisten (SV Sögel) gewonnen, 5:2 gegen einen Landesligisten (Germania Leer), danach gab es eine 0:2-Niederlage gegen einen Viertligisten (SV Rödinghausen) und gerade am Wochenende erst einen 2:0-Sieg gegen einen belgischen Profiklub (Saint-Gilloise).

„Mit der Art und Weise, wie wir gespielt haben, bin ich zufrieden“, sagt Nouri. Er hat eine Reihe interessanter Spieler in seiner Mannschaft. Etwa Ole Käuper, gerade 18 geworden, ein Junge aus Sebaldsbrück, Thore Jacobsen, auch gerade 18 geworden und dem HSV abgeluchst, Leon Guwara, 19-jähriger Verteidiger, der im vergangenen Sommer vom 1. FC Köln gekommen ist, oder Enis Bytyqi, 18, den Werder vor einem Jahr aus Magdeburg geholt hat und der vergangene Saison in den letzten fünf Spielen schon sechs Tore für Werders U 23 geschossen hat – sie alle haben auch bereits in diversen Jugend-Nationalmannschaften des DFB gespielt.

„Wir sind überzeugt, dass jeder Spieler in unserem Kader eine Profikarriere machen kann“, sagt Alexander Nouri, „wenn er die richtige Hingabe und Haltung entwickelt.“ Unabhängig davon, ob der Cheftrainer in Hennef ist, ständig der Nebenmann auf dem Spielfeld wechselt und man selbst zwischen erster und zweiter Mannschaft und der Ersatzbank pendelt. Ausreden zählen nicht.

Die weiteren Termine in der Vorbereitung:

Werders U23 absolviert vor dem Drittliga-Start am 25. Juli bei Hansa Rostock am kommenden Wochenende noch einen doppelten Einsatz: Im Stadion des SV Lüneburg heißt der Gegner erst FC Schalke 04 II (Sonnabend, 18 Uhr) und am Sonntag dann entweder im Finale oder Spiel um Platz drei Lüneburger SK oder Berliner AK.

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